+++ GRATIS Online-Sendung: Money Movement - Der neue Börsenstammtisch für Anleger | am 20.02, 18 Uhr +++

Verschuldung: Bundesländer pro Kopf im Ranking

Inhaltsverzeichnis

Inklusive Schulden der deutschen Sozialversicherung und der Extrahaushalte zeigt die Schuldenuhr für Deutschland derzeit einen Stand von 2.321,1 Milliarden an – damit steht theoretisch jeder Bürger mit 27.922 Euro in der Kreide. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zum öffentlichen Gesamthaushalt des Bundes im Jahr 2021 hervor.

Außerdem zeichnen sich dort klare Unterschiede zwischen den Bundesländern ab. Nordrhein-Westfalen liegt mit 180.948 Millionen Euro vorn, das Schlusslicht bildet Sachsen mit 6.287 Millionen. Entscheidend sind allerdings nicht absolute Schulden, sondern die relativen Werte: Dabei lässt sich der Schuldenstand eines Bundeslandes entweder in Relation zum Netto-BIP oder der Zahl der dort lebenden Menschen betrachten. Abzugrenzen ist das Ganze von der Schuldnerquote unter den Einwohnern. Unser Schulden-Ranking sortiert die deutschen Bundesländer nach Pro-Kopf-Verschuldung. Damit zeigt es, in welchen Ländern die Staatsverschuldung besonders hoch ist.

16. Bayern: 1.512 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

In Bayern kommen auf jeden Einwohner durchschnittlich 1.512 Euro Schulden. Damit schneidet das Bundesland im relativen Ländervergleich am besten ab. In Komparation mit dem Vorjahr (1.359 Euro) kam es allerdings zu einer Neuverschuldung. Diese Entwicklung ist auf Bundes-Ebene keine Seltenheit. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten schließlich Hilfspakete in Höhe mehrerer Milliarden Euro für deutsche Unternehmen und Bürger geschnürt werden. Das sorgte abermals für ein Aussetzen der Schuldenbremse.

Wissenswert: Interessanterweise haben gerade die Bundeländer mit den niedrigsten Schulden pro Kopf die größte Neuverschuldung zu verzeichnen. Für Bayern ist die Pro-Kopf-Verschuldung im Vergleich zum Vorjahr um einen Anteil von 11,5 Prozent, für Sachsen sogar um 24,4 Prozent gestiegen. Das lässt sich ebenfalls aus der Schuldenstatistik des Statistischen Bundesamtes ablesen.

15. Sachsen: 1.554 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Sachsen gilt als strukturschwache Region. Unser Schulden-Ranking spricht aber eine andere Sprache: Sortiert man die Bundesländer nach der Pro-Kopf-Verschuldung, so folgt Sachsen knapp hinter Bayern. Im Durchschnitt ist Sachsen also die mitunter am wenigsten finanziell belastete Region in Deutschland. Hier stehen Bürger theoretisch mit durchschnittlich 1.554 Euro in der Kreide. Das ist nicht zuletzt auch auf die verhältnismäßig hohe Einwohnerzahl in dem Bundesland zurückzuführen.

14. Baden-Württemberg: 4.238 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 4.238 Euro trägt Baden-Württemberg ebenfalls eine eher geringe Schuldenlast. Im Vergleich zum Vorjahr kam es hier sogar zu einer Reduktion der Schulden in Relation zu den Einwohnern. Denn für 2020 zeigte die Schuldenstatistik noch 4.313 Euro Pro-Kopf-Verschuldung an.

13. Mecklenburg-Vorpommern: 5.300 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Die Schulden, die im Land Mecklenburg-Vorpommern umgerechnet auf die Einwohner entfallen, liegen bei 5.300 Euro. Im Gegensatz zur Verschuldung anderer Bundesländer lässt sich also auch hier eine relativ positive Bilanz ziehen. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ist mit 0,01 Prozent bemerkenswert niedrig.

