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Bilanzen lesen auf einen Blick

Vielen Aktionären schwirrt der Kopf beim Blick auf eine Unternehmens-Bilanz. Oftmals kommt daher die Frage auf, welche Positionen wirklich wichtig sind und wie diese richtig gelesen werden.

Zahlreiche Finanzexperten richten ihren Blick daher hauptsächlich auf drei Faktoren: die Eigenkapitalquote, den Cashflow und den Börsenwert des Unternehmens.

Welche Positionen wirklich wichtig sind

Achtet der Anleger vorrangig auf diese Punkte, wird die Komplexität der vollständigen Bilanz deutlich verringert. Außerdem kann er so zahlreiche Punkte umschiffen, die nicht auf den ersten Blick einleuchtend sind. Auch Bernhard Pellens, Professor an der Universität Bochum und Bilanzexperte, weiß:

„Kein Privatanleger hat die Zeit, sich 100 oder mehr Positionen aus den Bilanzen seiner Unternehmen anzusehen. Das braucht er auch nicht. Ein paar einfache Relationen genügen, um sich ein klares Bild über den Zustand eines Unternehmens zu machen.“

Stattdessen soll ein Privatanleger erst mal auf die Eigenkapitalquote achten. Um dieses Verhältnis zu errechnen, braucht man die Bilanz des Unternehmens. Der Auflistung entnimmt man nun die Höhe des Eigenkapitals und setzt es dann in Relation zur Bilanzsumme. Die sogenannte Eigenkapitalquote sagt etwas darüber aus, wie das Unternehmen mit Eigenkapital finanziert ist.

Wenn Banken das Kreditrisiko eines Unternehmens beurteilen, ziehen sie unter anderem dieses Verhältnis zwischen Eigenkapital und Bilanzsumme zurate.


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Riskant sind solche Unternehmen, bei denen die Eigenkapitalquote jahrelang unter 10% beträgt.

Zum Vergleich: Ein Großteil der Branchen in Deutschland konnte 2011 eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von mehr als 30% verzeichnen. Spitzenreiter war hier der Elektroniksektor mit einer Quote von 41,1%.

Eigenkapitalquote und Kapitalfluss

Als nächstes ist es für Anleger wichtig, sich mit der Kapitalflussrechnung zu befassen. Diese zeigt, wie hoch der Gesamt-Cashflow des Konzerns ist. Diesen Gesamt-Cashflow kann man in drei Rubriken unterteilen: Den Cashflow aus dem laufenden Geschäft, den Cashflow aus Investitionstätigkeit und den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit.

Nach Professor Pellens ist der Cashflow des laufenden Geschäfts für Privatanleger besonders interessant. Er zeigt, wie viel das Unternehmen im operativen Geschäft in cash verdient hat. Oder anders ausgedrückt: Der Cashflow spiegelt den Überschuss der betrieblichen Einzahlungen über die betrieblichen Auszahlungen wider.

Selbstverständlich können die Ausgaben auch höher sein als die Einnahmen – dann ist der Cashflow negativ. Ein langfristig negativer Cashflow führt zur Iliquidität und ist damit ein sicheres Warnsignal.

Cashflow vergleichen

Um ein Maximum an Information aus der Bilanz herauszuholen, sollte man außerdem den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit mit dem Konzernergebnis vergleichen.

Steigt der Gewinn z.B. deutlich an, während der Cashflow jedoch im Vergleich zum Vorjahr unverändert bleibt, kann dies ein Signal für Bilanzpolitik sein.

Mit anderen Worten: Setzt man den Cashflow in Relation zum Überschuss, sehen Privatanleger, wie viel ihr Unternehmen gewonnen hat und wie viel davon in die Kasse geflossen ist. Sollte sich der Cashflow über einen längeren Zeitraum sehr von der Gewinnentwicklung unterscheiden, muss der Sache intensiver nachgegangen werden, z.B. durch eine direkte Anfrage beim Unternehmen.

Um das Schuldentilgungspotenzial zu errechnen, muss man den Cashflow aus dem laufenden Geschäft in Relation zum Fremdkapital aus der Bilanz setzen. Das Ergebnis gibt Auskunft darüber, wie lange ein Unternehmen bräuchte, um seine Schulden zu tilgen.

Anleger sollten den Überschuss, den man in der Gewinn- und Verlustrechnung findet, zusätzlich auch noch mit dem Marktwert (also dem Börsenwert) vergleichen. Hieraus ergibt sich die sogenannte Eigenkapitalrendite. Gemäß Professor Pellens sollte ein gesundes Unternehmen hier über die Jahre eine nachhaltige Rendite von mindestens 10% erwirtschaften, ansonsten sei es die Investition kaum etwas wert.

Nicht manipulierbare Kennzahlen

Der große Vorteil aller genannten Kennzahlen ist, dass sie nicht geschönt werden können. Der Cashflow aus Unternehmenstätigkeit kann nicht manipuliert werden. Unregelmäßigkeiten (wie beispielsweise plötzliche Sprünge) werden dabei klar ersichtlich und sind erklärungsbedürftig.

Gewinne dagegen lassen sich durch Bilanzpolitik, so genanntes Earnings Management, beeinflussen. Durch Ab- oder Zuschreibungen sowie Rückstellungsauflösungen kann das Konzernmanagement Einfluss auf diese Größen nehmen.

Nach Professor Pellens ist es außerdem besonders wichtig, nicht nur den Jahresabschluss zu lesen, sondern sich auch mit den Quartalsberichten auseinanderzusetzen. Denn diese sind wesentlich aktueller als der nur einmal im Jahr erscheinende Abschlussbericht. Auf diese Weise gewappnet, können Aktionäre sich ein ausreichend gutes Bild über den Zustand eines Unternehmens machen.

28. Februar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.