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Auch bei geringen Einkommen lohnt die Steuererklärung

Der einzige Anreiz für die lästige jährliche Steuererklärung ist der Ausblick auf Steuersenkungen durch die Angabe von abzugsfähigen Posten. Doch viele, die nur wenig verdienen und sich mit diversen Jobs über Wasser halten, mögen sich kaum nennenswerte Erleichterung erhoffen, da sie sich ohnehin in den unteren Steuertarifen befinden.

Dabei können mit der Steuerklärung Geringverdiener prozentual stärker von Nachlässen und Rückzahlungen durchs Finanzamt profitieren. Die wenigen Frei- und Pauschbeträge fallen ohnehin gering aus. Die Rückerstattungen liegen im bundesdeutschen Schnitt bei über 800 €.

Steuererklärung – Geringverdiener können profitieren

Zunächst stellt sich die Frage, ob eine Steuererklärung für einen Geringverdiener überhaupt Pflicht ist. Der erste Anhaltspunkt ist der Grundfreibetrag: Singles, die höchstens 8.652 € im Jahr verdienen sowie Paare mit bis zu 17.304 € sind nicht verpflichtet.

Selbst in dem Fall aber kann es sich durchaus lohnen, mit einer freiwilligen Steuererklärung Geld vom Finanzamt zurückzuholen. Dabei reicht es schon, wenn Sonderausgaben für Kranken,- Pflege- oder Lebensversicherungen über dem Pauschbetrag von 36 € lagen.

Außergewöhnliche Belastungen wie Beerdigungskosten sind um die zumutbare Belastung zu kürzen. Der Prozentsatz der Kürzung richtet sich nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte, Familienstand und Anzahl der Kinder. Werbungskosten allerdings müssen über dem Pauschbetrag von 1.000 € liegen.

Beim Grundfreibetrag ist zu beachten, dass er sich auf das gesamte Einkommen bezieht. Die Steuererklärung ist für Geringverdiener immer Pflicht, wenn sie vom Finanzamt veranlagt werden. Das ist der Fall, wenn es davon ausgeht, dass die monatliche Lohnsteuer nicht alle Einnahmen abdeckt und Nebeneinkünfte vorliegen. Dies betrifft gerade Rentner, Selbständige und Verheiratete.

Regeln bei Mini- und Midijobs

Rein bezogen auf das Lohneinkommen sind die Regeln für geringfügig Beschäftigte zu beachten. Minijobs werden bis zu 450 € im Monat in der Regel mit 2% pauschal versteuert. Darüber handelt es sich um einen Midijob, der bis zu 850 € monatlich nach Lohnsteuerkarte versteuert wird. Hier ist die Lohnsteuer für die Steuerklassen V und VI fällig, nicht aber für die Klassen I bis IV. Voll versteuert wird indes, sobald das Gehalt über 850 € liegt.

Wenn aber nun der steuerfreie Grundfreibetrag insgesamt nicht überschritten wurde, kann die abgezogene Steuer mit der nächsten Steuererklärung zurückerstattet werden. Bei Minijobs geht das aber nicht, wenn sie pauschal versteuert wurden – es sei denn man einigt sich mit dem Arbeitgeber auf eine reguläre Versteuerung. Dann nämlich kann man auch den Werbungskostenpauschbetrag von 1.130 € in Anspruch nehmen, der bei der Pauschalsteuer entfällt.

Solidaritätsbeitrag vermeiden

Dies ist eine von etlichen Variablen, die sich abhängig vom persönlichen Fall auf die Steuererklärung für Geringverdiener auswirken. Eine weitere betrifft den Solidaritätszuschlag von 5,5%. Wer als Single nur 972 € bzw. als Ehepaar 1.944 € Einkommenssteuern zahlt, ist von ihm befreit. Darüber gibt es eine Gleitzone, in der der Soli nur zum Teil fällig wird. Bei Alleinstehenden geht sie bis zu 1.340 €, bei gemeinsamer Veranlagung bis zu 2.680 €.

Kumulierter Freibetrag für Kapitalerträge

Bei der Frage zusätzlicher Nebeneinkünfte geht es unter anderem um Kapitalerträge. Wurden die bereits pauschal zu 25% versteuert, zählen sie nicht zu den Nebeneinkünften. In der Regel jedoch erhalten Geringverdiener, die innerhalb des Grundfreibetrags liegen, auf Anfrage vom Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung, die bei der Bank eingereicht wird.

Dabei zählt nicht nur der Grundfreibetrag, sondern zusätzlich der Sparerfreibetrag von 801 € für Singles sowie die Sonderausgabenpauschale in Höhe von 36 €. Für Alleinstehende ergibt sich somit eine Einkommensgrenze von insgesamt 9.309 €. Wurde bereits automatisch Abgeltungssteuer gezahlt, kann man die über die Steuererklärung zurückholen.

30. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.