12. Rheinland-Pfalz: 6.954 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Eine Erhebung der Bertelsmann Stiftung zeigte 2018, dass die höchstverschuldeten kreisfreien Städte vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz liegen. Aus den Daten des statistischen Bundesamtes geht hervor, dass die Kommunen in Rheinland-Pfalz mit 3.031 Euro pro Bürger am stärksten verschuldet sind.

Betrachtet man allerdings die Pro-Kopf-Verschuldung der Bundesländer, so zeichnet sich ein anderes Bild: Denn die Einwohner von Rheinland-Pfalz stehen umgerechnet nur mit durchschnittlich 6.954 Euro in der Kreide. Damit belegt das Land gerade einmal Platz 12 in unserem Schulden-Ranking.

11. Hessen: 7.013 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Auch Hessen macht mit Blick auf seinen Finanz-Haushalt keine schlechte Figur. Mit einer Verschuldung von 7.013 Euro pro Person belegt Hessen Platz elf. Wie bereits Baden-Württemberg ist auch Hessen eines der wenigen Bundesländer, in dem die Pro-Kopf-Verschuldung verglichen mit 2020 abnahm. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 7.296 Euro pro Einwohner.

10. Brandenburg: 7.505 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Direkt auf Hessen folgt Brandenburg. Dort liegt die Pro-Kopf-Verschuldung gerade einmal bei 7.505 Euro – im Vergleich zum Stadtstaat Berlin eine stolze Position. Mit 137 Euro beziehungsweise 0,02 Prozent war die Neuverschuldung gegenüber 2020 in Relation zu den Einwohnern Brandenburgs verschwindend gering.

9. Thüringen: 7.740 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Brandburg und Thüringen teilen nicht nur ihre Vergangenheit als ostdeutsche Länder – sie haben im Jahr 2021 auch eine nahezu identische Pro-Kopf-Verschuldung. Umgerechnet entfiel in Thüringen im Erhebungszeitraum ein Betrag von 7.740 der Staatsschulden auf jeden Einwohner des Bundeslands.

8. Niedersachsen: 8.047 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Auch Niedersachsen liegt mit seiner Pro-Kopf-Verschuldung im Mittelfeld. Laut Schuldenstatistik waren die hier lebenden Deutschen im Jahr 2021 hypothetisch gesehen mit jeweils 8.047 Euro verschuldet. Im Jahr 2020 lag die Pro-Kopf-Verschuldung noch bei 8.123 Euro. Damit kam es hier zu einer Reduktion der Verschuldung – ebenso wie schon bei Baden-Württemberg und Hessen.

7. Sachsen-Anhalt: 10.081 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Niedersachen erscheint in unserem Schulden-Ranking dicht gefolgt von Sachsen-Anhalt. Die Pro-Kopf-Verschuldung des Bundeslands liegt bei 10.081 Euro. Damit ist der Wert um knapp 0,04 Prozent höher als 2020.

6. Nordrhein-Westfalen: 10.106 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Absolut gesehen führt Nordrhein-Westfalen das Schulden-Ranking der Länder an: Die Gesamtschuldenlast beträgt laut Daten des statistischen Bundesamtes sage und schreibe 180.948 Millionen Euro. Auf Platz zwei folgt Niedersachsen mit einer absoluten Verschuldung 64.498 Millionen.

In absoluten Zahlen setzt sich Nordrhein-Westfalen also weit von allen anderen Bundesländern ab. Auch in relativen Zahlen gilt das Bundesland als stark verschuldet: Platz sechs in unserem Ranking zu Verschuldung der Bundesländer verdankt NRW den 10.106 Euro Schulden, die theoretisch auf jeden dort lebenden Bürger entfallen.

5. Schleswig-Holstein: 11.391 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Schleswig-Holstein ist zwar in absoluten Zahlen scheinbar nur gering verschuldet, die Pro-Kopf-Verschuldung mit 11.391 Euro hingegen wirft ein anderes Licht auf das Land. Damit steht Schleswig-Holstein in unseren Top 5 der meistverschuldeten Bundesländer. Die Diskrepanz zwischen den relativen und den absoluten Zahlen lässt sich am besten durch die niedrige Bevölkerungszahl erklären, auf die sich die Schulden statistisch betrachtet verteilen.

