Neuer Trend: Geld abheben kostet Gebühren

Dass Geld abheben Gebühren kostet, greift immer mehr um sich. Bei anhaltend niedrigen Zinsen ist es auch ein Zeichen von Ertragsschwäche. (Foto: totojang1977 / Shutterstock.com)

Trotz vielfältiger Bestrebungen, Bargeld einzuschränken – die Liebe der Deutschen zum Münzen und Scheinen ist ungebrochen, und jüngsten Umfragen zufolge sogar noch gestiegen. Doch zum Bekenntnis „Nur Bares ist Wahres“ gesellt sich eine neue Realität: Bares wird schlicht teurer.

Wenn Geld abheben Gebühren kostet

Dieser Tage machte eine Meldung die Runde, dass die Netbank Gebühren fürs Abheben von Geld verlangt. Einmal Geldziehen am Automaten ist pro Monat noch frei. Aber dem zweiten Vorgang kostet es 3 €. Egal ob ein Kunde gerade mal einen Zehner oder 300 € braucht. Und weil nach Erkenntnis der Marktforschungsinstituts Forsa die meisten Bankkunden einmal pro Woche Geld ziehen, zahlen die jeden Monat fürs Geldabheben 9 € Gebühren.

Nun ließe sich argumentieren, dass die Netbank als Online-Institut keine eigenen Automaten unterhält und sich die Kunden an Geräten anderer Privatbanken bedienen müssen. Doch innerhalb der Cash-Group verlangen diese keine Nutzungsentgelte untereinander. Es ist schlicht das neue Gebührenmodell der Netbank.

Dabei ist es alles andere als neu. Den Auftakt machten vor einem Jahr ausgerechnet etliche Institute, die als besonders kundenfreundlich gelten: Sparkassen und Volksbanken. Wer Geld abhebt, zahlt Gebühren auch am hauseigenen Automaten. Wieviel und ab wann, ist von Institut zu Institut verschieden und hängt zudem vom gewählten Kontomodell ab. Die Bandbreite reicht von 0,19 € bis zu 1 €. Nicht selten richtet sich die Höhe der Gebühren nach bestimmten Tages- und Nachtzeiten. Transparenz sieht anders aus.

Kostenfreie Bargeldversorgung als Ausnahmefall?

Letztes Jahr waren es offenbar bereits 40 von 400 Sparkassen und 150 von gut 1.000 Genossenschaftsbanken, die Gebühren für Geldabheben verlangten. Dass deren Zahl mittlerweile gestiegen ist, liegt auf der Hand. Die Begründung lautet unter anderem, dass ein Automat pro Jahr zwischen 5.000 € und 10.000 € an Unterhalt kostet. Und Dienstleistungen können nun mal nicht immer kostenlos sein.

Fragt sich nur, ob es eine Dienstleistung ist, wenn Geld, das einem nicht gehört, an seinen Besitzer ausgehändigt wird. Die Verbraucherverbände sehen das nicht so, die Finanzaufsicht Bafin geht davon aus, und die Bundesbank erwartet, dass die bislang kostenfreie Bargeldversorgung zum Ausnahmefall wird.

Dass die Geldhäuser an immer mehr Ecken und Enden Gebühren verlangen und anheben, ist letztlich eine Reaktion auf die seit Jahren anhaltend niedrigen Zinsen. Mit Kreditvergaben über Einlagen verdienen sie kaum noch Geld. Der Druck am Markt ist enorm gestiegen. Die Beratungsgesellschaft Oliver Weyman etwa erwartet in den nächsten 10 Jahren ein massives Bankensterben mit einem Rückgang auf 150 bis 300 von bisher 1.900 Kreditinstituten.

Massiver Wettbewerbsdruck macht Hoffnung

Der Prozess hat bereits eingesetzt. Nach den Privatbanken dünnen nun auch viele Sparkassen ihr Filialnetz massiv aus. Insofern sind Gebühren fürs Geldabheben auch ein Indiz für die mangelnde Ertragsstärke eines Instituts. Dennoch: Der Zugriff auf sein Eigentum sollte für einen Kunden kostenlos sein. Und längst nicht alle Geldhäuser verlangen dafür Geld.

Letztlich werden die Verbraucher entscheiden, was sich im Wettbewerb am Markt durchsetzen lässt. Und wenn sich mit dem absehbaren Ende der Nullzinsphase der Kostendruck der Banken reduzieren sollte, bestehen zumindest Chancen, dass auch die Gebühren fürs eigene Geld eine Phase waren.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.