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Facebook-Aktie: Wie lang geht das noch gut?

Facebook hat seinen Zenit überschritten.

In den USA und Europa sind die Nutzerzahlen erstmals rückläufig.

Doch dass die Marktsättigung nahte, wusste Facebook-Chef Mark Zuckerberg bereits vor dem Börsengang.

Marktsättigung mit Ansage

Weltweit hat das Netzwerk inzwischen mehr als 900 Millionen registrierte Mitglieder – fast jeder siebte Erdenbürger (und rund jeder zweite US-Bürger) hat damit bereits einen Facebook-Account.

Als Zukunftsstrategie wurde daher nicht ausgegeben, das schnelle enorme Wachstum immer weiter zu verfolgen – sondern die Bestandsnutzer zu binden und neue Märkte zu erschließen.

Soweit die Idee.

Dass Zuckerberg gut ist für zukunftsträchtige Ideen, zeigt sich allein daran, wie sehr sich Facebook binnen weniger Jahre als Kommunikationsmittel Nummer Eins einer ganzen Generation etabliert hat.

Zuckerbergs Allmachtsphantasien: langsam wird’s gruselig

Doch die Allmachtsphantasien, die der junge Unternehmenschef über sein Netzwerk zu realisieren versucht, werden zunehmend gruselig.

So werden neuerdings in bester Stasi-Manier Nutzer befragt, ob ihre Freunde ihren korrekten Namen angegeben haben oder Facebook unter Pseudonym verwenden.

Getarnt wird das Ganze als statistische Erhebung, doch die Stoßrichtung ist deutlich: Die Allgemeinen Nutzungsbedingungen verlangen eindeutig die Verwendung von Klarnamen.

Möglich, dass Facebook nun beginnt, halb-anonym surfende Nutzer auszusortieren.

Datensammelwut: schlimmer als Google

Denn nur mit echten Namen lassen sich echte Daten sammeln und echte, umfassende Profile erstellen.

Das geschieht bei Facebook in einem Ausmaß wie bei kaum einem anderen Unternehmen.

Wer sich schon immer über die Datensammelwut von Google echauffiert hat, dem sei gesagt: Facebook geht noch weiter.

Das Netzwerk registriert nicht nur, welche anderen Webseiten ein Nutzer aufruft – selbst wenn er dabei nicht eingeloggt ist.


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Facebook scannt alles, was die Nutzer so treiben

Darüber hinaus scannt Facebook sehr ausgiebig die Aktivitäten seiner Anhängerschaft: Links und Fotos werden kontrolliert, ein automatisierter Algorithmus überwacht „private“ Unterhaltungen.

Das Netzwerk gibt sich dabei einen moralischen Anstrich: Man will die User vor Spam-Attacken und anzüglichen Bildern schützen.

Die Chat-Überwachung soll potentielle Straftaten im Vorfeld aufdecken und, wenn möglich, verhindern. Konkret geht es dabei wohl vor allem um Sexualstraftaten im Zusammenhang mit Minderjährigen, so zumindest ist die offizielle Lesart.

Doch Facebook verfolgt mit der engmaschigen Überwachung vor allem eigene Interessen.

Sorge um die Werbeeinnahmen

Haupteinnahmequelle des Netzwerks, bei dem die Registrierung kostenlos ist und das bislang weder hauseigene Hardware noch Software zum Verkauf anbietet, sind Werbeanzeigen.

Gerade die laufen aber nicht so richtig. Namhafte Großkunden haben im Umfeld des Börsengangs ihre Facebook-Kampagnen gestoppt und damit für Wirbel gesorgt.

Tenor: Es lohnt sich nicht, dort zu werben, wo die Menschen in erster Linie private Kommunikation pflegen oder vermeintlich kostenfreie Unterhaltung suchen.

Das bringt Facebook in Bedrängnis.

So sehr, dass man nun sogar die Patentschlacht mit Yahoo aufgibt und stattdessen eine Werbeallianz mit dem darbenden Internetpionier schmiedet.

