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Vermächtnis: Nachlass gestalten und Erbschaftssteuer sparen

Ein Vermächtnis unterliegt ebenso der Erbschaftssteuer wie eine reguläre Erbschaft. Allerdings sind Erbschaft und Vermächtnis zwei grundlegend verschiedene Typen der Vermögensübertragung an die Nachkommen. Mit einer Kombination von beidem lässt sich die Erbschaftssteuer umgehen.

Vermächtnis und Erbschaftssteuer – Zwei Typen ein Ziel

Wer sein Vermögen anders an die Nachkommen verteilen will, als es die gesetzliche Erbfolge vorsieht, der kann dies mit einem Vermächtnis tun. Diese Aufteilung bietet zudem die Möglichkeit, durch Ausnutzen verschiedener Freibeträge die Erbschaftssteuer zu senken. Begünstigte können Freunde, Nachbarn, Stiftungen etc. sein.

Zunächst zum Verständnis: Vererben ist völlig etwas anderes als Vermachen, auch wenn es bei beiden um die Nachlassregelung im Todesfall geht. Erben erhalten den gesamten Nachlass, der dann nach Quoten auseinandergesetzt werden muss. Wer was bekommt, können die Erben regeln. Ansonsten gilt die gesetzliche Erbfolge.

Vermächtnisnehmer erhalten lediglich einen Anspruch auf bestimmte definierte Vermögensgegenstände. Das kann auch ein Nutzungsrecht oder eine Rentenzahlung sein. Die Nachlassverwaltung mit Quoten und Miterben kann ihnen egal sein. Erben ist ein dingliches, also ein absolutes Recht. Beim Vermächtnis gibt es nur einen schuldrechtlichen Anspruch.

Erben treten damit die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an. Sie übernehmen zugleich alle Schulden und Verpflichtungen, zu denen auch Forderungen von Vermächtnisnehmern gehören. Nicht so die Vermächtnisnehmer.

Sie werden mit ihrem Anspruch zu Gläubigern, und zwar gegenüber den Erben. Damit sind diese verpflichtet, einem Vermächtnisnehmer seine ihm zugedachten Vermögenswerte auszuhändigen – unter der Voraussetzung, dass das Vermächtnis im Testament angeordnet ist. Sonderfall: Mit einem Vorausvermächtnis kann ein Vermächtnisnehmer zugleich Erbe sein.

Vermächtnis vermindert Erbschaftssteuer – Beispiel Berliner Testament

Ein Vermächtnis unterliegt den Regeln der Erbschaftssteuer. Es ist wie eine Schenkung, nur eben im Todesfall. Damit lässt sich der Nachlass mit etwas Geschick so regeln, dass eine ansonsten unausweichliche Erbschaftssteuer vermieden wird. Klassisches Beispiel ist das Berliner Testament. Hier setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Erben ein. Erst mit dem Tod des überlebenden Partners wird das Vermögen weitervererbt – meist an die Kinder.

Der Nachteil: Das Erbe geht zunächst voll an den überlebenden Partner – vorausgesetzt, die Kinder klagen nicht ihren Pflichtteil ein. Er muss also alles versteuern, was über seinem Freibetrag liegt. Mit einem Vermächtnis jedoch lassen sich die Kinder gleich mit ins Boot holen. Gibt es keine, so kann auch ein Bruder oder eine Nichte oder sonstwer als Erbe bestimmt werden.

Das hat den Vorteil, dass gleich mehrere Freibeträge vom Nachlasswert abgehen. Damit ist unter Umständen gar keine Erbschaftssteuer zu zahlen. Selbst Freunden steht noch ein Freibetrag von 20.000 € zu.

Vermächtnis und Erbschaftssteuer – wer zahlt wann welchen Anteil?

Ist aber das Vermögen so groß, dass trotz der Freibeträge noch Erbschaftssteuer anfällt, so gibt es folgende Überlegung: Da der überlebende Ehepartner als Erbe mit dem Vermächtnis belastet wird – er erhält nicht das volle Vermögen – kann er es vom Nachlasswert abziehen. Die Kinder können für ihren Teil ihren Freibetrag nutzen. Diese Konstruktion Erbschaft plus Vermächtnis mindert die Steuerlast insgesamt erheblich.

Den Anteil für die restliche Erbschaftssteuer muss der Erbe aber trotzdem zahlen. Ebenso jeder Vermächtnisnehmer, in diesem Fall die Kinder. Will man diesen eine Steuerzahlung nicht zumuten, so lässt sich die Vermächtnisanordnung an die Kinder mit einer Stundungsabrede kombinieren.

Damit bleibt der komplette Nachlass einstweilen beim Erben. Zulässig ist auch im Testament anzuordnen, dass die Erbschaftssteuer vom Erben zu tragen ist.

Übrigens: Bis zur endgültigen Nachlassauseinandersetzung haftet ein Erbe für die Erbschaftssteuer von Vermächtnisnehmern. Muss er vorher einspringen und zahlen, so hat er einen Anspruch auf Erstattung durch den Vermächtnisnehmer. Bis dahin kann er den entsprechenden Betrag aus dem Nachlass quasi als Pfand zurückbehalten.

5. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.