von Janne Joerg Kipp

Der Crash-Report: freche Aussagen über Ihr Vermögen sind falsch

Kaufen Sie italienische Anleihen - so eine Aufforderung

Chefanalyst Janne Joerg Kipp fertigt einen „Crash-Report“ an. Dies ist angesichts zahlreicher Fehlinformationen die einzig mögliche Sicherheit für Sie.

Die Lage an den internationalen Finanzmärkten wird immer dramatischer. Selbst die Einigung einiger Politiker hilft in vielen Fällen nicht mehr weiter. Diesen Eindruck habe ich in den vergangenen Tagen des öfteren gewonnen - es gibt keine Konzepte mehr, die etwa auch Ihrer Vorsorge dienen könnten. Deshalb müssen wir zumindest über eine möglichen „Crash“ nachdenken. So machen es zur Zeit viele Redaktionen. Was ich dabei gelesen habe, ist jedoch allenfalls eine ausgedehnte Warnung vor allerlei Tipps wert. Achtung, wappnen Sie sich vor einfachem Irrglauben.

10 Fragen, einfachste Antworten

Beispielhaft für die falschen Tipps, die ich gefunden habe, möchte ich Ihnen einige Fragen aus einer Tageszeitung nennen. Fragen, die sich Ihnen möglicherweise auch stellen nebst Antworten, die im besten Falle zu kurz kalkuliert sind.

Wenn es um Ihre langfristige Vorsorge geht, empfehle ich vorab jetzt schon: lassen Sie sich nicht verunsichern. Es ist wichtig, in den nächsten Monaten das drohende Unheil verantwortlich zu nutzen und Vermögen in Sachwerte umzuschichten. Dies sage ich zwar wiederholt - aber es bleibt die einzige Strategie. Jeder Tag mit neuen „Ratings“ und Drohungen aus den USA oder aus Brüssel und Straßburg (Eurozone) spricht dafür.

Es geht ausschließlich um Ihren dauerhaften Schutz, nicht um die kurzfristigen Spekulationsgewinne, die Andere etwa im „Gold“ suchen.

Erste Musterfrage: Was würde eine Währungsreform bedeuten?

Drucken Sie sich einige Passagen der Antwort am besten aus, schneiden die Aussagen zusammen und hängen sich alles als Warnung im Büro auf. Nach der mir vorliegenden Antwort ist eine „Währungsreform die Einführung einer neuen Währung, bei der das alte Geld teilweise wertlos wird..... wir Deutschen (....müssen) heute in dieser Hinsicht allerdings kaum Befürchtungen hegen.

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Euro auseinander bräche und die Deutsche Mark wieder eingeführt würde, entstünden deutschen Sparern dadurch keine Verluste. Denn es würden dann nach dem alten Wechselkurs Euro in Mark zurückgetauscht“.

Vorab: verlassen Sie sich auf solche Aussagen auf überhaupt keinen Fall. Ob diese von Ihrem Bankberater, Steuerberater, Versicherungsberater oder dem Fernsehmoderator stammen. Meine Begründung ist schlicht eine Frage: Wer sagt das Alles? Nur weil es in Deutschland zwei Währungsreformen gegeben hat, wissen wir über die nächste und die politischen Entscheidungen dazu nichts.

Meine Empfehlung: Je weniger Euro Sie in einer solchen Situation vorhalten, desto besser ist es. Den Wechselkurs in Mark kennt in Deutschland noch nicht einmal die Kanzlerin Wochen vorher. Etwaige belastbare Pläne kann es gar nicht geben.

Zweite Musterfrage: Was wird aus meiner Lebensversicherung und meiner Riester-Rente?

Die einfache Antwort wäre: wahrscheinlich werden die Verträge deutlich wertloser. Je höher der Kaufkraftverlust des Euro, um so weniger sind künftige Zusagen wert. Eine weitere Gefahr sind die Ausleihungen der Versicherer an die Krisenstaaten. Die einfache Antwort auf die Angst vor den Auswirkungen wäre:

Beachten Sie die Risiken, die solche Konzerne aktuell tunlichst verschweigen. Nur knapp 9% aller Anlagen der Versicherer - in Anleihen, wie ich hier schon mal korrigiere - sollen in den Krisenstaaten stecken. Dies sind, ergänze ich des weiteren, 0,5% der gesamten Geldanlagen überhaupt. Das ist das Standardargument der Versicherer, wenn es um deren Sicherheit geht.

Allerdings bleiben die Risiken groß, wie ich auch im „Neuen Deutschen Geldanlagebrief“ oft geschrieben habe: die Versicherer selbst haben sich an Banken beteiligt und übernehmen daher direkt die Risiken, die von Banken und deren Geschäften ausgehen. Wie hoch diese Risiken aber genau sind, sehen Sie wiederum in den Bank- und Versicherungsbilanzen nicht.

