Warum kleinen Fluggesellschaften die Luft ausgeht

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Kleine Fluggesellschaften können im extremen Margendruck kaum mehr mithalten. Die Branche konsolidiert sich, nach den USA nun auch in Europa. (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Wie in jeder Branche muss sich auch bei Airlines das passende Maß an Wettbewerb immer wieder neu einpendeln. Zu wenig erzeugt behäbige Riesenkonzerne, zu viel kann im ruinösen Preiskampf enden. Deshalb hatte etwa Warren Buffett lange keine Aktien von Fluggesellschaften angefasst, bis er vor rund zwei Jahren im großen Stil zugriff. Die Branche hatte sich in den USA konsolidiert, viele kleine Fluggesellschaften sind verschwunden oder wurden aufgekauft. Geblieben ist ein Oligopol mit wenigen Anbietern.

Die Herausforderung der Branche sind die extrem hohen Kosten, um in der Luft überhaupt mitmischen zu können. Im teuren Geschäft sind schon Schwankungen wie gestiegene Kerosinpreise oder Streiks gerade für kleinere Fluggesellschaften existenzgefährdend. Hierzulande scheint die Pleitewelle nicht abzureißen.

Selbst attraktive Nischen reichen nicht aus

Nach Air Berlin sorgt die Insolvenz von Germania für Aufsehen. Die kleine Fluggesellschaft mit 34 Maschinen legt damit neben hausgemachten zugleich strukturelle Probleme offen: Einerseits werden Nischen und Zeiten bedient, die für Größen wie Lufthansa erst gar nicht infrage kommen. Dennoch scheint es für ein rentables Geschäft nicht zu reichen.

Das Dilemma ist sogar bei der Deutschen Bahn bekannt, wo Nebenstrecken und Bahnhöfe einfach gestrichen wurden. Umso schwerer tut sich die Luftfahrt mit durchaus gefragten Routen und Regionalflughäfen, denen ebenfalls die Luft auszugehen droht. Europaweit kämpfen kleinere und mittelgroße Fluggesellschaften ums Überleben. VLM, Small Planet, Cobalt und Primera sowie Azu Air und Skywork sind mittlerweile am Boden.

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Obwohl das Luftverkehrsaufkommen unverändert steigt, wächst bei ebenfalls steigenden Kosten für neue Auflagen, Personal und Technik der Druck auf die Margen. Hohe Effizienz mit dichter Taktung schaffen eigentlich nur noch Größen wie Lufthansa, Easyjet, Ryanair, British Airways oder Iberia. Die Krux der Kleineren: Bei jeder Pleite eines Mitbewerbers zahlen sie oft indirekt mit, nicht zuletzt bei neuen Auflagen wie die einer Insolvenzversicherung. In Verhandlungen mit Versicherungskonzernen sind sie schwächer und werden entsprechend höhere Prämien berappen.

Mittlere und kleine Fluggesellschaften bedroht – was heißt das für Anleger?

Einmal mehr zeigt sich: Zum Überleben brauchen Fluggesellschaften klare Größenvorteile. Das beginnt schon beim Flugzeugeinkauf und den Wartungskosten, die bei nur wenigen Maschinen umso höher sind. Nach Branchenangaben sind rund 100 Flugzeuge die Mindestmasse für ein Überleben in Europa. Einer der die Voraussetzung erfüllt, ist die Airline-Sparte des Reisekonzerns Thomas Cook mit dem beliebten Ferien-Carrier Condor. Die Fluggesellschaft hat alles was man braucht: Einen hervorragenden Ruf, ein ebensolches Personal und attraktive Lizenzen. Doch die Flotte ist veraltet.

Condor soll verkauft werden. Bezeichnenderweise findet sich kein Interessent. Zwar würde es das Geschäft der Lufthansa-Tochter Eurowings ergänzen, doch die ist einstweilen mit der holprigen Eingliederung von Air Berlin-Anteilen beschäftigt. Auch Tui winkt ab, der Touristiker hat mit seiner eigenen Airline Probleme. Das Problem zieht sich durch eine ganze Reihe von Fluggesellschaften in Europa.

Am Ende könnte es – wie in den USA – auf eine noch stärkere Dominanz der großen Airlines hinauslaufen. Wer als Anleger jedoch an die Branche glaubt und diese abdecken möchte, ist mit einem ETF auf den MSCI World Airlines oder den MSCI Europe Airlines nicht schlecht bedient. Die Performance der beiden ist nahezu identisch. Lediglich auf Jahressicht liegt sie im roten Bereich. Über zehn Jahre allerdings beträgt das Plus über 145 %.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.