Ruhestörung: Was müssen Mieter & Vermieter beachten?

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In vielen Fällen streiten sich Mieter über diverse Ruhestörungen. Als Vermieter sollen Sie also die Einhaltung der Ruhezeiten durchsetzen. (Foto: kurhan / Shutterstock.com)

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Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes zur Ruhestörung

Definition: Unzumutbare Belästigung anderer Menschen in Form von Schallimmission, oft auch andere Immissionen wie Abgase, Licht oder Erschütterung

Ruhezeiten: In Deutschland von Bundesland und Gemeinden verschieden, üblich jedoch Abends bis Morgens von 20:00 bis 07:00 Uhr, Nachtruhe von 22:00 bis 06:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ganztägig

Was gilt als Ruhestörung: Störung der Nachtruhe, dauerhafte Geräusche von Tieren, laute Gartengeräte, Streitgespräche

Was gilt nicht als Ruhestörung: Nächtliches Duschen, Renovierungs- und Baulärm, Kirchenglocken

Rechte des Mieters: Mietminderung, Kündigung des Vertrags, Hausverbot für laute Besucher erwirken

Rechte des Vermieters: Abmahnung, (fristlose) Kündigung des Vertrags, Unterlassungsklage


Definition: Was versteht man unter einer Ruhestörung?

Lärm wird von vielen Menschen als aversiv empfunden. Dabei reicht die Spanne dessen, was als störend empfunden wird, vom Türknallen, über Kindergeschrei bis hin zum ausgiebigen Schlagzeug spielen. Oft gehen die Wogen hoch und es wird von Ruhestörung gesprochen. Doch nicht jeder Lärm, durch welchen man sich gestört fühlt, kann als Ruhestörung bezeichnet werden. Wann ein Geräusch zur Lärmbelästigung wird, hängt von der Uhrzeit, dem Ort und dem jeweiligen Entstehungsumfeld zusammen.

Generell gilt eine Ruhestörung per gesetzlicher Definition nur dann als solche, wenn man „ohne berechtigten Anlass oder in einem unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen„.

Unter Ruhestörung (oder auch Lärmstörung) versteht man also eine unzumutbare Belästigung anderer Menschen in Form von Schallimmission. Oftmals kann es auch passieren, dass andere Immissionen, wie beispielsweise Abgase, Licht oder Erschütterungen, eine Ruhestörung darstellen.

Ruhezeiten Lärm

Ruhestörung: Welche Gesetze sind Grundlage?

In Deutschland gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen, welche auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene variieren. Das Ziel dieser Regelungen ist es, einen Interessensausgleich zwischen den beiden in Konflikt stehenden Parteien herzustellen und so die Betroffenen vor Lärm zu schützen. Diese gesetzlichen Regelungen sind:

  • Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG)
  • Landesimmissionsschutzgesetze (LImSchG)
  • Kommunale Nachbarschaftsgesetze

Das Bundesimmissionsschutzgesetz wird überdies noch um jene Gesetze ergänzt, welche sich speziell auf die verschiedenen Lärmarten beziehen. Darunter fallen die Verkehrslärmschutzverordnung, die Sportanlagenlärmschutzverordnung und die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. 

Das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (FLuLärmG) und das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) enthalten spezielle Regelungen den Fluglärm oder den Lärm am Arbeitsplatz betreffend. Eine weitere Arbeitsschutzverordnung stellt die Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) dar. Diese dient den Beschäftigten als Schutz gegen Lärm und Vibrationen.

Wann sind die vorgeschriebenen Ruhezeiten?

Grundsätzlich werden die vorgeschriebenen Ruhezeiten in der Hausordnung festgelegt, an welche sich jeder Mieter zu halten hat. Ist eine solche nicht vorhanden, treten die gesetzlich festgelegeten Ruhezeiten in Kraft. Diese sind:

  • Abends bis Morgens von 20:00 bis 07:00 Uhr
  • Nachtruhe von 22:00 bis 06:00 Uhr
  • An Sonn- und Feiertagen ganztägig

Die Mittagsruhe ist gesetzlich nicht festgelegt und wird in Deutschland je nach Bundesland anders gehandhabt. Meistens wird sie jedoch entweder gesondert in der Hausordnung vermerkt oder auf 13:00 bis 15:00 Uhr festgelegt. Generell gilt, dass jedes Bundesland und jede Gemeinde ihre eigenen Ruhezeiten festlegen kann, welche auch von den oben aufgelisteten üblichen Zeiten abweichen können.

