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Der Long-Strangle: Börsenmanöver für Fortgeschrittene

Ein Long-Strangle ist der gleichzeitige Kauf derselben Anzahl von Puts und Calls auf denselben Basiswert, mit derselben Laufzeit, aber mit unterschiedlichen Basispreisen.

Sie kaufen durch die Bildung eines Long-Strangles sowohl einen Call als auch einen Put auf dieselbe Aktie.

Ein Long-Strangle ist kein Nullsummenspiel

Die Kurse von Calls und Puts auf denselben Basiswert verhalten sich gegenläufig. Das heißt:

  • Der Call gewinnt, wenn der Aktienkurs steigt, dann verliert der Put.
  • Der Put gewinnt, wenn der Aktienkurs fällt, dann verliert der Call.

Auf den ersten Blick sieht dies so aus, als sei es ein Nullsummenspiel. Das ist aber nicht so.

Denn bei einer großen Kursbewegung des Basiswertes steigt der Wert einer der beiden Optionen (entweder Call oder Put) sehr schnell so hoch, dass er die Verluste der anderen Option zuerst ausgleicht und dann immer weiter übertrifft. Der Long-Strangle läuft in den Gewinn.

Einfache Zahlenbeispiele

Angenommen, Sie haben einen Long- Strangle gebildet und für den Call 3,20 € und für den Put 2,80 € bezahlt. In der Summe sind das 6 €. Für einen Kontrakt Calls plus einem Kontrakt Puts mit jeweils 100 Optionen haben Sie also 600 € investiert.

1. Zahlenbeispiel: Der Long-Strangle erzielt Gewinn, weil der Kurs des Basiswertes steigt.

Nehmen wir an, der Kurs der DBK-Aktie steigt auf 32 €. Die Aktie notierte mit diesem Kurs noch im August 2015. Dann hat der Calls mindestens einen Wert von 12 €. Gleichzeitig verliert der Put. An dieser Stelle setzen wir den Restwert des Puts auf null.

Wenn Sie den Call jetzt für 12,00 €, den Kontrakt mit 100 Calls also für 1.200 €, verkaufen, haben Sie einen Gewinn von +100% auf die Gesamtinvestition des Long-Strangles.

Denn investiert haben Sie 6 € für je einen Call plus einen Put beziehungsweise 600 € für je einen Kontrakt Calls und Puts.


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Je höher der Call im Wert steigt, desto höher ist auch Ihr Gewinn.

Zusätzliche Gewinnchance: Nach Verkauf (Glattstellung) des Calls haben Sie noch einen nahezu wertlosen Put im Depot. Fällt der Basiswert (Aktie) nun, ist jeder Euro, den dieser Put zulegt, ein zusätzlicher Reingewinn. Kommt es zum Crash, kann dieser Put im günstigsten Fall auch Gewinne von +100% und mehr erzielen.

Praxis-Tipp: Gleichzeitiger Kauf von Call und Put

Kaufen Sie für die Bildung eines Long-Strangles die Calls und Puts gleichzeitig. Nur dann sind Sie auf der sicheren Seite. Kommt es nach dem Kauf Ihrer Calls und Puts schnell zu einer großen Marktbewegung, sind Sie schon mit einem Gewinn dabei.

Wenn Sie z. B. zuerst den Call gekauft haben, passen Sie Ihr Kauflimit für den Put gegebenenfalls leicht an.

Wenn Sie damit zu lange warten, besteht folgendes Risiko: Der Kurs des Basiswertes bewegt sich in die „falsche“ Richtung.

In diesem Beispiel fällt er. Der Call wird dadurch immer billiger. Der noch nicht gekaufte Put wird jedoch immer teurer. Sie laufen dann steigenden Kursen des Puts hinterher.

2. Zahlenbeispiel: Der Long-Strangle erzielt Gewinn, weil der Kurs des Basiswertes fällt

Nehmen wir an, der Kurs des Basiswertes verliert so viel, dass der Put +100% Gewinn erzielt. Sein Wert beträgt dann 5,60 € (Kursverdopplung vom Kaufpreis 2,80 €). Wenn Sie auch hier den Restwert des Calls auf null setzen, haben Sie immer noch einen Verlust, denn der Kaufpreis für Call und Put lag bei 6 €.

Sie haben aber den Kursverlust des Calls in großen Teilen abgefedert.

