China: Elektroauto-Quote schockt deutsche Autohersteller

Hiobsbotschaft für die deutsche Autoindustrie: China hat einen neuen Gesetzentwurf veröffentlicht, wonach China schon ab 2018 eine Elektroauto-Quote anstrebt – zur Freude einheimischer Hersteller wie Build Your Dreams (BYD).

Konkret geht es darum, dass ab 2018 für 8% aller verkauften Fahrzeuge im Reich der Mitte sogenannte Kreditpunkte gesammelt werden müssen. Diese Kreditpunkte gibt es allerdings nur für Elektroautos. Mit diesem Schritt will China die Elektromobilität weiter forcieren. Darum steigt der entsprechende Prozentsatz ab dem Jahr 2019 auf 10%, im Jahr 2020 dann auf 12%.

Elektroauto-Quote in China – Bedeutung für deutsche Autohersteller

Dabei gilt die Formel: 4 Punkte gibt es für jedes verkaufte Elektroauto und 2 Punkte für einen abgesetzten Plug-in-Hybriden. Verkauft Volkswagen also zum Beispiel rund 3 Mio. Autos in China (Absatz in 2015: 2,63 Mio. PKWs), müsste der VW-Konzern im Jahr 2018 rund 60.000 Elektroautos produzieren, bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen wären sogar 120.000 Einheiten notwendig, um die Kreditpunkte zu erreichen.

Erreicht VW dieses Ziel nicht, muss der Wolfsburger Autokonzern seine Produktion in China drosseln oder anderen Herstellern Kreditpunkte abkaufen – allerdings ist derzeit noch nicht klar, wieviel ein solcher Kreditpunkt kostet.

VW wäre von einer Elektroauto-Quote in China besonders stark betroffen

Die Unsicherheit bei den deutschen Autoherstellern rund um VW, BMW und Daimler ist daher erwartungsgemäß groß. Nicht zuletzt deswegen, weil es natürlich um viel Geld geht. Jedes Jahr werden etwa 20 Mio. Neuwagen in China verkauft, rund 4,4 Mio. Autos kamen im Vorjahr aus den Fabriken von BMW, Daimler und VW.

Vor allem für VW ist China inzwischen der größte Absatzmarkt, setzten die Wolfsburger im Vorjahr rund 36% aller verkauften Autos im Reich der Mitte ab – damit könnte jedoch bald Schluss sein.

China will bei der Elektromobilität zum Weltmarktführer werden

Der Regierung in Peking ist die starke Präsenz der deutschen Autobauer auf dem chinesischen Automarkt offenbar ein Dorn im Auge. Vielmehr will die Regierung mit dem neuen Gesetzentwurf einheimische Autohersteller wie Build Your Dreams (BYD) weiter fördern.

BYD ist bereits der größte Elektroauto-Hersteller in China und hat in diesem Bereich inzwischen nicht nur die deutschen Autobauer, sondern auch die kalifornische Tesla Motors hinter sich gelassen.

BYD hat im Jahr 2015 rund 62.000 Elektroautos an chinesische Konsumenten verkaufen können, in diesem Jahr soll sich diese Zahl verdoppeln. Laut BYD Auto Sales Manager Michael Shu interessieren sich immer mehr Menschen für die neue Technik (Elektromobilität), wovon insbesondere BYD als Marktführer profitiert.

Als Profiteur gilt auch BYDs einheimischer Konkurrent Beijing Auto, besser bekannt als BAIC – das Unternehmen setzte sich im September 2016 mit dem BAIC EU260 an die Spitze der Verkaufscharts für Elektroautos in China (3.800 Zulassungen). Deutsche Hersteller sucht man in den Top 5 der Verkaufscharts für Elektroautos in China dagegen vergeblich.

Fazit: Deutsche Autobauer hinken bei der Elektromobilität in China hinterher

Noch ist es nur ein Gesetzentwurf der Regierung in Peking. Die deutschen Autobauer hoffen nun auf Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der sich zuletzt in China aufhielt. Gabriel soll die Behinderung deutscher Investoren in China ansprechen und wenn möglich intervenieren.

Doch ob dies BYD & Co aufhalten wird, darf bezweifelt werden. Chinas führender Elektroauto-Hersteller hat früh auf die Elektromobilität gesetzt und sieht sich daher im Aufwind.

Im Vorjahr wurden nach offiziellen Angaben bereits mehr als 330.000 Elektroautos in China verkauft, in 2016 dürfte diese Zahl auf deutlich über 400.000 klettern. Es besteht kein Zweifel: Der Elektroauto-Markt in China boomt und dürfte mit dem neuen Gesetzentwurf der Regierung in Peking weiteren Rückenwind erhalten.

Die deutschen Autobauer erwischt der Vorstoß Chinas mit seiner Elektroauto-Quote auf dem falschen Fuß, hatten sich VW, BMW, Daimler & Co noch mehr Zeit beim Wandel in Sachen Elektromobilität erhofft. Zwar gibt es verschiedene Konzepte für neue E-Auto-Modelle der deutschen Hersteller, die sollen aber erst in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.

In China plant man offenbar ohne die deutschen Autobauer. Geht es nach der Regierung in Peking, sollen ab dem Jahr 2020 rund 70% aller verkauften Elektroautos in China von chinesischen Herstellern stammen.

Automobil-Anleger sind daher gut beraten, ihr Portfolio zu diversifizieren – die chinesische BYD könnte dabei durchaus eine interessante Alternative zu VW, BMW & Co darstellen.

17. November 2016

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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