Kanada 2010 – Die Holzwirtschaft ist wichtige Basis (Teil 2)

Etwa 11%  aller Wälder der Welt befinden sich in Kanada, rund 418 Mio. Hektar. Obwohl nur die Hälfte davon wirtschaftlich […] (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Etwa 11%  aller Wälder der Welt befinden sich in Kanada, rund 418 Mio. Hektar. Obwohl nur die Hälfte davon wirtschaftlich nutzbar ist, die Holzindustrie spielt in Kanada eine große Rolle. 360.000 Arbeitsplätze bietet die Branche in rund 1.600 Unternehmen. Wie im Falle anderer natürlichen Ressourcen sind auch die Wälder Kanadas nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Provinzen des Landes verteilt. Québec (20%), British Columbia (15 %), Ontario (14 %) und Alberta (9 %) haben die größten Anteile. Betrachtet man jedoch die wirtschaftlich nutzbare Waldfläche, so steht British Columbia mit 42 Prozent klar vor Québec (17 %), Ontario (12 %) und Alberta (12 %) an der Spitze.

Die USA verhängten im Lauf der Geschichte immer wieder Holzembargos und Einfuhrzölle auf kanadische Holzprodukte und Schnitthölzer, mit einem geringen Effekt. Insgesamt ist die kanadische Holzindustrie gestärkt daraus hervorgegangen. Einzig in Regionen, die stark oder ausschließlich vom Geschäft mit den USA abhängig waren, zeigen sich Spuren.

Exporte in die USA brechen ein

In Miramichi, einer Stadt im Norden der kleinen Atlantikprovinz New Brunswick, fallen zuerst die stillgelegten Papiermühlen am Ufer des malerischen Miramichi Rivers ins Auge. Vier Mühlen mussten in den letzten Jahren schließen, nachdem die Regierung Bush erneut Strafzölle verhängt hatte. Da rund 20% der Arbeitsplätze im nördlichen New Brunswick von der Holzverarbeitung abhängen ist die Arbeitslosigkeit entsprechend hoch.

Die andere Einnahmequelle, der Fischfang, ist ebenfalls weitgehend versiegt. Der Miramichi-River, einst einer der Lachsreichsten Flüsse der Welt, ist fast leer gefischt. Am oberen Flusslauf versucht die Distriktregierung den Anglertourismus zu beleben. Man kann Touren buchen, neue Lodges und Cabins werden für die Freizeitfischer gebaut, Anglerausrüster und andere Dienstleister lassen sich am Fluss nieder. Wer sich im Flyfishing versuchen will, hat gute Chancen in Doaktown am südlichen Miramichi. Der Lachs wird in Kanada traditionell auf Zedernholz gegrillt und mit – wie sollte es anders sein – Ahornsirup gewürzt. Schmeckt köstlich.

Eine andere Meeresfrucht gibt es hier noch im Überfluss. Der berühmte „Atlantic Lobster“ ist billig und überall zu haben. Wir sitzen auf  der Terrasse von Kelly und Gary in Sunny Corners am oberen Miramichi, vor uns eine dampfende Platte mit Hummer, den Gary mit bloßen Händen für uns aufbricht. Kelly erzählt uns von ihrer Zeit als Restaurant-Managerin in Halifax, der Hauptstadt von Nova Scotia, als es ein Spaß unter den Kellnern war, den Touristen zuzuschauen, wie sie versuchen den Hummer fachmännisch zu verteilen. Fast keiner habe es geschafft, das Lokal zu verlassen ohne total verspritzt zu sein.

Kelly arbeitet heute im Krankenhaus und organisiert die Seelsorge für die Patienten. Auch Gary hatte während seines Lebens eine Menge Jobs, er hat auf einem Hausboot in Vancouver Island gelebt, Gebrauchtautos verkauft, eine Softwarefirma aufgebaut und bewirbt sich gerade für ein Wiederaufbauprojekt in Haiti. Fast jeder, der mir begegnet, hat in seinem Leben schon mehrere Jobs gehabt, zum Teil ganz unterschiedliche. Flexibilität ist hier keine Frage.

Im Westen gibt es Neues: Exporte nach China boomen

Wir reisen weiter nach an die Westküste. Beim Anflug auf Vancouver fällt uns nicht nur auf, dass die Schnee bedeckten Berge bis dicht an die Stadt reichen, auf dem Fraser River, der bei Vancouver in den Pazifik mündet, schwimmen Baumstämme den Fluss hinunter. In der westlichen Provinz British Columbia (B.C.) wird heute noch jeder zweite Kanada-Dollar in der Holz- und Forstwirtschaft verdient.

Der Westen Kanadas ist aber lange nicht so abhängig vom Export in die USA wie der Osten. Als die Immobilienblase in den USA 2007/2008 platzte und die Nachfrage nach Bauholz rapide zurückging, hatten die Kanadier eine Alternative. Die Unternehmer in B.C. haben sich in den letzten Jahren einen neuen Absatzmarkt in Asien und hier vor allem in China aufgebaut. In den letzten beiden Jahren wurden 2,5 Mio. m³ Holz nach China exportiert, Kanada ist mit 23%  Anteil der größte Einzelexporteur von Holz in Volksrepublik China und hat damit den bislang größten Handelspartner Chinas Russland überflügelt.

Außenhandel spielt in Kanada keine so große Rolle wie in Deutschland

Dennoch nach wie vor sind die USA in allen Wirtschaftszweigen der größte Handelspartner Kanadas, Exporte in die Europäische Union spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Die Nationale Handelskammer beklagt außerdem, dass rund 40% der Unternehmen des Landes laut einer aktuellen Umfrage von „Canada Business“ überhaupt keine Geschäfte mit dem Ausland machen und auch in der Regel überhaupt nicht daran interessiert sind. Für viele Unternehmen stellen die langen Transportwege, Sprachbarrieren und die Kosten für eine Niederlassung oder Repräsentanz im Ausland zu große Hindernisse dar.

Auch wenn die Unternehmen sich wenig weltoffen zeigen, die Bürger des Landes sind es nicht. Bei unserer Reise im Westen werden wir überall freundlich aufgenommen, der Taxifahrer in Vancouver gibt uns bei der Fahrt vom Flughafen gleich eine komplette Einführung in die Stadt und erklärt uns welche Sehenswürdigkeiten wir unbedingt ansehen müssen.

Er versäumt es auch nicht, uns darauf hinzuweisen, dass es an jeder Ecke einen Starbucks gibt. Das ist tatsächlich so. Das Frühstück in Vancouver ist gerettet, vor allem weil es mit Tim Horton`s zusätzlich noch eine kanadische Starbucks Version gibt, die zudem noch deutlich preiswerter ist.

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Susanne Schmitt
Von: Susanne Schmitt.

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