Aber gerade bei einem Crash ist bei +100% Gewinn noch lange nicht Schluss. Wenn Sie rechnen, dass der Put +292% zulegt, hat er einen Wert von 10,98 €. Beim Verkauf (Glattstellung) zu diesem Preis erzielen Sie einen Gewinn von 83% auf die Gesamtinvestition von 6 € für je einen Call und Put.

Zusätzliche Gewinnchance: Auch hier haben Sie eine zusätzliche Gewinnchance, wenn der Kurs des Basiswerts nach Verkauf der Puts wieder stark steigt. Der Call kann sich dann deutlich erholen und auch noch weit in den Gewinn laufen.

Praxis-Tipp: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Manche Broker (z. B. Interactive Brokers (IB) und die Service-Broker von IB: Agora Direct, ADiF Brokerage, Cap Trader, Lynxbroker, meintrade. com) bieten Ihnen die Möglichkeit, Call und Put direkt als Long-Strangle zu ordern.

Wenn Sie diese Orderart nutzen, kaufen Sie Call und Put automatisch gleichzeitig. Wenn Sie diese Orderart kennen, können Sie die natürlich nutzen.

Wir haben Ihnen für IB eine Schritt-für- Schritt-Anleitung für den Kauf eines Long-Strangles erstellt.

Diese finden Sie im exklusiven Abonnentenbereich des Optionen-Profi unter http://www.gevestor.de/login.html und dort unter Der Optionen-Profi – Downloads – Strangle.Schritt.fuer.Schritt.IB. 2016.PDF

Da die genannten Service-Broker von IB eine ähnliche Handelsmaske haben, müssten Sie diese Anleitung auch dort umsetzen können. Sonst fragen Sie bitte Ihren Broker, wie Sie diese Orderart nutzen können.

Der Long-Strangle: Risiko und dessen Begrenzung

Der Long-Strangle erzielt sowohl Gewinne, wenn der Kurs des Basiswertes deutlich steigt als auch wenn dieser deutlich fällt. Die Betonung liegt hier auf „deutlich“.

Das Risiko: Wenn sich der Basiswert nicht oder nur wenig bewegt, verlieren Call und Put an Wert. Das heißt, wenn der Kurs des Basiswertes z. B. nach 3 oder 4 Monaten in etwa notiert wie am Kauftag der Calls und Puts, haben beide verloren. Der Long-Strangle liegt im Verlust.

Dieses Risiko halten wir gering, indem wir ausschließlich langlaufende Optionen in Betracht ziehen.

Wenn sich bis zum spätesten Termin zur Positionsschließung kein Gewinn einstellt, analysiert man die Aktie und die Aussichten der Optionen erneut und beschließt gegebenenfalls, den Long-Strangle glattzustellen.

Die Gewinn-Realisierung bei einem Long-Strangle

Die Preise von Put und Call bewegen sich immer gleichzeitig und gegenläufig. Steigt der Call im Preis, fällt der Put – und umgekehrt. Erst die Addition beider jeweils zu erzielenden Verkaufspreise (Put + Call) lässt feststellen, ob das Ziel der Investition erreicht ist.

Bei einem Long-Strangle ist eine automatische Gewinnrealisierung nicht möglich.

Eine Ausnahme ist, wenn Sie Call und Put als Einheit des Long-Strangles kaufen und verkaufen können. Beachten Sie dazu den zweiten Praxis-Tipp.

Praxis-Tipp: Zeitversetzer Kauf von Call und Put

Sie können einen Long-Strangle zeitversetzt bilden. Eventuell können Sie dann den Call und den Put etwas billiger kaufen. Wenn Sie z. B. den Call kaufen und der Kurs der Aktie danach zulegt, wird der Put billiger – und umgekehrt.

Legen Sie aber gegebenenfalls vor dem Kauf fest, zu welchem Zeitpunkt (festes Datum) oder zu welchem maximalen Kurs Sie die noch fehlende Option kaufen.

An dem festgelegten Tag kaufen Sie die fehlende Option auf jeden Fall.

Und auch wenn der Kurs der fehlenden Option immer teurer wird, also Ihr oberes Limit erreicht, kaufen Sie auf jeden Fall. Nur dann haben Sie die Vorteile des Long-Strangles.

11. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi" und "Heißmanns Königsklasse". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.