4. Saarland: 14.811 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Als kleinstes aller Flächenländer weist das Saarland abgesehen von den Stadtstaaten tatsächlich die höchste Pro-Kopf-Verschuldung auf. Denn hier sind die Einwohner im Schnitt mit 14.811 Euro verschuldet. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert aber dennoch stabil.

3. Berlin: 16.897 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Am Ende sind es die Stadtstaaten, die die größten Schulden verzeichnen: Die Landeshauptstadt Berlin liegt mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 16.897 Euro aktuell auf Platz drei. Diese Position übertreffen nur noch Hamburg und Bremen.

2. Hamburg: 19.106 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Im Jahr 2021 betrug die Pro-Kopf-Verschuldung in Hamburg durchschnittlich 19.106 Euro. Damit ist der Wert über 12-mal höher als bei den Flächenländern Bayern oder Sachsen. Zumindest gegenüber dem Vorjahr (2020) lässt die Schuldenuhr einen positiven Trend erkennen – denn im vergangenen Jahr fiel die Pro-Kopf-Verschuldung immerhin 0,003 Prozent (75 Euro) geringer aus.

1. Bremen: 53.834 Euro Pro-Kopf-Verschuldung

Bremen führt unser Schulden-Ranking an. Theoretisch gesehen stehen die Einwohner Bremens 2021 im Durchschnitt mit stolzen 53.834 Euro in der Kreide. Ein erklärender Faktor ist sicher die geringe Bevölkerungszahl des Stadtstaates.

Des Weiteren führen Experten die zunehmende Landflucht als Grund für die starke Verschuldung Bremens an. Für die Arbeit pendeln zwar viele Menschen in den Stadtstaat, die Einkommensteuer zahlen sie dann aber am Wohnort außerhalb. Beim Länderfinanzausgleich – einem Instrument, das die Einnahmen durch die Steuer fair auf die Bundesländer verteilen soll – verliert das Bundesland mit jedem Menschen, der aus Bremen wegzieht, über 4.000 Euro. Das Ergebnis sind Tausende Euro Schulden, die das Land nur schwer in den Griff bekommt.

Wissenswert: Trotz Corona baute das Bremen von Dezember 2020 bis 2021 Schulden ab – genau wie Hamburg. Die Reduktion betrug 4.201 Euro und entsprach damit immerhin einem Anteil von 0,07 Prozent.

Fazit: Schulden der Bundesländer pro Kopf

Die Staatsverschuldung in Deutschland ist so hoch wie nie. Die Corona-Krise, der Klimawandel, politische Konflikte und Migrationsbewegungen tragen weiter zur Verschuldung bei. Vergleicht man die Gesamtverschuldung der jeweiligen Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen (Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden) und gesetzlicher Sozialversicherung in Relation zu den dort lebenden Einwohnern, so hat der Bund die größte Schuldenlast zu tragen (Quelle: Statista). Auf Platz zwei folgen allerdings bereits die Länder.

Aktuell ist die Pro-Kopf-Verschuldung in Bayern mit 1.512 Euro am geringsten. Am stärksten verschuldet unter den Bundesländern ist Bremen, wo die Einwohner hypothetisch gesehen mit durchschnittlich 53.834 Euro in der Kreide stehen. Dennoch gibt es auch Lichtblicke: Denn gleichzeitig war das deutsche Finanzvermögen 2021 mit 1.100,3 Mrd. Euro auf einem nie zuvor gesehenen Niveau. Zudem zeigen auch Länder, die gemeinhin als eher strukturschwach gelten, dass es durchaus Lösungen gibt, um die Staatsschulden zumindest zu verringern – sowohl auf Bundes- wie auch auf Länderebene.