Warren Buffetts größte Fehlinvestitionen

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Unsere Analyse zeigt: Folgen Sie Warren Buffett nicht in Aktien von Großkonzernen und Technologie-Unternehmen. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Die Frage, die in diesem Beitrag im Vordergrund steht, lautet: Ist es ratsam, einem Top-Investor wie Warren Buffett blind zu folgen ohne seine Stärken und Schwächen im Detail zu kennen?

Beginnen möchte ich meine Analyse mit dem Beispiel der Apple-Aktie. Im vergangenen Jahr ging die Meldung durch die Medien, dass der erfolgreiche Großinvestor Warren Buffett in die Apple-Aktie eingestiegen ist. Seitdem fragen mich Leser regelmäßig, warum wir Buffett bei diesem Investment nicht folgen.

Folgen Sie Warren Buffett nicht in Aktien von Großkonzernen und Technologie-Unternehmen

In der Tat gehörte die Apple-Aktie bis zum Jahr 2013 zu den Favoriten mehrerer Investoren und war daher lange Zeit ein klarer Kauf in unserer Konsens-Strategie. Warren Buffett ist hingegen erst sehr spät in die Apple-Aktie eingestiegen, nachdem die meisten anderen Investoren sich bereits wieder von dem Titel getrennt hatten.

Selbst wenn im Moment weitere Investoren die Apple-Aktie wieder kaufen würden, würde ich dem Kauf von Warren Buffett in meiner Auswertung kein starkes Gewicht beimessen.

Der Grund: Die Apple-Aktie fällt nicht ins typische Profil der erfolgreichen Buffett-Investments. Das möchte ich Ihnen nachfolgend genau erläutern.

1.) Warren Buffett ist bei Investitionen in Großkonzerne seit mehreren Jahren nicht mehr erfolgreich gewesen

Mit einem Börsenwert von rund 870 Mrd. $ ist Apple eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Buffett´s Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hält derzeit rund 180 Mrd. $ in börsengehandelte US-Unternehmen.

Es ist verständlich, dass bei solch einem enormen US-Aktienvolumen Warren Buffett kaum noch einen signifikanten Teil davon in kleine Unternehmen investieren kann.

Dafür ist Buffett´s Investitionskapital mittlerweile einfach zu stark angestiegen. Daher muss er inzwischen den Großteil seines Depots in Megakonzerne (wie z.B. Apple oder IBM) investieren.

Doch hierin liegt nicht seine wahre Stärke. Um Ihnen dies zu belegen, habe ich die Wertentwicklungen zweier „Teil-Depots“ von Warren Buffett in den vergangenen 17 Jahren ermittelt.

Das erste beinhaltet alle Buffett-Aktien von US-Unternehmen, die zum jeweiligen Zeitpunkt in der Historie einen Börsenwert von mindestens 100 Mrd. $ aufwiesen. Das zweite beinhaltet nur Aktien von Unternehmen mit einem Börsenwert kleiner 100 Mrd. $.

Das Ergebnis sehen Sie auf dem folgenden Chart:

Am besten abgeschnitten haben mit einem Wertzuwachs von 466% die Aktien aus dem Depot von Warren Buffett mit einem Börsenwert kleiner als 100 Mrd. $ (hellblaue Linie).

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Dies war deutlich besser als die Wertentwicklung aller Buffett-Aktien (+245% / gestrichelte blaue Linie) und des US-Aktienleitindex S&P 500 inkl. Dividenden (+206% / rote Linie).

Das Ergebnis der großen Mega-Konzerne im Depot von Warren Buffett (darunter klangvolle Namen wie IBM, Coca-Cola und Apple) hat den Schnitt des Gesamtdepots jedoch kräftig nach unten gedrückt. Wie Sie sehen können, lag der Wertzuwachs von 63% sogar noch deutlich unter dem Vergleichsindex S&P 500!

2.) Technologie-Aktien sind nicht das Spezialgebiet von Warren Buffett

Warren Buffett ist durch Investments in Unternehmen mit starker Wettbewerbspositionierung und meistens einfach verständlichen Geschäftsmodellen erfolgreich und bekannt geworden.

Darunter fanden sich z.B. Aktien von Eisenbahnlinien oder Nahrungsmittelkonzernen. Mit Technologie-Aktien hat er sich jedoch bislang nicht mit Ruhm bekleckert.

Populäres Beispiel ist die IBM-Aktie, mit der er in den vergangenen Jahren viel Geld verloren hat. In einer weiteren Auswertung habe ich einmal simuliert, wie das Anlageergebnis ausgefallen wäre, wenn wir unser Kapital gleichmäßig verteilt in die Technologie-Werte aus dem US-Aktiendepot von Warren Buffett investiert hätten.

Das Ergebnis ist auch hier ernüchternd, wie Sie auf dem folgenden Chart sehen können:

Auch hier sehen Sie zum Vergleich wieder die Wertentwicklung aller US-Aktien aus dem Buffett-Depot (+245% / gestrichelte blaue Linie) und des US-Aktienleitindex S&P 500 (+206% / rote Linie).

Die Technologie-Aktien von Warren Buffett haben mit +183% im Durchschnitt jedoch jeweils schlechter abgeschnitten.

Im Klartext: Eine ungemanagte Geldanlage (z.B. ein S&P 500-ETF) hätte mehr Geld eingebracht.

Fazit

Warren Buffett gilt zwar als einer der erfolgreichsten Aktieninvestoren der Welt. Doch wenn es darum geht, eine bestimmte Aktie zu kaufen, die er auch gerade gekauft hat, sollten Sie seine Stärken und Schwächen und die Investitionshintergründe ganz genau kennen.

Wie ich Ihnen erläutert habe, zählen weder Technologie-Aktien noch Aktien von Großkonzernen zu seinen Stärken.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.