Das Problem mit den Smartphones

Das Wegbrechen der Werbekundschaft hat allerdings einen gewichtigen Grund, dem auch gemeinsame Patentanwendungen erst einmal wenig entgegensetzen können: die vermehrte Nutzung des Netzwerks auf Smartphones.

Durch die kleineren Bildschirme sind Werbeanzeigen nur noch geringfügig möglich. Erfreulich für die Nutzer, ärgerlich für Facebook und seine Anleger.

Man darf davon ausgehen, dass Zuckerberg auch in diesem Fall bereits an zukunftsträchtigen Ideen tüftelt, um das Problem zu lösen.

Bis dahin tut Facebook mit Smartphone-Nutzern einfach das, was es am besten kann: Daten sammeln.

Juristisch umstrittene Synchronisierung von Telefonbüchern

Allzu unbedarft klicken viele auf den Button zur Synchronisierung, ohne sich dabei unbedingt bewusst zu sein, was das konkret bedeutet.

Es bedeutet konkret: Das komplette Telefonbuch mit Namen, Telefonnummern und Email-Adressen wird zu Facebook übertragen – und dort dauerhaft gespeichert.

Ohne dass der Smartphone-Nutzer oder seine nichts ahnenden Kontakte, die nicht einmal selbst bei Facebook registriert sein müssen, dagegen noch etwas unternehmen könnten. Auch eine Deinstallation der Smartphone-Anwendung hilft nicht, einmal gesammelte Daten bleiben auf den Facebook-Servern.

Diese Praxis ist zumindest hierzulande juristisch hoch umstritten. Deutsche Datenschützer kritisieren sie als unzulässig.

Doch von Datenschützern hat sich Mark Zuckerberg bekanntlich noch nie einschüchtern lassen. Unbeirrt wandelt er weiter auf dem Weg zur Verwirklichung seiner persönlichen Visionen.

Die Frage ist nur, wie lange die Nutzer das noch mitmachen.

Der Aufschrei war groß, als beispielsweise die Abfrage der Klarnamen befreundeter Mitglieder kürzlich publik wurde.

Die Eingriffe werden dreister – wie lange lassen sich die Nutzer das noch bieten?

Die Eingriffe in vermeintlich private Bereiche werden seit einiger Zeit immer dreister und immer offensichtlicher.

Zwar pflegt die Generation der „Digital Natives“, der mit dem Internet aufgewachsenen Personen im Alter bis etwa Dreißig Jahren, einen lockeren – man könnte auch sagen: naiven – Umgang mit den eigenen Daten.

Doch die jüngsten Entwicklungen, die rückläufigen Nutzerzahlen, könnten ein Indiz dafür sein, dass auch sie allmählich hellhörig werden. Und Kontrolle über ihre Daten zurückverlangen, die Facebook ihnen weiträumig entzogen hat.

Diese Tendenz könnte Facebook – und damit auch seine Aktie – mittelfristig schädigen.

Facebook profitiert vom Mangel an Alternativen

Wovon Zuckerberg derzeit noch profitiert ist vor allem eines: der Mangel an Alternativen.

Das Google-Plus-Experiment hat gezeigt, wie schwierig es derzeit selbst in global gestrickten Netzwerken ist, dem Marktführer das Wasser abzugraben.

Sollte sich jedoch ein anderer Anbieter erfolgreich positionieren, droht Facebook ein vergleichbares Schicksal wie zuletzt der deutschen VZ-Gruppe: die Massenabwanderung.

Bis es soweit ist, kann Mark Zuckerberg noch schalten und walten, wie es ihm beliebt. Die angestrebte Nutzerbindung funktioniert, weil sich die Nutzer gerne von ihm binden lassen – bisher.

Doch die berechtigte Skepsis an der langfristigen Zukunftsfähigkeit von Facebook lässt sich jetzt einfacher ablesen denn je: ein Blick auf den Aktienkurs genügt.

Am 26. Juli wird das Netzwerk seine Quartalszahlen vorlegen. Und die Anleger bereiten sich offensichtlich auf schlechte Nachrichten vor.

Mehr zum Thema: Facebook-Aktie: Der größte Börsengang aller Zeiten

19. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.