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Einspruch Steuerbescheid: Frist versäumt – Bescheid nicht verloren

Haben Sie die Einspruchsfrist für den Steuerbescheid versäumt, besteht für Sie in bestimmten Fällen doch noch die Möglichkeit, den beanstandeten Bescheid korrigieren zu lassen. Dazu ist ein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erforderlich. Haben Sie mit diesem Antrag Erfolg, werden Sie so gestellt, als hätten Sie die Einspruchsfrist nicht versäumt.

Versäumen der Einspruchsfrist – Steuerbescheid ist nicht verloren

Das bedeutet: Sie können den Einspruch dann doch noch einlegen. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die Einspruchsfrist ohne eigenes Verschulden versäumt haben.

Ein Beispiel: Sie treten einen mehrwöchigen Auslandsurlaub an. Im Urlaub werden Sie bei einem Verkehrsunfall verletzt, müssen stationär behandelt werden und kommen deshalb später zurück als beabsichtigt. Dadurch können Sie gegen den zwischenzeitlich eingegangenen Steuerbescheid nicht rechtzeitig Einspruch einlegen. Beachten Sie in diesem Zusammenhang: Auch ein Verschulden Ihres Steuerberaters geht zu Ihren Lasten.

Büroversehen können geltend gemacht werden

Die Ausnahme: Ein ansonsten zuverlässiger Mitarbeiter Ihres Steuerberaters ist für die Fristversäumnis verantwortlich. Ein so genanntes Büroversehen lässt das Finanzamt im Allgemeinen als Entschuldigung gelten. Aber Achtung: Örtliche Abwesenheit und darauf beruhende Fristversäumnis akzeptiert das Finanzamt als Entschuldigung, wenn Ihre Abwesenheit nur vorübergehend ist.

„Vorübergehend“ bedeutet höchstens sechs Wochen. Bei länger andauernder Abwesenheit müssen Sie allerdings Vorkehrungen treffen. Beauftragen Sie in einem solchen Fall eine Person Ihres Vertrauens, beispielsweise einen Familienangehörigen, fristwahrend Einspruch einzulegen. Den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand müssen Sie innerhalb eines Monats stellen, nachdem der Umstand weggefallen ist, der Sie am Einspruch gehindert hat.

Antrag auf Wiedereinsetzung: Ein Beispiel

Am 10.01.2004 kehren Sie aus dem Winterurlaub zurück. Mit Ihrer Rückkehr beginnt die einmonatige Frist für den Antrag auf Wiedereinsetzung zu laufen. Sie müssen Ihren Antrag begründen und die Schilderung des Sachverhalts „glaubhaft machen“. Am besten ist es, wenn Sie Ihrem Antrag Belege beifügen.

Im Fall einer Urlaubsreise können das beispielsweise die Reiseunterlagen (Reisebestätigung des Reisebüros, Hotelrechnungen, Flugtickets, Mietvertrag oder Ferienhaus) sein. Innerhalb der Monatsfrist müssen Sie nicht nur den Antrag auf Wiedereinsetzung stellen, sondern zusätzlich auch den Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen, gegen den Sie sich wehren wollen. Versäumen Sie den Einspruch innerhalb dieser neuen Monatsfrist erneut, können Sie endgültig nichts mehr erreichen.

Musterschreiben: Antrag auf Rettung der Einspruchsfrist

Steuer-Nummer 03/112/12321

Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit lege ich gegen den Einkommensteuerbescheid 2010 vom 10.12.2011, mir zugegangen am 12.12.2011, ein.

Einspruch

Zugleich beantrage ich wegen Versäumung der Einspruchsfrist

Wiedereinsetzung in den vorigen Stand.

Als mir der Bescheid zuging, befand ich mich bereits im Jahresurlaub, der sich durch einen Krankenhausaufenthalt am Urlaubsort unfreiwillig verlängert hat. Die ursprüngliche Dauer meines Urlaubs wie auch die Dauer meines Krankenhausaufenthalts entnehmen Sie bitte den in Kopie anliegenden Reiseunterlagen sowie dem ebenfalls in Kopie beigefügten Attest des behandelnden Arztes. Die Begründung des Einspruchs folgt noch mit gesondertem Schreiben. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieses Schreibens.

28. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.