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Die Magie der Wirtschaftspolitik: Das magische Sechseck

Die Wirtschaftspolitik kann die Finanzmärkte auf verschiedenste Weise beeinflussen. Zinserhöhungen, Subventionen oder Steuern werden von den Märkten nicht unbeantwortet gelassen.

Die Werkzeuge der Politik zu kennen und vorherzusagen, ist also für einen Anleger von enormer Bedeutung.

Das Magische Sechseck ist in der Wirtschaftpolitik ein effektives Modell, um zu verstehen, wann, wie und warum die Politik bestimmte Maßnahmen ergreift.

Das Modell bildet 6 wichtige Ziele der Wirtschaftspolitik ab. Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder, dem Magischen Viereck, beinhaltet es also 2 Ziele bzw. Ecken mehr.

Auch hier steht das Adjektiv „magisch“ dafür, dass nicht alle 6 Ziele gleichzeitig unter einen Hut zu bringen sind. An den Eckpunkten des grünen Sechsecks befinden sich die 6 Ziele:

  • eine hohe Beschäftigung
  • außenwirtschaftliches Gleichgewicht
  • ein stabiles Preisniveau
  • ein angemessenes und stabiles Wirtschaftswachstum
  • der Schutz der Umwelt
  • eine gerechte Einkommensverteilung

Was bei 4 Zielen schon kaum zu erreichen ist, wird bei 6 Zielen allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Möchte man das eine Ziel erreichen, so ist dies häufig nur auf Kosten eines anderen Ziels möglich.

magisches sechseck wirtschaft

Die Rolle der Inflation im Magischen Sechseck 

Inflation stellt eine der größten Gefahren für einen Anleger dar. Aus diesem Grund ist es wichtig zu verstehen, welche Ziele im Magischen Sechseck die Inflation in die Höhe treiben.

Ein häufig diskutiertes Thema in der Volkswirtschaft ist der Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflation. Ein bekanntes ökonomisches Modell ist die Phillips-Kurve. Dieses Modell sagt aus, dass eine hohe Inflation die Arbeitslosenquote senkt. Die Grafik wurde häufig als „Speisekarte“ betrachtet. Die Politiker glaubten, dass sie sich eine Kombination von Arbeitslosigkeit und Inflation aussuchen konnten.

Für ein stabiles Preisniveau musste ein Land auf einen hohen Beschäftigungsstand verzichten. War jedoch eine niedrige Arbeitslosenquote erwünscht, so musste diese durch eine höhere Inflationsrate „erkauft“ werden. Heutzutage wird die Gültigkeit der Phillips-Kurve allerdings stark in Frage gestellt. Einer der größten Kritiker war der Nobelpreisträger Milton Friedman.

Es ergibt sich also folgendes Problem: Der Versuch, die Beschäftigung zu erhöhen, kann auch die Inflation in die Höhe treiben. Wirtschaftliches Wachstum kann die Inflation zudem weiter anfachen. Wenn die Konjunktur anzieht und die Produktion steigt, dann steigen in der Regel auch die Preise.

Um das Ziel der Preisstabilität zu verfolgen, muss der Leitzins erhöht werden. Dadurch müssen die Unternehmen mehr für Kredite bezahlen. Die Investitionen werden teurer und das Wachstum der Wirtschaft nimmt ab.

Weitere Spannungsfelder zwischen den „Ecken“

Darüber hinaus können sich auch Spannungen zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum ergeben, denn das Einhalten von Umweltvorschriften kann für Unternehmen sehr teuer sein. Häufig müssen diese neue Investitionen tätigen, um nicht gegen die neuen Gesetze zu verstoßen.

Die gesamten Kosten für die betroffenen Unternehmen erhöhen sich damit und die Gewinne schrumpfen. Dies führt dazu, dass sie weniger Kapital für Gewinnausschüttungen zur Verfügung haben. Die Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung kann beispielsweise zu einer Begrenzung von Managergehältern oder Boni führen.

Es bleibt festzuhalten, dass es „die eine, richtige Wirtschaftspolitik“, die allen Zielen gerecht wird, nicht geben kann, weil man unmöglich alle 6 Ziele gleichzeitig umsetzen kann. Die Politik muss bei ihren Entscheidungen also einen Kompromiss finden und stets das kleinste Übel auswählen.

Die Auffassung darüber, ob ein Ziel wichtiger ist als ein anderes, wird sich je nach Aktualität und amtierender Regierung immer unterscheiden. So ist zum Beispiel in guten wirtschaftlichen Zeiten die Bevölkerung in der Regel besser auf das Thema Umweltschutz zu sprechen als in schlechten.

In anderen Worten: Einige Ziele des Magischen Sechsecks stehen in einem krassen Widerspruch zueinander.

20. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Max Ole Liemen
Von: Max Ole Liemen. Über den Autor

Max Ole Liemen entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft für Wirtschaft und Finanzen. Der studierte Volkswirt schafft es seinen Lesern komplexe Sachverhalte mit einfachen Worten zu erklären.