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Europäische Zentralbank in Frankfurt: Hier wird Geld gedruckt

Zentralbanken gibt es viele: Das amerikanische Zentralbanksystem bzw. Fed, die Schweizerische Nationalbank oder auch die Chinesische Volksbank. Eine besondere Zentralbank, nämlich die Europäische Zentralbank bzw. EZB, gibt es allerdings in der europäischen Union. Denn die EZB ist seit 1998 als Organ der Europäischen Union für die Geldpolitik im gesamten EU-Raum zuständig – also seit 2013 für mittlerweile 28 Staaten.

Allerdings bilden erst die EZB und die einzelnen nationalen Zentralbanken das sogenannte Europäische System der Zentralbanken (ESZB), deren Hauptaufgabe die Geldpolitik der Europäischen Gemeinschaft ist. Das ESZB beinhaltet jedoch alle EU-Staaten, also auch diejenigen, die den Euro nicht als Währung eingeführt haben.

Das sogenannte Eurosystem dagegen besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder. Insofern erfüllt die Europäische Zentralbank den Großteil der Aufgaben des ESZB (und des Eurosystems), während die nationalen Zentralbanken nicht mehr alleine für die Geldpolitik zuständig sind. Sie haben dennoch nicht komplett an Bedeutung verloren, sondern agieren letztlich als ausführende Organe der EZB – wie beispielsweise auch die Deutsche Bundesbank.

Nicht nur als Privatanleger sollten Sie wissen, wie sich die EZB zusammensetzt und vor allem wie ihre geldpolitische Strategie aussieht. Schließlich macht sich jede Änderung der Geldpolitik auf dem europäischen und sogar den internationalen Geldmärkten bemerkbar – und bestimmt damit auch den Erfolg von Anlageprodukten.

Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die Zusammensetzung

Die EZB verfügt – neben den nationalen Zentralbanken – über drei wichtige Organe. Das EZB-Direktorium ist der „Geschäftsführer“ der EZB, kümmert sich also um die Geschäfte und sorgt dafür, dass die nationalen Zentralbanken die Beschlüsse des EZB-Rates durchführen. Es besteht aus dem Präsidenten der EZB, dem Vizepräsidenten und 4 weiteren Mitgliedern.

Der EZB-Rat als oberstes Beschlussorgan besteht wiederum aus den Direktoriumsmitgliedern sowie allen Präsidenten der nationalen Zentralbanken, die am Euro teilnehmen. Sowohl die Richtlinien der Geldpolitik als auch die Leitzinssätze werden vom Rat festgelegt. Außerdem stellt der EZB-Rat das Zentralbankgeld bereit.

Neben dem Rat gibt es auch noch den Erweiterten Rat der EZB. Dieser besteht aus Präsident, Vizepräsident und allen Präsidenten der nationalen Zentralbanken – also nicht nur denjenigen der Euro-Länder. Der Erweiterte Rat berät hauptsächlich darüber, ob weitere Länder an der Währungsunion teilnehmen.

Die Geldpolitik der EZB

Bereits 1998 – mit ihrer Gründung – wurde die geldpolitische Strategie der EZB festgelegt. So ist ihr oberstes Ziel die Preisniveaustabilität. Dazu wurde der sogenannte harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) erstellt, also ein EU-Verbraucherpreisindex.

Dieser basiert auf einem jährlich erstellten Warenkorb mit verschiedenen alltäglichen Gütern. So werden Preisanstiege dieser Güter – und damit auch ein Anstieg der Inflationsrate – berechnet.

Dabei visiert die EZB ein Wachstum des HVPI von möglichst unter 2% an. Allerdings soll der Anstieg auch nicht zu sehr von der 2%-Marke abweichen, da sonst das Risiko einer Deflation steigt. Dementsprechend verfolgt der EZB-Rat das Ziel, mittelfristig eine Inflationsrate von circa 2% zu halten.

Die EZB folgt einem 2-Säulen-Konzept, um dieses Inflationsziel zu erreichen. Das Konzept besteht dabei aus wirtschaftlicher und monetärer Analyse. Das bedeutet, dass zunächst – als Erste Säule – die Inflationsentwicklung und ihre Faktoren beobachtet werden. Zu den Faktoren zählen zum Beispiel die Löhne und Gehälter, langfristige Zinssätze sowie verschiedene Preisindizes.

Als Zweite Säule beobachtet die EZB dann die Entwicklung der Geldmenge, denn ein übermäßig hohes Geldmengenwachstum ist ein Indikator für Inflationsrisiken. Insofern strebt die EZB ein Wachstum der Geldmenge von circa 4,5% pro Jahr an. Je nachdem, was die Analyse ergibt, kann die EZB entweder eine expansive oder eine restriktive Geldpolitik betreiben.

In einer schlechten wirtschaftlichen Lage mit geringem Wirtschaftswachstum ist das Inflationsrisiko geringer. Dementsprechend kann die EZB die Leitzinssätze senken oder Wertpapiere der Geschäftsbanken aufkaufen und diese so mit Geld versorgen. Dadurch können die Geschäftsbanken mehr Kredite vergeben und die Zinsen senken, wodurch von den Bürgern mehr investiert und konsumiert wird.

So soll die Wirtschaft – im Zuge dieser expansiven Geldpolitik – wieder angekurbelt werden. Im Gegensatz dazu werden bei einer restriktiven Geldpolitik die Zinsen erhöht und so weniger Kredite vergeben, der Konsum flaut ab. Durch eine solche Politik soll die Inflationsrate wieder gesenkt werden.

Letztendlich liegt es im Ermessen der EZB, welche Säule bzw. Analyse sie mehr gewichtet und welche Geldpolitik sie dementsprechend betreibt.

24. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.