Während dieser gesetzlich festgelegten Ruhezeiten, müssen alle Geräusche auf Zimmerlautstärke reduziert werden. Eine genaue Dezibelzahl für die maximale Zimmerlautstärke ist allerdings nicht festgelegt. Man kann sich jedoch daran orientieren, dass eine Lautstärke von 60 Dezibel jener eines normalen Gesprächs entspricht. 75 Dezibel sind vergleichbar mit dem Geräusch eines Rasenmähers oder Staubsaugers. Häufig urteilten Gerichte auch, dass während der Nachtruhe nur eine Lautstärke von bis zu 30 Dezibel erlaubt sei. Dies würde lediglich einem flüsternden Gespräch entsprechen.

Lärmpegel Ruhestörung

Welcher Lärm gilt als eine Ruhestörung?

Neben vielen Geräuschen, welche nicht in den Bereich der Ruhestörung fallen, gibt es auch einige, die dem Begriff der Ruhestörung (unter bestimmten Voraussetzungen) gerecht werden. Darunter fallen Lärm- und Geräuschbelästigungen:

  • Durch Trittschall: Je nach Alter des Hauses (Alt- oder Neubau) wird entschieden, wie laut die Schritte in der oberhalb gelegenen Wohnung sein dürfen.
  • Durch Kinder: Diese dürfen natürlich in der Wohnung oder in zum Haus dazugehörigen Freiflächen oder Spielplätzen spielen. Die Spielgeräusche dürfen jedoch nicht zu einer unzumutbaren Störung werden. Das heißt also, zu den im Haus geltenden Ruhezeiten muss auf die anderen Mieter Rücksicht genommen werden. Dafür haben die Eltern, im Sinne ihrer Aufsichtspflicht zu sorgen.
  • Durch Sex: Wenn laute Geräusche beim Sex die Nachtruhe der anderen Mieter stören, kann dies sogar zu Mietminderung für den leidtragenden Nachbarn oder aber auch fristloser Kündigung des Unruhestifters führen.
  • Durch Tiere: Dauerhaftes Hundegebell muss von den anderen Mietern nicht geduldet werden und kann, im Extremfall, sogar zu Mietminderung für den leidtragenden Nachbarn führen. Auch führ den Hundehalter können hohe Bußgelder anfallen. Im Extremfall kann es sogar so weit kommen, dass der Besitzer auf sein Tier verzichten muss.
  • Durch Nachbarn im Garten oder am Balkon: Bestimmte laute Geräusche dürfen eingeschränkt werden. Auch gilt ab 22:00 Nachtruhe, welche eingehalten werden muss.
  • Durch Partylärm: Kein Mieter muss regelmäßigen Partylärm ertragen. Der Veranstalter der Feier muss immer auf die Ruhezeiten achten und Rücksicht auf die umliegenden Bewohner nehmen.
  • Durch Streit: Lautes Geschrei, welches eine Dauer von 30 Minuten überschreitet, muss von den restlichen Mietern nicht geduldet werden. Es handelt sich hierbei um eine Ordnungswidrigkeit und ist deshalb ein Fall für das Ordnungsamt.
  • Durch benachbarte Gewerbe oder Gastronomie: Bei angrenzenden Bars oder Restaurants gilt ebenfalls die gesetzliche Ruhezeit ab 22:00. Laute Gespräche müssen dann nach drinnen verlegt werden. Bei Streitigkeiten wiegt das Ruhebedürfnis des Bewohners immer schwerer als das betriebswirtschaftliche Interesse des Gastronomen.
  • Durch Umzug: Nach 22:00 muss auch hier Schluss sein mit Bohren, Hämmern oder ähnlichem Lärm. Umziehen darf man rein rechtlich auch an Sonn- oder Feiertagen. In Deutschland bilden jedoch stille Feiertage, wie Heilig Abend oder Karfreitag, die Ausnahme von der Regel.
  • Am Sonntag: Dieser Tag gilt ganztägig als Ruhetag. Somit sind keine lärmenden Geräusche wie Rasenmähen erlaubt. Eine Waschmaschine einzuschalten oder Kinder, die draußen im Garten spielen, gelten aber auch am Sonntag nicht als Ruhestörung.

