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Von AAA bis D: Wie Ratingagenturen Bewertungen vornehmen

Die Welt der Ratings ist geheimnisvoll: Auf den ersten Blick sind es nur ein paar Buchstaben, doch diese entscheiden über sehr viel Geld. Von AAA bis D ist dabei alles möglich, vergeben von einer Ratingagentur oder einer Bank.

Hier finden Sie eine Übersicht über verschiedene Ratingeinstufungen.

Wichtig für Investoren ist hier insbesondere die grobe Unterteilung in „Investmentgrade“ und „Spekulative Grade“. Je schlechter die Bonitätsbewertung, desto höher grundsätzlich die Renditen der entsprechenden Anleihen und damit umso höher Ihr Investitionsrisiko.

Wie aber bewerten Ratingagenturen?

Hinter einer Ratingnote steckt Macht, viel Macht: Sie sagt aus, ob und zu welchen Bedingungen sich Unternehmen oder ganze Länder frisches Geld leihen können. Das brauchen sie eigentlich immer – sei es, um zu investieren oder um sich zu refinanzieren.

Ist das Rating gut, finden sich schnell viele Gläubiger, die viel Geld zu niedrigen Zinsen verleihen. Denn ein gutes Rating sagt aus, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, das geliehene Geld wieder zurückzubekommen.

Je schlechter das Rating ausfällt, desto weniger sind Gläubiger zu Krediten bereit und desto höhere Zinsen können sie verlangen. Kurzum, wer ein schlechtes Rating hat, für den werden Kredite richtig teuer, wenn er überhaupt welche bekommt.

Wer vergibt Ratings?

Ratings werden von Ratingagenturen vergeben, wenn sie den Auftrag dazu erhalten. Beispielsweise kann sich ein Unternehmen für 15.000 Euro aufwärts ein Unternehmensrating erstellen lassen – etwa weil es plant, sich über eine Anleihe am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen oder weil es private Investoren überzeugen möchte.

Der Preis für das Rating richtet sich dabei natürlich nach der Größe des Unternehmens und der Höhe der (vielleicht) geplanten Neuemission.

Neben den global agierenden Platzhirschen aus den USA Standard&Poor´s, Moody´s und FitchRatings fertigen beispielsweise Coface, Creditreform oder Euler Hermes hier zu Lande Ratings speziell für Mittelständler an.

Daneben sind alle Banken zu solch einer Bonitätsbewertung verpflichtet, bevor sie Kredite gewähren. Denn daran bemisst sich die Höhe des Eigenkapitals, das sie selbst für ihre Kreditengagements hinterlegen müssen. Allerdings dürfen diese von den Banken erstellten Ratings nicht veröffentlicht werden, Stichwort: Bankgeheimnis.

Wie entsteht ein Rating?

Grundsätzlich gilt ein Rating für ein Jahr und besteht aus vier verschiedenen Modulen:

  1. den quantitativen Faktoren, dazu gehören beispielsweise Geschäftszahlen aus der Bilanz oder der Gewinn-und-Verlust-Rechnung eines Unternehmens.
  2. den qualitativen Faktoren. Das sind Risikofaktoren, die nicht ohne weiteres messbar sind, wie etwa die Qualität des Managements, die Unternehmensstrategie, die Qualität der Planung und Steuerung oder ob es bereits eine Nachfolgeregelung gibt.
  3. den Branchendaten, die auf alle Unternehmen einer Branche gleichermaßen wirken und Aussagen über die mittelfristige Entwicklung dieser Branche erlauben. Schließlich können auch gut aufgestellte Unternehmen bei einer negativen Entwicklung ihrer Branche in Schwierigkeiten geraten.
  4. einer individuellen Komponente. Da die Kreditinstitute laufend über die wirtschaftliche Situation des Schuldners informiert sein wollen, berücksichtigen sie neben vergangenheitsbezogenen Aspekten wie dem letzten Jahresabschluss auch zukunftsgerichtete Faktoren wie Zwischenzahlen oder Marktaussichten.

Für jedes Modul werden von den Agenturen Daten gesammelt, die unterschiedlich stark gewichtet in eine statistisch-mathematische Ratingfunktion eingehen. Über diese wird dann die Ratingnote berechnet.

Das Besondere ist: über den genauen Ablauf des Ratings, über die exakten Berechnungs- und Gewichtungsfaktoren, gibt es in der Regel nur sehr wenige Informationen.

Diese Note ist das Ratingergebnis, mit dem der Kunde einer Ratingklasse zugeteilt wird. Sie besagt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Schuldner während des kommenden Jahres ausfällt. Im Einzelfall können sich Ratingurteile unterscheiden, meist jedoch nur in Nuancen.

Ratings: Fluch und Segen

Besonders bei (überraschenden) Ratingänderungen kann es bei Anleihen und auch Aktien des betrachteten Unternehmens zu starken Kursausschlägen kommen. Für Sie als bereits investierter Anleger somit zu sehr positiven bzw. negativen Überraschungen.

13. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Petra Hoffknecht
Von: Petra Hoffknecht. Über den Autor

Petra Hoffknecht arbeitet als freiberufliche Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt regelmäßig für das Handelsblatt, die VDI Nachrichten, Magazine des Sparkassenverlags und diverse Regionalzeitungen wie beispielsweise die Neue Osnabrücker Zeitung oder die Südwest Presse in Ulm.