So vermeiden Sie zu hohe Quellensteuer-Abgaben

Im 1. Beitrag habe ich Ihnen an dieser Stelle darüber berichtet, wann bzw. unter welchen Umständen die Abgabe einer Steuererklärung für Rentner und Pensionäre sinnvoll sein kann.

Hier im 2. Teil der kleinen Steuertipp-Reihe dreht sich alles um die Quellensteuer.

Grundlagenwissen zur Quellensteuer

Es ist wichtig, dass Sie Ihr Depot breit gestreut aufstellen; dazu gehören auch ausländische Aktien. Doch viele Anleger kaufen ausländische Aktien nur aufgrund der hohen Dividendenrenditen und berücksichtigen dabei nicht, dass Quellensteuer fällig wird.

Obendrein langt noch der deutsche Fiskus mit 25% Abgeltungsteuer zu, so dass unter dem Strich die Dividendenrendite schmilzt.

Es gibt aber Möglichkeiten, dass Sie nicht zu viel „vom Dividenden-Kuchen“ abgeben müssen. Fast alle Staaten erheben bei Dividenden-Zahlungen von nationalen Unternehmen eine Steuer, die sogenannte Quellensteuer.

Erst dann fließt der Betrag in die ausländischen Depots. Hier in Deutschland muss die depotführende Bank erneut eine Steuer in Höhe von 25% erheben und an den Fiskus abführen.

Doppelbesteuerungs-Abkommen sollen Doppelbelastung vermeiden

Um diese 2-fache Belastung zu mildern, hat Deutschland mit mehr als 80 Staaten ein Doppelbesteuerungs-Abkommen (DBA) abgeschlossen.

Hierin steht auch geschrieben, mit wie viel Prozent die Auslands-Abgabe auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden kann.

In den meisten Fällen sind es 15%. Doch einige Staaten behalten mehr Quellensteuer ein, als in Deutschland angerechnet wird; die Schweiz greift mit 35% zu, Österreich mit 25%.

Als Anleger können Sie in diesen Fällen einen Antrag stellen und den nicht angerechneten Steuer-Anteil direkt vom Quellensteuer-Staat zurückfordern.

Als unkompliziert und vorbildlich gilt das Verfahren mit der Schweiz und mit Österreich. Schwieriger wird es in Italien: Die Rückerstattung kann unter Umständen viele Monate dauern.

Das Bundeszentralamt für Steuern stellt online eine umfangreiche Liste bereit (www.bzst.de, Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quellensteuer“).

Ebenfalls auf dieser Internetseite finden Sie Erstattungs-Anträge und die Adressen der ausländischen Finanz-Behörden.

Beachten Sie aber, dass es Fristen gibt, die eingehalten werden müssen. Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann auch die Hilfe der Depotbank in Anspruch nehmen.

Für eine Gebühr von etwa 30 – 40 € je Dividenden-Titel helfen viele Banken bei der Rückerstattung ausländischer Quellensteuern. Aber auch Ihr Steuerberater kann Ihnen behilflich sein.

Rechenbeispiel für die Erstattung der Quellensteuer

Hier ein Beispiel, wie Sie die Rückerstattung der Quellensteuer berechnen:

Sie erzielen in der Schweiz Dividenden in Höhe von 2.500 €. Davon behält die Schweiz zunächst 35%, also 875 €, ein.

Den Rückerstattungs-Antrag (zu finden unter www.bzst.de, Stichwort „Ausländische Quellensteuer“) schicken Sie an die Schweizer Steuerverwaltung.

Der Schweizer Quellensteuer-Abzug nach DBA beträgt 375 € (15% von 2.500 €). Die Erstattung nach Antrag in der Schweiz beträgt 500 € (20% von 2.500 €).

Der deutsche Fiskus rechnet wie folgt: 625 € (25% von 2.500 €) abzüglich Anrechnung der Schweizer Steuer in Höhe von 375 € (15% von 2.500 €).

Es wurden 250 € Abgeltungsteuer realisiert; das entspricht 10% von 2.500 €.

Die Gesamt-Steuerbelastung liegt dann nicht mehr bei 875 € (35% von 2.500 €), sondern bei 625 € (15% Schweiz + 10% Deutschland = 25%) – Ihre Steuerlast hat sich so um 250 € verringert.

28. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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