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Steuervorteile in Luxemburg: Geheime Absprachen entlasten Konzerne

Luxemburg, das kleine Land im Herzen Europas, hat offenbar über viele Jahre hinweg einigen der größten globalen Unternehmen ermöglicht, Steuern im ganz großen Stil zu sparen.

Zu den Firmen gehören beispielsweise börsennotierte Konzerne wie Pepsi, FedEx, Ikea, die Deutsche Bank, Amazon und Fresenius ebenso wie Mittelständler und Spezialfonds. Mehr als 340 Firmen nutzen die Vorteile von Steuerdeals, die sie mit der Finanzverwaltung in Luxemburg  vereinbart haben.

Zum Teil erreichen sie eine effektive Steuerrate von weniger als einem Prozent – ganz legal. Mit Unterstützung der Luxemburger Regierung vermeiden auch deutsche Konzerne Steuerzahlungen in Milliardenhöhe.

Steuervorteile in Luxemburg durch Spezialkonstruktionen

Das Grundprinzip der Konstruktionen scheint einfach: Multinationale Konzerne schieben Gewinne nach Luxemburg, wo sie weit weniger besteuert werden als in den Ländern, in denen die Konzerne ihren Hauptsitz haben und den Großteil ihrer Geschäfte machen.

Entwickelt hat die Steuermodelle die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Doch auch die Prüfungsgesellschaften KPMG, Deloitte sowie Ernst & Young sind in das System der Steuervermeidung verwickelt.

Berater setzten dabei komplizierte Strukturen auf, verschachtelte Firmen, die zum Teil über mehrere Ländergrenzen hinweg miteinander zusammenhängen. Danach wurden die Modelle von der Luxemburger Finanzverwaltung abgesegnet.

Diese profitiert davon, trotz extrem niedriger Steuerraten: Die Firmen haben zum Teil gigantische Summen in den Kleinstaat verschoben, von bis zu 50 Milliarden Euro ist die Rede.

Deutschen Finanzämtern entgehen Steuereinnahmen in Milliardenhöhe

„Eine Gesellschaft in Luxemburg bietet eine Möglichkeit, Einkommen aus welchem Land auch immer abzuziehen“, so Stephen E. Shay, Professor für Internationales Steuerrecht an der Harvard Law School und ehemaliger Mitarbeiter des US-Finanzministeriums.

Die geheimen Absprachen sind jedoch in Luxemburg legal. Experten schätzen, dass allein deutschen Finanzämtern durch die Tricks der Steuerberatungen pro Jahr zwischen 20 und 30 Milliarden Euro Steuern entgehen.

Besonders Rechte des geistigen Eigentums sind steuerlich begünstigt

Die luxemburgische Regelung wurde 2008 eingeführt und genehmigt eine Steuerbefreiung für 80% der Gewinne aus der Verwendung oder Lizenzierung von Rechten des geistigen Eigentums wie Patenten, Marken, Mustern, Modellen, Internet-Domänennamen und Software-Urheberrechten.

Durch geheime, auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittene Abmachungen, sogenannte „tax rulings“, hat Luxemburg den Firmen weitreichende Möglichkeiten zur Vermeidung von Steuern eröffnet. Alle Unternehmen – auch PwC – versicherten, sich an geltendes Recht zu halten.

Die EU-Kommission prüft die Rechtmäßigkeit der Steuervorteile

Dass das Großherzogtum mit niedrigen Steuersätzen um große Konzerne wirbt, ist seit Jahren bekannt und wird von EU-Partnern wie Deutschland mit Argwohn gesehen.

Allerdings hat die EU-Kommission bereits einige Steuerdeals ins Visier genommen. Sie prüft derzeit, ob der Online-Händler Amazon und die Finanztochter des Fiat-Autokonzerns (Fiat Finance and Trade) in Luxemburg dadurch unerlaubte Staatshilfen erhalten haben.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Luxemburger Regierung jetzt versucht, den Ruf der Steueroase loszuwerden. Das wäre zu begrüßen, da dem deutschen Staat und damit dem Steuerzahler bisher jedes Jahr Milliarden an Steuereinnahmen entgehen.

Sollten Unternehmen wie zum Beispiel Amazon tatsächlich Geld zurückzahlen müssen, wird sich dies aller Voraussicht nach zumindest kurzfristig negativ auf den Aktienkurs auswirken.

27. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.