Generell gilt Rücksichtsnahme auf andere Mieter zu nehmen, um etwaige Streitigkeiten wegen Ruhestörungen zu vermeiden.

Ruhestörung

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Zählt laute Musik als Ruhestörung?

Das Hören von Musik stellt einen Sonderfall dar, denn subjektive Empfindungen und etwaige Überempfindlichkeiten spielen hierbei keine Rolle. Ortsübliche und unvermeidliche Lärm- und Geräuschbelästigungen müssen hingenommen werden. Man unterscheidet bei lauter Musik einerseits das musizieren an sich, andererseits das hören von Musik. Die Behandlung dieser beiden Punkte ist nur geringfügig verschieden.

Beim Musizieren gilt, dass auf die Umstände der Bewohner geachtet werden muss. Ein Seniorenheim, in welchem die Bewohner viel Ruhe benötigen, gilt ein geringeres Toleranzmaß für das Musizieren als in einem Neubau mitten in der Stadt. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass zwei Stunden am Stück musiziert werden darf. Je nach Schallschutz des Hauses können zusätzliche Abweichungen in der zulässigen Dauer auftreten.

Beim Hören von Musik, aber auch beim Fernsehen gilt ebenfalls, dass die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden müssen. Insbesondere in der Nacht ist darauf zu achten, dass die Geräte nur in Zimmerlautstärke aufgedreht sind. Das bedeutet also, dass die Geräusche in den angrenzenden Wohnungen nur noch stark gedämpft bis gar nicht mehr zu hören sein dürfen. Oft sind Formulierungen bezüglich dem Hören von lauter Musik sehr schwamming formuliert. Generell gilt jedoch, dass verschiedene Geräuschquellen im Bezug auf die Ruhezeiten nicht unterschiedliche behandelt werden dürfen. Hier am besten das Gespräch suchen, denn jeder hat ein Recht auf lärmfreies Wohnen. 

Was gilt nicht als Ruhestörung?

Nicht jeder Lärm, welcher in den gesetzlich festgelegten Ruhezeiten auftritt, kann als Ruhestörung bezeichnet werden. Geräusche in einem ortsüblichen Maß, welche durch Kinder oder Tiere verursacht werden fallen nicht unter Ruhestörungen, selbst wenn sie in den Ruhezeiten auftreten. Auch laute Treppenstufen oder das Klappern von Absätzen in der obenliegenden Wohnung müssen Mieter vorerst tolerieren, da ein völlig geräuschloses Nebeneinanderleben meist nicht möglich ist.

Im Extremfall ist auch für jede Tätigkeit für den Einzelfall zu entscheiden, ob es sich um Ruhestörungen handelt oder nicht. Einen Sonderfall, nämlich das Hören von lauter Musik oder das Musizieren an sich, ist schon bekannt. Weitere Sonderfälle beziehen sich auf:

