MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Disagio-Erklärung: So funktioniert das Abgeld

Privatanleger stoßen vor allem in 2 Zusammenhängen auf den Begriff des Disagio: Im Zuge des Wertpapierhandels und im Kreditwesen. Die Erklärung des Begriffes ist nicht sehr kompliziert, doch das Disagio hat zum Teil große Auswirkungen.

Disagio (auch „Damnum“ oder schlicht „Abgeld“) bezeichnet eine Abschlagszahlung bei Ausstellung eines Wertpapieres oder Vergabe eines Kredites. Das Gegenteil des Disagio ist das sogenannte Agio, das einen Ausgabeaufschlag bezeichnet.

Disagio und Wertpapiere: Anleihen und Devisen

Bei Wertpapieren wie Anleihen ist es mittlerweile marktüblich, dass Aussteller bei Ausgabe des Papiers einen Ausgabeabschlag (Disagio) oder Ausgabeaufschlag (Agio) verlangen, mit gegensätzlichen Auswirkungen: Das Disagio führt zu einer Ertragsminderung beim Emittenten, während das Agio den Gewinn des Anlegers schmälert.

Für Aktien ist die Erhebung eines Disagio im Übrigen verboten – die entsprechende rechtliche Erklärung findet sich ab §9 des Aktiengesetzes (AktG). Ein gutes Beispiel für den Gebrauch von Disagio und Agio bietet der Handel mit ausländischen Devisen: So kaufen Banken diese entweder unterhalb des offiziellen Wechselkurses ein (was einem Disagio entspricht) oder verkaufen oberhalb dieses Kurses (Agio).

Der Abschlag beim Währungsgeschäft beträgt hierbei üblicherweise 2% bis 4% des Nominalwertes der Währung. Gebräuchlich sind hierbei auch die Begriffe „Geldkurs“ beim Disagio und „Briefkurs“ beim Agio.

Disagio: Erklärung des Abgeldes bei Darlehen

Im Kreditwesen wird oftmals ein Disagio vom Gesamtbetrag des Darlehens erhoben. Dies sind üblicherweise 5% bis 10% des Nennwertes. Die Erklärung: Der Kreditnehmer erhält einen Auszahlungsbetrag, der kleiner ist als der Nominalwert des Darlehens, muss jedoch gegen Ende der Laufzeit den Nennwert (inklusive des einbehaltenen Abgeldes!) erbringen.

Begründet wird die Erhebung eines Disagio seitens der Kreditgeber meist mit der Gewährung eines niedrigeren Nominalzinssatzes, da das Abgeld als vorausbezahlter Zins gilt. Kreditnehmern sollen hierdurch eine geringere monatliche Zinsbelastung gewährleistet werden.

Anleger sollten jedoch akribisch vergleichen: Obwohl der Nominalzins mutmaßlich sinkt, bleibt der effektive Jahreszins meist gleich oder erhöht sich gar.

Ein Vergleich des Effektivzinssatzes oder der Summe aller zu zahlenden Zinsen ist also anzuraten. Ebenfalls zu beachten: Bei höherem Kreditbedarf ist aufgrund der Abschlagszahlung ein höherer Kreditbetrag aufzunehmen, zu verzinsen und zu tilgen, als bei einem Darlehen ohne Abgeld.

Disagio in der Buchhaltung: Richtig bilanzieren

Die handelsrechtliche Verbuchung eines Disagio in der Bilanzbuchhaltung ist im § 250 Abs. 3 des Handelsgesetzbuches (HGB) reglementiert.

Während im Steuerrecht eine Aktivierungspflicht besteht, gewährt der Gesetzgeber im Handelsrecht ein Wahlrecht, ob dieser den Unterschiedsbetrag durch das Disagio in den Rechnungsabgrenzungsposten auf der Aktiva-Seite aufnehmen möchte.

In diesem Fall ist das Disagio durch planmäßige, jährliche Abschreibungen zu tilgen. Diese können über die Laufzeit der Verbindlichkeiten aufgeteilt werden.

Disagio als Werbungskosten-Abzug bei Immobilienerwerb

Beim Erwerb einer Immobilie kann ein Disagio auch sofort bei den Werbungskosten abgezogen werden. Um diesen Vorteil auch wirklich nutzen zu können, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Grundsätzlich kann ein Disagio bei einer Schuldverschreibung von Vermietungs- und Verpachtungseinkünften sofort als Werbungskosten abgezogen werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich der Festschreibungszeitraum der  Darlehenszinsen auf mindestens 5 Jahre beläuft und dass das Disagio nicht mehr als 5% der Kreditsumme beträgt.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass der Verkauf der Immobilie und die Schuldübernahme vom Immobilienverkäufer selbstständige Rechtsgeschäfte darstellen.

Um nachweisen zu können, dass es sich wirklich um 2 verschiedene und selbstständige Rechtsgeschäfte handelt, sollte man sich dafür vom Verkäufer eine schriftliche Bestätigung ausstellen lassen. In dieser sollte stehen, dass die Immobilie verkauft worden wäre, auch wenn der Erwerber eine andere Art der Finanzierung gewählt hätte.

Disagio-Erstattung: Ausnahmen und Sonderfälle

Nicht in allen Fällen kann die Disagio-Rückzahlung an den Immobilienverkäufer sofort als Werbungskosten zum Abzug gebracht werden. Immer dann, wenn sich der Verkäufer nur die eigenen Aufwendungen für die Baukostenfinanzierung erstatten lassen will, betrachtet das Finanzgericht in Düsseldorf dies in erster Linie nicht als Schuldübernahme.

Es wird dann nur als eine Zahlung angesehen, wenn sie dazu dient, das Anschaffungsgeschäft zum Laufen zu bekommen. Die erstinstanzliche Entscheidung des Finanzgerichtes in Düsseldorf ist leider nicht rechtskräftig geworden, weil die Finanzverwaltung die Revision beim Bundesfinanzhof in München eingereicht hat.

Die Betroffenen sollten jedoch in jedem Fall gegen den eigenen Bescheid Einspruch erheben und bis zur Entscheidung der Münchner Richter die Verfahrensruhe beantragen, um eventuell aus einem positiven Urteil einen Vorteil ziehen zu können.

Fazit: Insgesamt sind an den Immobilienerwerb mit Disagio-Abzug als Werbungskosten bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Hinzu kommen außerdem noch einige zu beachtende Ausnahmen. Jedoch kann es sich sehr lohnen, alle Ausnahmen und Voraussetzungen zu beachten, um so von den Vorteilen eines Disagio-Abzugs als Werbungskosten profitieren zu können.

10. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.