Bei Zinserhöhung der Fed: Was passiert mit dem Goldpreis?

Was ist nur mit dem Goldpreis los? Die Frage mag sich mancher stellen, der davon ausgeht, dass das Edelmetall in unsicheren Zeiten Zulauf hat. Gab schon die Endphase der US-Wahlen Anlass zur Unsicherheit, stellte Wahlsieger Trump die Welt vor Rätsel.

Keiner weiß, was er genau vorhat – vermutlich weiß er es selbst (noch) nicht. Dennoch stürzte der Goldpreis von 1.300 US-$ je Feinunze am Wahltag in nur fünf Tagen auf 1.212 US-$ ab, gefolgt von einer marginalen Korrektur. Verkehrte Welt?

Nach ausbleibender Zinserhöhung der Fed stürzt der Goldpreis

Vor der Wahlüberraschung stand eher die Zentralbank im Fokus, also die Frage, wie sich eine Zinserhöhung der Fed auf den Goldpreis auswirkt. Immerhin wartet alles auf den lange angekündigten Zinsschritt. Und wenn höhere Zinsen Sparanlagen und Anleihen endlich rentabler machen, wäre zu erwarten, dass Gold an Anziehungskraft verliert. Dennoch stieg der Goldpreis Ende Oktober rapide an.

Tatsache ist, dass beide Faktoren ineinander spielen. Zum einen wuchs die Unsicherheit, als sich in der Endphase der Wahlen das Blatt überraschend zugunsten von Trump wendete. Das trug zum Preisauftrieb bei. Gleichzeitig war bei vernünftiger Betrachtung davon auszugehen, dass die Notenbank in der Situation bemüht sein würde, die Märkte ruhig zu halten. Entsprechend beließ Fed-Chefin Janet Yellen am 2. November den Leitzins in der Spanne zwischen 0,25% und 0,50%.

Beim Gold waren also der Trump- und Yellen-Effekt zunächst eingepreist. Dass dieser Vorwegnahme eine Korrektur folgen würde, war absehbar. Zudem hat nach wie vor die Fed eine Zinserhöhung im Visier, was den Goldpreis drückt. Dass er aber so heftig abstürzte, liegt an einem plötzlichen Turboeffekt auf den Finanzmärkten.

Der Markt schafft Fakten und treibt Zinsen

Dort gab es einen Durchbruch, der die überfällige Zinserhöhung in geballter Form vorwegnimmt und den Dollar wider Erwarten in die Höhe schnellen ließ. Der Markt hat sich nämlich nach anfänglicher Unklarheit über die Auswirkungen von Trumps Ankündigungen schnell auf die zinstreibenden Effekte eingeschossen.

Offenbar geht die Mehrheit davon aus, dass Steuersenkungen und Staatsausgaben für ein massives Infrastrukturprogramm die Konjunktur und Inflation erst einmal anschieben werden. Dieses Kalkül spiegelt sich in gestiegenen Zinsen für US-Anleihen und Zinspapieren weltweit. Das zieht natürlich Kapital aus Goldanlagen ab, ebenso ein starker Dollar, weil Rohstoffe außerhalb des Währungsraums teurer werden. Bleibt die Frage, wie nützlich der kurzfristige Effekt ist.

Auf jeden Fall wird dies die Fed zwingen, von ihrem vorsichtigen Kurs abzugehen und die Leitzinsen schneller zu erhöhen. Die Märkte sind offensichtlich nicht aus den Fugen geraten, was für ein Beibehalten der Zinsniveaus gesprochen hätte – der Aktiencrash blieb aus. Dafür rotieren die Anleihemärkte, weil in der Zinsspirale laufende Investments abschmieren und hohe Verluste bringen. Alles läuft eben in eine andere Richtung als erwartet.

Neue Unsicherheiten vorprogrammiert

Der große Haken: Eine deutliche Zinsanhebung der Fed wird die Schuldenproblematik der USA dramatisch verschärfen. Trumps Pläne bedeuten Zusatzausgaben sowie Einnahmeverluste durch weniger Steuern. Berechnungen gehen von bis zu 7 Billionen US-$ aus – zusätzlich zum alten Schuldenberg von fast 20 Billionen US-$. Der letzte Haushaltsstopp mit drohender Zahlungsunfähigkeit ist noch in Erinnerung.

Als Geschäftsmann mag es Trump gewohnt sein, Gläubiger an die Wand laufen zu lassen um dann geringere Summen auszuhandeln. Als Präsident aber hat er es mit anderen Mechanismen und Partnern zu tun. Allen voran mit den Chinesen, die neben Japan die größten Gläubiger sind. Sie wird er kaum aufhalten können, US-Anleihen zu verkaufen, was sie bisher schon tun, um den Renminbi auf den Devisenmärkten salonfähig zu machen. Auch die Erdölländer reduzieren ihre Dollarbestände.

Also muss er zumindest China entgegenkommen, was er eigentlich nicht vorhat, oder er riskiert, dass seine Blase platzt, die USA im Rating absteigen und im Gegenzug die Anleihezinsen steigen müssen, während der Dollar abrutscht. Es sei denn, der aktuelle Vertrauensvorschuss der Märkte verhilft seinem Programm zur nachhaltigen Stärkung der Wirtschaft. Die Chancen für eine Ernüchterung und neue Unsicherheiten sind jedenfalls so hoch, dass der Goldpreis ziemlich sicher wieder zulegen wird.

24. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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