Katar verlässt OPEC – Wie wirkt sich das auf den Ölpreis aus?

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Katar verabschiedet sich von der OPEC. Was bedeutet das für das Ölkartell und den Ölpreis? (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Der Golfstaat Katar will sich nach 57 Jahren Zugehörigkeit aus der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) verabschieden. Der Austritt Katars zum 1. Januar 2019 aus der OPEC soll nichts mit dem Handelsstreit mit Saudi-Arabien zu tun haben, dementiert Katars Energie-Minister Saad al-Kaabi etwaige Gerüchte.

Vielmehr will sich Katar künftig stärker auf die Steigerung der Gas-Förderung konzentrieren. Anleger müssen wissen, dass Katar bereits der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas ist. Rund 30 % der Weltproduktionsmenge kommt aus Katar – das Land will dieses Volumen bis 2024 von 77 Mio. Tonnen auf 110 Mio. Tonnen steigern.

Katar verlässt OPEC – Was sind die Auswirkungen auf den Ölpreis?

Viele Anleger fragen sich, welche Auswirkungen nun der Austritt von Katar aus der OPEC auf den Ölpreis hat. Der Preis der Ölsorte Brent ist in den vergangenen Monaten Wochen und Monaten deutlich eingebrochen. Wurden im Oktober noch über 80 US-$ für ein Fass Brent-Öl bezahlt, fiel der Preis zuletzt zeitweise unter die Marke von 60 US-$. Eine schnelle Erholung ist bislang nicht in Sicht.

Der Austritt von Katar aus der OPEC dürfte allerdings nur geringfügige Auswirkungen auf den Preis haben, denn das Land ist nur der elftgrößte Ölproduzent in der OPEC mit einer Fördermenge von rund 600.000 Barrel Öl pro Tag. Anleger müssen wissen, dass vor allem 3 Hauptfaktoren den Ölpreis beeinflussen: Angebot, Nachfrage und Geopolitik.

Katar-Austritt schwächt OPEC

Zwar war Katar nur ein kleiner Anbieter innerhalb der OPEC, doch Marktbeobachter sehen nach dem Austritt die OPEC weiter geschwächt. Die Organisation präsentiert sich einmal mehr uneinig.

Die Macht des Ölkartells bröckelt und dass obwohl man mit OPEC+ versucht, mit Russland und 10 Nicht-OPEC-Mitgliedern ein neues Bündnis zu schmieden, um den Ölpreis zu stabilisieren. Hierzu hatte man jüngst eine Förderkürzung von 1,2 Mio. Barrel Öl pro Tag beschlossen – zumindest für die nächsten 6 Monate.

Als Gewinner dürften wohl die USA gelten, denn die amerikanische Fracking-Industrie holt immer mehr Schieferöl aus dem Boden, so dass sich die Ölproduktion auf Rekordniveau bewegt. Entsprechend voll sind die Öllager in den USA. Hinzu kommt, dass natürlich auch Katar künftig unabhängiger von der OPEC agieren kann sich nicht an die Förderdrosselung halten muss.

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Andere OPEC-Mitglieder wie zum Beispiel der Irak fühlen sich von der OPEC schlecht behandelt. Das Beispiel Katar könnte Schule machen und weitere Austritte aus der OPEC nach sich ziehen.

Gleich mehrere Gründe sprechen eher für einen Ölpreisrückgang

Jüngste Daten zeigen, dass sich die Konjunktur sowohl in China, als auch in Europa und den USA abkühlt. Ölproduzenten können auf der Konjunkturseite derzeit eher nicht mit einer steigenden Öl-Nachfrage rechnen.

Auch bleibt abzuwarten, ob sich OPEC-Partner wie Russland wirklich an die Förderkürzung halten. Russland ist aufgrund der Sanktionen der USA und der EU auf Staatseinnahmen und damit auf die Erlöse aus dem Ölgeschäft angewiesen.

Auch China – neben den USA der größte Ölnachfrager der Welt – wendet sich zunehmend erneuerbaren Energien zu und versucht von der energieintensiven Grundstoffindustrie unabhängiger zu werden.

Fazit: Die Tage der OPEC sind gezählt – zumindest langfristig

Keine Frage, die Macht der OPEC schwindet. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die USA schon in 8 Jahren mehr als die Hälfte des weltweiten Rohöls liefern wird – dank Fracking-Technologie (Schieferöl), die immer effizienter wird.

Marktbeobachter rechnen daher in den nächsten Jahren mit einer substanziellen Verschiebung der Machtverhältnisse auf dem Ölmarkt. Verlierer dürfte die OPEC sein, denn andere Nicht-OPEC-Staaten (USA etc.) werden voraussichtlich die Ölproduktionskürzungen nutzen, um ihre Marktanteile auf dem Ölmarkt auszubauen.

Zudem muss erwähnt werden, dass natürlich mit jedem neuen Elektroauto, das auf die Straße kommt, die Nachfrage nach Benzin bzw. Öl fallen wird. Anleger sind daher gut beraten, nicht auf die Dinosaurier von heute zu setzen, sondern auf die Gewinner von morgen. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen aus dem Bereich Elektromobilität und erneuerbaren Energien.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands