Dollar, Aktien, Zinsen – Gold steckt in der Klemme

Brexit, Trump oder das italienische Referendum – eigentlich gab das ablaufende Jahr etliche Anlässe, die Börsen durcheinander zu wirbeln. Und immer wieder hätte man meinen sollen, dass nun Gold eine Renaissance als sicherer Hort erlebt. Doch es kam anders. Die Börsianer sind zufrieden und zuversichtlich.

Wer laut der üblichen Empfehlung mindestens 10% Gold im Depot hält, fragt sich natürlich, was das mit Blick auf den Goldpreis für 2017 bedeutet. Wie schwer eine Vorhersage ist, zeigen nicht zuletzt entsprechende Versuche vor einem Jahr. Damals war der Preis auf etwas über 1.000 US-$ gefallen, gut 700 US-$ unter dem letzten Höchststand im September 2012.

Goldpreis in 2017: von 3 Seiten unter Druck

Grundsätzlich habe Gold das Potenzial alter Rekordmarken, hieß es. Doch es konnte sich nicht entfalten, die Geld- und Zinspolitik der Zentralbanken tat ihr Übriges. Das Kapital floss in die Aktienmärkte. Mit Donald Trump erklomm der Dow Jones sogar neue Höhen und zielt auf 22.000 Punkte. Auch dem Dax wird ein Wertzuwachs von über 10% zugetraut. Zudem lockt der erstarkende Dollar.

Schon deswegen dürfte der Goldpreis 2017 keine großen Sprünge machen. Und jetzt bekam er zusätzlich einen kräftigen Dämpfer. Die US-Zentralbank ließ verlauten, sie werde die Zinsen im kommenden Jahr gleich in drei Schritten erhöhen. Die Märkte waren überrascht, der Goldpreis fiel sofort um 1,5% auf 1.142 US-$. Seit Trump hat er somit insgesamt 11% verloren. Nun winken nun auch noch Anleihen und steigende Zinsen.

Trump-Blase verliert Luft und Sprengpotenzial

Gold wirft eben keine Erträge ab, es ist vielmehr eine Krisenwährung. Im Prinzip bietet 2017 genügend Krisenpotenzial. Da wäre zunächst die Bankenkrise Italiens und die Unsicherheit, wie es nach Neuwahlen weitergeht. Dann bedrohen Populisten die Eurozone ohnehin von allen Seiten. Sie sind unberechenbarer als die Brexit-Verhandlungen – den Verantwortlichen in London dämmern mittlerweile die Gefahren eines harten Schnitts für die eigene Wirtschaft.

Krisen müssen also nicht zwingend eskalieren. Auch die Eurozone hat etliche Bewährungsproben überstanden. Eine konkrete Bedrohung wiederum ist die Börseneuphorie in den USA. Trumps Pläne, die Wirtschaft mit Steuersenkungen und Megainvestitionen anzuheizen, erzeugen eine gefährliche Blase. Starökonomen wie Robert Shiller oder Barry Eichengreen warnen: Wenn sie platzt, droht ein Crash, der alles in den Schatten stellt.

Doch schon hat Fed-Chefin Yellen mit den angekündigten Zinsschritten begonnen, Luft aus der Blase zu lassen. Notfalls sei sie auch bereit, US-Anleihen zu verkaufen, was eine weitere Überhitzung durch Spekulationen auf Trumps Programm ebenso verhindern kann wie die einhergehende exorbitante Neuverschuldung für die entsprechenden Staatsinvestitionen.

Im besten Fall keine Veränderung

Die Fed hat damit ein Signal gegeben, mit dessen Stärke nur wenige gerechnet hatten. Schon zuvor bekam der Goldpreis Druck von anderer Seite: Die üblicherweise hohe Nachfrage in China und Indien war deutlich eingebrochen.

Derzeit rechnen die meisten Banken und Analysten im Schnitt mit einem Preisanstieg auf 1.286 US-$ im kommenden Jahr, was grob dem durchschnittlichen Wert von 2016 entspricht. Für Stabilisierung könnte eine zu erwartende anziehende Nachfrage in Asien sorgen. Dem steht entgegen, dass der jüngste Abschwung nur der Anfang für eine weitere Talfahrt ist. Alle weiteren Krisenszenarien indes sind spekulativ. Die Angebotsseite zumindest bietet keinen Anlass für einen nennenswerten Preisauftrieb.

29. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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