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Ungewollte Übernahme-Versuche: Was Manager dagegen tun können

Regelmäßig informiert Sie der Übernahme-Sensor über die heißesten Deals im M&A-Markt (Markt für Übernahmen und Fusionen).

Und er teilt Ihnen eine konkrete Einschätzung mit, ob eine Übernahme gut, durchschnittlich oder schlecht ist.

Wer gewinnt bei dem Deal, wer verliert?

Sie erfahren, was an den kursierenden Übernahme-Gerüchten dran ist.

Wo wird heiße Luft versprüht und wo könnte sich wirklich ein Deal anbahnen?

Welche Übernahme-Pläne haben eine Chance und wo ist Vorsicht angebracht?

Wie werden die Wettbewerbsbehörden entscheiden?

Um Ihnen ein noch größeres Verständnis zu vermitteln, gebe ich Ihnen auch immer Hintergrund-Informationen:

Wie groß ist der Übernahme-Markt? Wo finden aktuell die großen Deals statt? Welche rechtlichen Bestimmungen herrschen?

Manager sind gegen aggressive Finanzinvestoren nicht per se machtlos

In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Verteidigungstaktik vorstellen, mit der feindliche Übernahme-Versuche abgewehrt werden können.

Sie haben z.B. die spannende Übernahme-Schlacht um den Botox-Hersteller Allergan mitbekommen.

Auch dort gab es zwischendurch den Plan, eine Giftpille auszuspielen, um eine feindliche Übernahme durch Valeant abzuwehren. Daneben gab es etliche weitere feindliche Übernahme-Versuche.

Gerade Finanzinvestoren versuchen mit ungewollten Übernahme-Offerten das Management unter Druck zu setzen. Doch das ist nicht chancenlos gegen die aggressiven Bieter.

Giftpille 1: Veräußerung von Konzernteilen

Wenn die Unternehmensführung davon ausgeht, dass der Bieter es lediglich auf eine spezielle Tochtergesellschaft abgesehen und eigentlich gar kein Interesse am Gesamtkonzern hat, kann genau diese kurzerhand verkauft werden.

Passen die verbliebenen Konzernteile nicht zum Geschäft des Bieters und sollten womöglich nach einem Deal weiterveräußert werden, wird der Bieter von einer Übernahme Abstand nehmen.

Giftpille 2: Kasse leeren

Eine weitere Giftpillen-Strategie ist es, selbst andere Unternehmen zu kaufen. So ist kurzfristig die Kasse leer und langfristig das Interesse der Aktionäre gewahrt.

Hat der Bieter es nämlich nur auf die prall gefüllte Kasse des Übernahme-Kandidaten abgesehen, kann ein teurer Zukauf die Übernahme-Lust schnell dämpfen.

2013 hat beispielsweise das irische Biotech-Unternehmen Elan diese Giftpille erfolgreich ausgespielt:

Nachdem das amerikanische Investment-Haus Royalty Pharma ein 7,7 Mrd. Dollar schweres Übernahme-Angebot vorgelegt hat, sahen sich die Iren gezwungen, den ungewollten Übernahme-Versuch auf diese Weise zu kontern.

Denn der Bieter hatte es hauptsächlich auf die Unternehmenskasse abgesehen.

Elan bekam 3,25 Mrd. Dollar durch den teilweisen Lizenz-Verkauf eines neu entwickelten Medikaments.

Um die Übernahme unattraktiv zu machen, hatte das Management einen Aktienrückkauf im Umfang von 1 Mrd. Dollar angekündigt und plante weitere Investitionen im Umfang von 1,5 Mrd. Dollar.

Zwar wurden die geplanten Zukäufe von den Aktionären nicht unterstützt, doch für das Aktienrückkauf-Programm erhielt das Management die Unterstützung der Investoren.

Die Reduzierung des Kassenbestands um 1 Mrd. Dollar reichte aus, um Royalty Pharma die Übernahme-Lust zu nehmen – die Giftpille hat gewirkt; das Angebot wurde wieder zurückgezogen.

Besonders gut für Übernahme-Spekulanten: Nach diesem ungewollten Angebot erfolgte wenige Wochen später eine freundliche Übernahme zu 8,6 Mrd. Dollar.

Giftpille 3: Kapitalerhöhung

Eine andere Anwendung der Giftpille ist die Kapitalerhöhung.

Die Ausgabe neuer Aktien würde in dem Fall die Übernahme so sehr verteuern, dass der Interessent es sich unter Umständen nicht mehr leisten kann, diese zu bezahlen oder, dass sie sich nicht mehr rentiert.

Hält der Bieter mehr als dem Management lieb ist, bekommen alle anderen Aktionäre neue Aktien zum Spottpreis angeboten. Diese Maßnahme ist die wohl gängigste Giftpille und wird insbesondere im anglo-amerikanischen Raum eingesetzt.

11. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.