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Abgeltungsteuer: Steuersatz unter 25% drücken – so geht’s

Auf horrende Griechenland-Schulden und steigende Flüchtlingszahlen kennt die Politik offenbar nur eine Antwort: Die Steuern müssen erhöht, die Bürger geschröpft werden. So fordert z. B. die Grünen-Politikerin Monika Heinold einmal wieder eine Steuererhöung. Hoffen wir einmal, dass es nicht so kommt…

In Sachen Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge habe ich hier allerdings einen Spartipp für Sie parat:

Hintergrund: So funktioniert die Abgeltungsteuer

Normalerweise zahlen Sie auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne über dem Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 € (1.602 € bei Ehepaaren) die Abgeltungsteuer. Sie beläuft sich auf 25% der Kapitaleinkünfte. Die Bank führt diese Steuer gleich ans Finanzamt ab, sodass das Geld gar nicht erst auf Ihrem Konto landet.

Der Steuersatz kann aber auch niedriger sein, wenn Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen und sich zudem selbst darum kümmern. Und genau dazu hat der Bundesfinanzhof 2015 ein neues Urteil veröffentlicht (12.05.2015, Az. VIII R 14/13):

Persönliche Einkommensteuer unter 25%? – Anlage KAP abgeben!

Die Voraussetzung für einen niedrigeren Steuersatz auf Kapitalerträge lautet: Ihr persönlicher Einkommensteuersatz (genauer gesagt: der Grenzsteuersatz) muss unter 25% liegen. Dann nämlich werden Ihre Kapitalerträge statt mit dem Abgeltungsteuersatz mit Ihrem niedrigeren, persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.

Für 2015 unterschreiten Sie die 25-%-Grenze, wenn Ihr Einkommen als Single bei weniger als 12.900 € lag, als Ehepaar bei weniger als 26.200 €. Achtung: eE handelt sich hierbei nur um Circa-Werte!

Sie brauchen aber gar nicht selbst mit spitzem Bleistift nachzurechnen, ob Ihr steuerlich relevantes Einkommen nach allen Abzügen über oder unter diesen Grenzen liegt, denn das erledigt das Finanzamt für Sie.

Ihre Aufgabe ist es lediglich, die Anlage KAP zusammen mit Ihrer Steuererklärung einzureichen.

Das Finanzamt prüft dann, ob für Ihre Kapitalerträge der Abgeltungsteuersatz gilt oder Ihr persönlicher Einkommensteuersatz. Ist letzterer niedriger, dann erhalten Sie eine Steuererstattung.

Das nennt sich Günstigerprüfung – weil das Finanzamt prüft, welcher Steuersatz günstiger für Sie ist. Kommen wir jetzt zur o. g. Entscheidung des BFH in dieser Sache. Hier geht es wieder einmal um das leidige Thema Fristen.

Steuerbescheid rechtskräfig? – Günstigerprüfung dann nicht mehr möglich

Führt das Finanzamt auf Antrag auch dann eine Günstigerprüfung für vergangene Jahre durch, wenn Sie die Abgabe der Anlage KAP zusammen mit Ihrer Steuererklärung versäumt haben? Um diese Frage ging es vor dem obersten deutschen Finanzgericht.

Das Urteil der Richter: Nein, das ist nicht möglich – zumindest dann nicht, wenn die Einspruchsfrist tatenlos verstrichen und der Steuerbescheid rechtskräftig geworden ist. In diesem Fall ist der Antrag auf Günstigerprüfung nicht mehr möglich, so die Richter (12.05.15, Az. VIII R 14/13).

Tipp: Legen Sie notfalls Einspruch ein

Eine Möglichkeit gibt es für Sie allerdings, die zuviel gezahlte Abgeltungsteuer doch noch vom Fiskus zurückzuholen: Wenn der Steuerbescheid angekommen ist, prüfen Sie ihn!

Teilen Sie die zu zahlende Steuer durch die „steuerbaren Einkünfte“, die in diesem Bescheid ausgewiesen sind. Liegt das Ergebnis unter 25%, dann legen Sie Einspruch ein.

Schreiben Sie, dass Sie eine Günstigerprüfung beantragen, und fügen Sie die ausgefüllte Anlage KAP bei, in der Sie Ihre Kursgewinne, Zinsen und Dividenden deklarieren. So profitieren Sie doch noch von den niedrigeren Steuersätzen.

Übrigens:

Wenn Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilt haben und Ihre Kapitaleinkünfte ohnehin nicht höher als der Sparerpauschbetrag sind (801 € bei Singles, 1.602 € bei zusammen veranlagten Ehepaaren), brauchen Sie sich die Mühe nicht zu machen.

Dann zahlen Sie sowieso keine Abgeltungsteuer an den Staat. In allen anderen Fällen gilt: Wenn schon die Politiker immer unverschämter in die Taschen der Bürger greifen, dann sollten Sie wenigstens dafür sorgen, alle Steuerspar-Möglichkeiten auszunutzen, die sich bieten. Und eine satte Steuererstattung vom Finanzamt ist doch höchst erfreulich, oder nicht?!

1. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst hat sich auf die publizistische Beratung im Bereich Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und speziell zum Thema Geldanlage mehrere Bücher verfasst.