  • Duschen: In manchen Wohnungen ist der Schallschutz so gering ausgeprägt, sodass Dusch- und Toilettengänge stets hörbar sind. In diesen Fällen kann die Polizei nicht wegen Lärmbelästigung gerufen werden, man sollte den Nachbarn jedoch über diesen Umstand informieren. Im Einzelfall kann es auch passieren, dass geprüft werden muss, ob bauliche Mängel vorliegen. Diese können dann entweder behoben werden oder es kann um Mietminderung angesucht werden. Ein Kündigunggsrund liegt hier nicht vor.
  • Garten- und Heimwerkerarbeiten: Schwere Gartengeräte, wie beispielsweise Kettensägen, dürfen an Werktagen außerhalb der Ruhezeiten verwendet werden. Noch lautere Geräte, wie Laubgebläse, dürfen werktags nur zwischen 09:00 und 13:00 Uhr sowie 15:00 und 17:00 Uhr betrieben werden. Zu Bohrmaschinen oder Hämmern gibt es keine gesonderten gesetzlichen Regelungen. Das Heimwerken an sich ist erlaubt, es ist immer auf die angrenzenden Bewohner Rücksicht zu nehmen.
  • Baulärm: Wenn es sich hierbei um Modernisierungsmaßnahmen handelt, welchen der Mieter zugestimmt hat oder die Bauarbeiten schon im Gange waren, als der Mieter eingezogen ist, steht im kein Recht auf Mietminderung zu, da es sich hierbei nicht um Ruhestörung handelt. Im Mietvertrag kann ausnahmsweise auch der Auschluss einer Mietminderung wegen Baulärms vereinbart werden.
  • Renovierung: Renovierungen, für deren Umsetzung ein Bewohner einen Handwerker engagiert, stellen ebenfalls einen Sonderfall dar. Der Handwerker darf hier nämlich auch während der in der Hausordnung festgelegten Mittagsruhezeiten arbeiten. Bei dringenden Fällen, wie beispielsweise einem Wasserrohrbruch, müssen die Mieter auch Lärm ertragen, der bis in die Nachtstunden, und somit weit nach 22:00 Uhr, andauern kann.
  • Läuten von Kirchenglocken: Auch dies stellt im herkömmlichen Rahmen (allerdings regelmäßig) keine erhebliche Belästigung dar. Ebenfalls unterliegt das Glockenläuten der Religionsfreiheit, welches eine Einschränkung nahezu unmöglich macht.

Wie reagiert man als Mieter bei Ruhestörung?

Ob Menschen Geräusche als störenden Lärm wahrnehmen, hängt nur zu etwa einem Drittel von der Geräuschart und der Lautstärke ab. Weiterer Einflussfaktor ist die individuelle Lärmempfindlichkeit, die je nach eigener Gemütsverfassung variieren kann. Auch die persönliche Beziehung des Mieters zum Lärmenden spielt eine wesentliche Rolle, in wie weit man den vorhandenen Lärm wirklich als störend empfindet. Eine schlechte Nachbarschaftsbeziehung resultiert also in geringerer Lärmtoleranz.

Generell gilt, dass jeder Vermieter von seinem Mieter erwarten kann, dass dieser sich und etwaige Besucher zu anständigem, den Hausfrieden achtenden Verhalten anhält. Für ein gutes Nachbarschaftsverhältnis ist es wichtig, Ruhestörungen zunächst sachlich mit den Nachbarn zu besprechen. Hält sich dieser trotzdem weiterhin nicht an die festgelegten Ruhezeiten, können Mieter immer noch über weitere Schritte nachdenken.

Beispielsweise kann der Vermieter eingeschaltet werden, welcher das Gespräch mit seinem Mieter suchen soll. Wenn dieser sich strikt weigert zu handeln oder keinen Erfolg erzielt, kann der leidtragende Mieter mit Mietminderung oder Kündigung drohen. Auch Hausverbote für Besucher sind möglich, sollten jedoch wirklich nur als letzte Maßnahme angedroht werden. Auch muss in diesem Fall vorher überprüft werden, ob mildere Mittel ausreichen würden, um einen Besucher dazuzubringen, die Lärmbelästigung zu unterlassen.

Wenn der störende Lärm weiterhin anhält, steht es dem Mieter frei, die Polizei hinzuzuziehen, welche den lärmenden Bewohner dann ermahnt. Bei Wiederholungstätern kann dies jedoch auch schnell zu einer Bußgeldstrafe von bis zu 5000,- € führen. Der Klagende muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass dieser Schritt meistens zu Unstimmigkeiten im Nachbarschaftsverhältnis führen kann. Oftmals hilft es schon, miteinander zu reden. Meistens sind sich Mieter über ihr lautstarkes Verhalten gar nicht im Klaren. Ein Hinweis vom Nachbarn kann hier schon wahre Wunder wirken. Wer sich freundlich und entgegenkommend zeigt, erhöht auch die Chance, demnach behandelt zu werden.