Redaktion beschwichtigt

All diese Überlegungen kennt die Redaktion der Tageszeitung in ihrem Report zur Euro-Krise jedoch nicht. Ich darf für Sie als Warnung kurz zitieren:

„Im Falle der Riester-Renten (meine Anmerkung: das für Versicherte Gesagte gilt hier ebenso) müssen die eingezahlten Beträge zwar garantiert werden. Nicht garantiert sind jedoch die Renditen. Diese könnten daher im Falle eines Zusammenbruchs wichtiger Anleihemärkte unter Druck geraten. Dies gilt aber übrigens auch, wenn alles gut ausgeht.“

So weit also die „Antwort“ auf die Krise. Kein Wort davon, dass die Garantie am Ende wertlos(er) ist, wenn das Geld an Wert verliert. Sicherheiten zur Garantie erwähnt der Autor ebenfalls nicht. Ich kann Ihnen versprechen: einem Massenansturm auf Auszahlungen hält die Industrie nicht stand, wenn es zur Panik kommt.

Musterfrage Nummer drei: Ist das Geld auf meinem Tagesgeldkonto und meinem Sparbuch noch sicher?

Die richtige Antwort wäre: nein. So traurig es ist: in einer inflationären Phase verliert Papiergeld an Wert. Die entscheidende Kaufkraft für Ihre Vorsorge können Sie in einer solchen Situation nicht mehr erwarten.

Zwar haben Banken und Sparkassen über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus noch weitere Einlage-Sicherungs-Maßnahmen und -fonds. Diese gelten jedoch nur für einzelne Banken, nicht mehr für das gesamte Bankensystem.

Auch dies ist ein Problem, das sich in den kommenden Jahren oder gar Monaten noch stellen kann. Eine Garantie dafür, dass alles „gut geht“, kann Ihnen vor dem Hintergrund niemand aussprechen. Es haftet niemand.

Die Antwort aber lautet:  ... „Allerdings ist die Gefahr für die Einlagen dennoch sehr gering. Zum einen gibt es die gesetzlich verankerte staatliche Einlagensicherung. ... wer sein Geld bei einer ausländischen Bank angelegt hat, der genießt ebenfalls den gesetzlichen Schutz für bis zu 100.000 Euro... (in EU-Staaten).
Schließlich gibt es noch die sogenannte „Merkel-Garantie“, das Versprechen der Bundesregierung vom Oktober 2008, dass alle Einlagen sicher seien.“

So weit dieses Zitat. An sich müssten dem Autor selbst die Nackenhaare hochstehen. Denn das Merkel-Versprechen lautete ungefähr über einen Betrag von 500 Milliarden Euro. Ein Staat, der jetzt schon 30 bis 60 Milliarden Verbindlichkeiten jährlich anhäuft, wird diese Summe niemals in „echtem“ Geld zahlen können.

Meine Empfehlung: verlassen Sie sich bei Tagesgeldkonten und vor allem Sparbüchern auf nichts. Die Vermögen auf diesen Konten sind möglicherweise schneller wertlos als Viele meinen. Und: die staatlichen Garantien können Sie einfach vergessen.

Kaufen Sie italienische Anleihen....

Ein Auszug noch zu einer Frage „10“: „Ich finde diese ganzen Ängste übertrieben - wie setze ich auf eien Beruhigung der Lage?“

Um der Antwort vorwegzugreifen: so bestimmt nicht. Die Antwort hat mit Schutz und Vorsorge, um die es den meisten Investoren geht, nichts zu tun. Retten Sie Ihr Vermögen, sage ich vorab bereits. Ein erster Schritt ist es, sich einfach auf Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Gold/Silber zu konzentrieren. Diese Empfehlung schließt diese abschließenden Gedanken aus:

„Italien hat hetue genau so viel Schulden wie zu Beginn der 90er-Jahre, zahlt im Schnitt aber wesentlich weniger Zinsen - warum sollte das Land also heute damit ein Problem haben, während es vor 20 Jahren keines hatte? Wem das einleuchtet, der kann sich heute italienische Staatsanleihen kaufen. (....) Noch einen Tickk mehr gibt es für spanische Titel.
(...) Bei all diesen Ansätzen gehört Mut zum Risiko dazu. Doch nur wer wagt, gewinnt.“

Den letztgenannten Hinweise kenne ich anders: „wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ Für Ihr Vermögen darf dies nicht gelten.

PS: Solche und ähnliche „Tipps“ finden sich zuhauf. Wenn es Ihnen um Vorsorge und Schutz, um sichere Renditen und Verlässlichkeit geht, bleiben Sie bei Sachwerten. Selbst wenn die Kurse von Aktien zwischenzeitlich nachgeben. All das spielt keine Rolle - langfristig. Dies ist das Ergebnis meines Crash-Reports.

 
 
Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.