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In diesen Fällen werden Ausgabeaufschläge kassiert

In der Finanzwelt gibt es noch eine ganze Reihe von Begriffen, die italienischen Ursprungs sind. Sie gehen auf den blühenden Geldhandel der Renaissancezeit in Venedig und Oberitalien zurück.

Allein das Wort Bank kommt vom Handelstisch, der Banca. Das Zwischengeschoss Mezzanine bezeichnet eine Mischfinanzierung aus Fremd- und Eigenkapital und ein Agio ist eine „Bequemlichkeit“, die der Kunde zu zahlen hat.

Agio Definition: Gebühr auf Finanzgeschäfte

Das Agio ist per Definition nicht anderes als ein Aufgeld, meist bezeichnet als Ausgabeaufschlag. Dieser ist bei etlichen Finanzgeschäften fällig und wird zusätzlich zum Nennwert erhoben, also dem eigentlichen Kaufpreis bzw. Wert von Fonds, Aktien, Devisen oder Darlehen. In der Regel werden mit dieser Extragebühr ganz oder teilweise die Vermittlungskosten bezahlt – außer bei Darlehen.

Im Zusammenhang mit Darlehen ist deshalb beim Agio die Definition im Detail etwas anders. Hier handelt es sich um eine keine Vermittlungs-, sondern um eine reine Darlehensgebühr. Deshalb ist es im Rahmen von Baukrediten steuerlich als Finanzierungskosten und nicht als Anschaffungskosten abzugsfähig. Dasselbe gilt beim Disagio, dem bei Krediten häufiger angewendeten Umkehrfall zum Agio – auch Abgeld genannt.

Darlehen:

Das Agio wird beim Darlehen am Schluss bezahlt, und zwar in Form eines höheren Rückzahlungsbetrags. Bei einem Agio von 5% auf ein Darlehen über 10.000 € beispielsweise zahlt man als Darlehensnehmer diese Summe zurück, erhält aber anfangs nur 9.500 €.

Das Agio hat gegenüber dem oben angesprochenen Disagio einen entscheidenden Vorteil: Die Zinsen werden nur auf den Nettobetrag berechnet. Beim Disagio indes sind sie Zinsen auf die volle Summe zu zahlen.

Aktien:

Bei Aktien wiederum ist nur ein Agio zulässig. Werden Aktien neu ausgegeben, so versteckt sich das Agio im Ausgabepreis, der den Nennwert übersteigt. Da der Börsenwert dann höher ist als das bilanzielle Eigenkapital – Aktien zählen zum Eigenkapital – muss eine Aktiengesellschaft das Agio als Kapitalrücklage verbuchen.

Anleihen:

Anleihen wiederum werden meist zum Nennwert aufgelegt. Handelt es sich jedoch um eine „Überpari-Ausgabe“, so ist darin ein Agio enthalten. Unternehmensanleihen sind Fremdkapital der Firma. Das Agio aber zählt wie bei Aktien als Kapitalrücklage. Aus Anlegersicht ist zu beachten, dass sich die Effektivverzinsung der Anleihe verringert. Der Zins wird nur auf den Nennwert bezahlt.

Devisen:

Das Agio kommt gelegentlich auch beim Devisenhandel vor. Es macht sich als Differenz zwischen Kaufpreis und Leitkurs bemerkbar. Der Leitkurs ist ein fixer Orientierungskurs, von dem der Marktkurs, sowohl nach oben als auch nach unten, in einer gewissen Bandbreite abweichen darf.

Fonds:

Anleger zahlen ein Agio auch bei Fonds. Die Fondsgesellschaften decken mit dem Ausgabeaufschlag ihre Vertriebskosten. Er bezieht sich auf den Wert der gekauften Fondsanteile. Die Höhe ist zum Teil verschieden. Bei Geldmarktfonds etwa beträgt das Agio meist um 1%. Bei Rentenfonds sind es 2% bis 4%. Zwischen 3% und 6% werden bei Aktienfonds berechnet und bei offenen Immobilienfonds ca. 5%.

Angebote ohne Aufschläge

Wer sich für Fonds interessiert, findet alternativ etliche Angebote ohne Ausgabeaufschlag. Dafür aber fallen dann höhere Verwaltungsgebühren an, die jährlich berechnet werden. Deshalb lohnen sie sich nur, wenn Fonds kurzfristig gehalten oder häufiger gewechselt werden.

Etwas anders sieht es bei ETFs aus. Bei diesen passiven Indexfonds fallen keine Ausgabeaufschläge an – dafür Transaktionskosten, wenn Wertpapiere gekauft und verkauft werden. Die Häufigkeit hängt allerdings vom jeweiligen Fonds. Insgesamt sind die Gebühren wegen des Verzichts auf ein aktives Management sehr niedrig.

Im Finanzierungsbereich ist zu beachten, dass das Agio gerade bei Bausparkassen die mittlerweile verpönten Gebühren ersetzt. Hier heißt es: aufpassen! Fehlende Gebühren bedeuten nicht zwangsläufig günstigere Konditionen beim Bausparvertrag.

24. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.