Mietminderung bei Ruhestörung

Der Fall der Mietminderung stellt für viele Mieter und Vermieter einen Streitpunkt dar. Das liegt häufig daran, dass beide Parteien nicht wissen, wann und in welcher Höhe die Miete gemindert werden darf. Das Landgericht Berlin stellte im Februar 2015 klar, dass lautes Fernsehen, Streitereien, sogar Schreien, Poltern, Trampeln und Türenknallen als sozial adäquate Ruhestörungen gelten. Als sozial adäquat werden von Gerichte alle Tätigkeiten verstanden, was zwar die nachbarliche Nachtruhe stören könnte, aber zum menschlichen Verhalten dazu gehört – wie beispielsweise die körperliche Hygiene.

Diese, mit der üblichen Nutzung einer Mietwohnung verbundene Lebensäußerungen durch den Mieter sind von anderen Hausbewohnern hinzunehmen, jedoch nur so lange, als dass sie nicht innerhalb der Ruhezeiten passieren. Treten diese Störungen jedoch täglich und vor allem innerhalb der gesetzlich festgelegten Ruhezeiten auf, kann sich der Mieter wehren, in dem er eine Mietminderung von bis zu 10 % fordern kann.

Sollte es zu diesem Extremfall kommen, ist es nützlich, als Mieter ein schriftliches Lärmprotokoll zu führen. In diesem wird aufgeschrieben, wann, wie lange und welcher Lärm zu hören war. Dies kann mitunter bei gerichtlichen Zusprüchen den entscheidenden Punkt bringen.

Vermieter müssen auch in der Regel dafür sorgen, dass die mietvertraglichen Vorgaben oder die Vorgaben der Hausordnung eingehalten werden. Lärm von Kleinkindern muss von Bewohnern in Mehrfamilienhäusern jedoch hingenommen werden. Gestörte Mieter haben deshalb kein Recht zu Mietminderung oder fristlosen Kündigung. Kinder haben einen natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang, der häufig mit Geräuschentwicklungen verbunden ist. Auch Weinen und Schreien kleiner Kinder während der Nachtruhe stellt keinen Grund dar, der eine Mietminderung rechtfertigen könnte. Für Familien mit kleinen Kindern gelten aber trotzdem die ordnungsbehördlich überwachten allgemeinen Ruhezeiten.

Eine Kürzung der Miete ist ebenfalls ausgeschlossen, wenn der Mieter bereits bei Abschluss des Mietvertrages den Mangel, über welchen er sich beklagt, kannte. Beispielsweise kann die Miete nicht wegen der Verkehrslärmbelastung einer Wohnung in der Innenstadt gemindert werden, weil der Mieter die Wohnung ja schon in Kenntnis der Verkehrslage angemietet hat. Auch wenn der Mieter die Lärmbeeinträchtigung dem Vermieter gar nicht gemeldet hat und dieser deshalb nicht davon wusste, verliert der Mieter das Recht, die Miete zu kürzen.

Fazit: Als Mieter hat man die Möglichkeit der Mietminderung, der Kündigung oder sogar die eines Hausverbots. Eine Mietminderung von bis zu 10 % ist nur unter gewissen Umständen gerechtfertigt. Am besten sollte man hier ein Lärmprotokoll als Beweis vorlegen können. Kein Anrecht auf Minderung der Miete besteht, wenn man schon bei Abschluss des Vertrags über den Mangel in Kenntnis gesetzt war.

Wie reagiert man als Vermieter bei Ruhestörung?

Die Hauptaufgabe eines Vermieters ist es, bei Ansuchen anderer Mieter wegen Ruhestörung, die Einhaltung der Ruhezeiten durchzusetzen. Um dieser Aufgabe vorab schon zu erledigen, kann und sollte der Vermieter dem zukünftigen Mieter bereits bei Vertragsabschluss die Ruhezeiten erklären und von ihm unterschreiben lassen. Somit bestätigt der Mieter gleich bei Vetragsbeginn die Einhaltung dieser.

