Öl-Aktien: besser als ihr Ruf

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Öl-Aktien sind beileibe keine Auslaufmodelle: Der Ölpreis ist auf stabilem Niveau, die Margen der Konzerne sind gestiegen, die Aussichten gut. (Foto: Philip Lange / Shutterstock.com)

Immer wieder wurde das Ende des Ölzeitalters vorhergesagt und immer wieder wurde es verschoben. Trotz sparsamerer Verbrennungssysteme und des fortschreitenden Umstiegs auf alternative Energiesysteme sorgt der wirtschaftliche Aufholeffekt gerade in Schwellenländern für steigende Nachfrage. Öl-Aktien haben eine bessere Zukunft als landläufig vermutet.

Totgesagte leben länger

Ist der tägliche Verbrauch weltweit von 77,7 Mio. Barrel (159 Liter) zur Jahrtausendwende auf derzeit 99,9 Mio. Barrel gestiegen, werden bis 2050 sogar 122,3 Mio. Barrel vorhergesagt. Die verfügbaren Ölreserven belaufen sich nach jüngsten Erkenntnissen auf nahezu 1.492 Mrd. Barrel. Fortlaufend werden neue Vorkommen erschlossen. Seit 1960 hat sich das Volumen gut verfünffacht.

Trotz steigender Nachfrage hat sich der absolute Förderhöhepunkt immer weiter in die Zukunft verschoben. Das Öl reichte stets doch noch für die nächsten 40 Jahre. Entsprechende Prognosen erwiesen sich häufig als falsch. Erwartete etwa das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW vor zehn Jahren bis heute einen Preisanstieg auf über 200 US-Dollar pro Barrel, so schwankt er derzeit über der Marke von 70 Dollar.

Auch waren Anleger schlecht beraten, die während des letzten anhaltenden Preisverfalls etwa Ende 2015 meinten die Notbremse ziehen zu müssen und sich von Öl-Aktien verabschiedeten. Der Preis ist danach wieder angestiegen. Parallel erreichte beispielsweise die Aktie von Shell fast wieder ihre Höchstwerte vor dem Ölpreiseinbruch 2014. Bei Exxon gong es zwischenzeitlich sogar deutlich darüber.

Ideale Ausgangslage für Öl-Aktien

Die Gewinnprognosen liegen derzeit bei fast allen Ölkonzernen im grünen Bereich. Die Kurspotenziale der 16 wichtigsten Öl-Aktien liegen auf Sicht von zwölf Monaten im Schnitt zwischen 4 % und 36 %. Weniger konservative Schätzungen liegen weit darüber. Das größte Aufholpotenzial sehen die Analysten bei OMV, Canadian Natural Resources sowie den chinesischen Konzernen CNOOC, Sinopec und PetroChina.

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Fürs laufende Jahr liegt bei den Gewinnen pro Aktie Chevron mit 6,74 Euro an der Spitze, gefolgt von OMV mit 5,11 Euro, Total mit 4,59 Euro und Exxon mit 4,03 Euro. Die Konzerne profitieren langsam von den Umstrukturierungen sowie Investitionen bei gleichzeitigen Kostenoptimierungen der letzten Jahre. Wesentlich ist, dass die Margen und der Cashflow deutlich gestiegen sind.

Der stabilere Ölpreis ist dabei natürlich die Grundlage. Doch auf ihn allein sollte man nicht ständig schielen. Ob er, wie vielfach erwartet, nächstes Jahr bei rund 57 US-Dollar liegt, danach auf 80 Dollar klettert, um sich ab 2021 wieder bei 65 Dollar einzupendeln, bleibt abzuwarten.

Opec-Einfluss schwindet

Der Ölpreis war schon immer wechselnden politischen Einflüssen ausgesetzt. Hieß es noch im Mai, Russland und Saudi-Arabien würden die Fördermenge erhöhen, soll sie jetzt angesichts erneut rückläufiger Preise angeblich wieder gekürzt werden. Daneben gibt es Verlautbarungen, Saudi-Arabien prüfe Szenarien aus der Opec auszusteigen. Offenbar macht Donald Trump Druck, der kein Interesse an zu hohen Preisen hat. Seine Ziele decken sich nicht mit denen der Opec. Zudem hat sich das Iran-Embargo bislang kaum ausgewirkt.

Würde das Ölkartell zerbrechen, hätten die USA als dominierende Ölfördernation erheblich mehr Einfluss. Saudi-Arabien spielt dabei als Hauptverbündeter eine entscheidende Rolle. Interessanterweise ist es um den großartig angekündigten Börsengang der staatlichen Öl-Gesellschaft Aramco sehr ruhig geworden. Vermutlich wird er vorläufig oder auch gar nicht stattfinden.

Unabhängig davon befindet sich die Ölbranche in einer idealen Phase: Sie wächst, und das weder zu stark noch zu langsam. Aus Anlegersicht könnte es kaum besser laufen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.