Wandelschuldverschreibung: Ein Beispiel aus der Praxis

Die Wandelschuldverschreibung kombiniert Anleihe- und Aktiengeschäft. Doch wie funktioniert das in der Praxis? Ein Beispiel gibt Aufschluss. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Die besondere Eigenschaft der Wandelschuldverschreibung ist, dass sie von einer klassischen Anleihe in ein Aktienpaket gewandelt werden kann. Dies können Aktien des Emittenten sein, aber zum Beispiel auch Anteile von Fremdunternehmen.

Bei einer solchen Umwandlung wird der Investor vom Gläubiger zum Teilhaber: Während er zuvor dem Unternehmen fest verzinstes Geld geliehen hat, erhält er nun Anteile am Unternehmen.

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Im welchen Umfang ein solcher Tausch möglich ist, wird durch das Umtauschverhältnis in den Bedingungen der Anleihe festgelegt.

Wandelschuldverschreibung: das Umtauschverhältnis

Anhand des Umtauschverhältnisses kann der Anleger abschätzen, ab welchem Kurs sich die Wandlung rentiert.

Wenn die Anleihebedingungen der Wandelschuldverschreibung zum Beispiel festlegen, dass der Anleger pro 500 € Nennwert der Anleihe 50 Aktien des Unternehmens erhält, liegt das Umtauschverhältnis bei 1:10 – pro 10 € gibt es einen Anteilsschein.

Sieht man von eventuellen Nebenkosten ab, so lohnt sich die Option auf Umtausch der Wandelschuldverschreibung dann, wenn der Kurs der Aktien oberhalb des Tauschpreises pro Aktie liegt – in diesem Beispiel also bereits ab 10,01 €.

Wandelschuldverschreibung im Beispiel: Die Anleihebedingungen

Ein fiktives Beispiel: Die Standard Ethanol AG gibt zum 1. Januar 2013 Wandelanleihen in Gesamthöhe von 10 Millionen € Nennwert aus. Die Ausgabe zu Laufzeitbeginn sowie die Auszahlung zu Laufzeitende erfolgen zum Nennwert. Der feste Zinssatz liegt bei 2%.

Die erste Zinszahlung wird zu Jahresende, am 31. Dezember, ausgeschüttet und liegt demnach bei 200.000 € (10.000.000 € x 0,02).

Die Laufzeit beträgt 5 Jahre, wobei der Anleger ab dem 2. Jahr die Möglichkeit hat, auf sein Wandlungsrecht zurückzugreifen. Tut er dies während der Laufzeit nicht, so erhält er am 31. Dezember 2017 den Nennwert zurück.

Die Wandlungsfrist endet demnach mit der Laufzeit der Anleihe.

Das Umtauschverhältnis (auch Wandlungsverhältnis genannt) der ausgegebenen Wandelanleihe liegt hierbei bei 1:50, oder anders: Für eine Anleihe im Wert von 1.000 € erhält der Anleger bei Umtausch 20 Anteilsscheine der Standard Ethanol AG.

Praktische Bedeutung des Wandelrechts

Wenn der Aktienkurs der Standard Ethanol nun auf 60 € steigt und der (theoretische) Fall eintritt, dass alle Gläubiger von ihrem Wandlungsrecht gebraucht machen, so erhöht sich das Gezeichnete Kapital des Unternehmens um 200.000 € (200.000 x 1 € rechnerischer Nennwert).

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Die Differenz von Wandlungspreis (50 €) und rechnerischem Nennwert (1 €) geht hingegen in die Kapitalrücklage ein, womit diese sich um 9,8 Millionen € erhöht (200.000 x 49 €).

Die Anleger erhalten für 1.000 € Anlagekapital 20 Aktien, die sie zum momentanen Kurs von 60 € verkaufen und 200 € Gewinn einstreichen können (20 x 60 €).

Oder sie behalten die Anteilsscheine um später bei noch höherem Kurs zu verkaufen. Dies ist jedoch eher nicht ratsam, da die Anleihe durch Umtausch erlischt – und mit ihr auch der feste Zinskupon.

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Insofern sollte vom Wandlungsrecht erst dann Gebrauch gemacht werden, wenn der Anleger auch verkaufen will oder die Wandlungsfrist ansonsten ausläuft.

Vorteile der Wandelschuldverschreibung

Sowohl für den Anleger als auch den Emittenten bietet eine Wandelschuldverschreibung Vorteile gegenüber herkömmlichen Anleihen.

Anders als bei regulären Schuldverschreibungen ermöglicht das Modell Anlegern, an Kursgewinnen der Unternehmensaktie teilzuhaben.

Bei einem Kurshoch kann der Investor durch Rückgriff auf sein Wandelrecht mitunter deutlich höhere Gewinne einfahren als durch die regelmäßige Festverzinsung.

In den meisten Fällen ist das Wandelrecht optional – der Anleger kann also frei entscheiden, ob und wann er davon Gebrauch machen möchte. Mitunter besteht eine Umtauschfrist.

Der Zinssatz ist jedoch in der Regel deutlich niedriger als bei den herkömmlichen Anleihen, was zwar kein Vorteil für den Anleger, jedoch für die Unternehmensseite darstellt.

Eine Wandelschuldverschreibung senkt für den Emittenten somit die Kapitalkosten, da sie zu günstigeren Bedingungen Fremdkapital aufnehmen können.

Zudem ergibt sich für das ausstellende Unternehmen ein Steuervorteil: Es müsste, um eine Dividende auszuschütten, unter Berücksichtigung von Steuern mehr Geld aufbringen als durch die Zinszahlung auf die Anleihe.

Nachteile der Wandelanleihe

Des einen Freud ist des anderen Leid: Für den Anleger bedeuten die geringen Zinskosten des Emittenten ihrerseits recht geringe Zinsgewinne, die herkömmlichen Industrieobligationen unterlegen sind.

Zudem sollte der Anleger darauf achten, ob die Rahmenbedingungen der Wandelanleihe eine sogenannte Verwässerungsschutzklausel beinhaltet.

Denn: Führt der Emittent während der Laufzeit eine Kapitalerhöhung durch, ehe vom Wandelrecht Gebrauch gemacht wurde, kann es zu einer Kapitalverwässerung kommen. Eine entsprechende Klausel kann dieses Risiko mindern.

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Für den Emittenten wiederum kann die Gefahr bestehen, die Aktien unter Wert auszugeben – vor allem bei unerwarteten Kursentwicklungen.

Wandelschuldverschreibung: Definition der Rechtsgrundlage

Die Wandelschuldverschreibung findet in §221 des Aktiengesetzes ihre gesetzliche Definition.

Die Ausgabe des Anleihenpapiers bedarf der Zustimmung durch die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. Hierbei ist eine Zustimmung von 75% des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals vorausgesetzt.

Weiterhin gewährt der Paragraph den Aktionären ein Bezugsrecht. Für die Ausübung des Wandelrechtes muss zudem sogenanntes bedingtes Kapital in angemessener Höhe geschaffen werden.


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Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.