Beschwert sich ein Mieter über Lärmbelästigungen aus einer Nachbarwohnung oder mindert er bereits die Miete, so kommt es darauf an, dass der Vermieter schnell und angemessen reagiert, um eine (weitere) Verhärtung der Fronten möglichst zu verhindern. Die Beschwerden des Mieters sollten also vom Vermieter immer ernst genommen werden. Ein offenes Ohr und der Verzicht darauf, ihm besondere Empfindlichkeit vorzuwerfen, hilft dabei, dass sich der leidtragende Mieter verstanden fühlt. Verständnis aufzubringen ist der erste, wichtige Schritt um ein Zuspitzen der Problematik zu verhindern. Zufriedene Mieter sind in der Regel auch deutlich lärmtoleranter.

Als Vermieter hat man folgende Möglichkeiten, um auf Ruhestörung zu reagieren:Als Vermieter darf man sich nicht dazu hinreißen lassen, sofort einen Brief an den lärmenden Mieter zu schreiben, in welchem mit eventuellen, rechtlichen Schritten gedroht wird. Viel wichtiger ist es, vorerst das Gespräch zu suchen um festzustellen, ob sich der Mieter zu Recht beklagt. Oft stellt sich nach so einem Gespräch heraus, dass der Lärm gedankenlos verursacht wurde und der Verursacher bisher gar nicht wusste, dass andere Mieter sich gestört fühlen. Viele Lärmbelästigungen können somit durch Kommunikation leicht verhindert oder reduziert werden.

  • Aufforderung an den Mieter, Ruhestörungen in Zukunft zu unterlassen
  • Abmahnung
  • Unterlassungsklage
  • Fristgerechte Kündigung
  • Fristlose Kündigung
  • Schadensersatz im Falle einer Mietminderung anderer Mieter

Generell gilt, soweit es dem Vermieter möglich ist, dass er verpflichtet ist, die Lärmbeeinträchtigung zu beseitigen. Er muss also dem störenden Mieter, wenn sein Verhalten eine vertragswidrige Nutzung der Wohnung darstellt, veranlassen, dieses zu beenden. Dazu können eine schriftliche Abmahnung und notfalls eine Unterlassungsklage oder Kündigung erforderlich sein. Der Vermieter darf den Mieter jedoch nur kündigen, wenn er seine mietvertraglichen Pflichten schuldhaft nicht unerheblich verletzt hat. Gekündigt werden sollte nur, wenn der Mieter trotz vorheriger Abmahnung die Lärmstörungen fortsetzt. In einer Abmahnung aber auch in einer Kündigung müssen die Pflichtverletzungen, derentwegen abgemahnt oder gekündigt wird, ausführlich dargestellt werden.

Wichtig ist, dass sich Mieter, aber auch Vermieter, darüber im Klaren sind, dass Ihre Rechte verwirken können. Akzeptiert man ein störendes Verhalten über einen längeren Zeitraum hinweg, kann es dazu führen, dass der Mieter dieses Fehlverhalten weiterhin beibehalten darf. Deshalb sollte eine Abmahnung immer so präzise formuliert werden, dass aus ihr ersichtlich ist, dass das störende Verhalten nicht geduldet wird. Eine Formvorschrift für Abmahnungen gibt es zwar nicht, jedoch sollte sie aus Beweisgründen immer schriftlich erstellt werden. Eine Abmahnung kann grundsätzlich von allen Vermietern an alle Mieter gerichtet werden.

Ein weiterer Sonderfall liegt dann vor, wenn der Lärm von einembenachbarten Grundstück aus geht. Auch hier sollte der Vermieter zunächst das Gespräch mit dem Lärmverursacher suchen. Führt dies zu keinem Erfolg, besteht die Möglichkeit, sich an die Ordnungsbehörde der Stadt- oder Gemeindeverwaltung zu wenden und im Ernstfall eine Unterlassungsklage zu erwirken.

Fazit: Als Vermieter hat man neben der Abmahnung auch noch die Möglichkeit der Kündigung oder des Unterlassungsklage. Eine Abmahnung sollte immer schriftlich erfolgen, damit die Rechte der eigenen Person nicht verwirken. Trotzdem sollte vorher immer versucht werden, mittels Kommunikation das Problem zu lösen und so eine Verhärtung der Fronten zu vermeiden.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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