3 Gründe warum der Euro wieder steigt

Warum steigt der Euro? Die Trump-Euphorie verblasst, Europa hat gewählt und die EZB stellt die erste Zinsanhebung in Aussicht. (Foto: Marian Weyo / Shutterstock.com)

So schnell kann sich alles ändern. Noch bis vor kurzem wetterte Donald Trump gegen einen viel zu schwachen Euro. Der erstarkende Dollar schien nicht zu bremsen und eine Parität der beiden Währungen lediglich eine Frage der Zeit.

Warum steigt der Euro?

Doch Anleger, die im Handel mit Devisen zielsicher auf den Dollar setzten, stehen nun vor einer anderen Frage: Warum steigt der Euro? Um es vereinfacht auf den Punkt zu bringen: Die Trump-Euphorie hat sich genauso gelegt wie die Angst vor dem Zerfall der Gemeinschaftswährung.

Die ambitionierten Wahlversprechen des US-Präsidenten bleiben im Gestrüpp der Realität stecken. Und auf dem alten Kontinent haben sich die Wähler gegen einen Rückfall in den Nationalismus entschieden. Im Wesentlichen gibt es 3 Gründe für den Euroauftrieb.

1. Neue Euro-Zuversicht nach Wahlen

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April kletterte der Euro um fast 5 % auf 1,128 US-$ Anfang des Monats. Macron markierte den entscheidenden Wendepunkt in Europa, was die Frage, warum der Euro steigt, an dem Punkt beantwortet. Auf die schier unaufhaltsame Euroskepsis folgte ein Gegentrend, der von Zuversicht geprägt ist und die Eurozone aus der Defensive holt.

Doch Macrons ausgeprägte Europafreundlichkeit ist nur ein Teil der Antwort. Auch wenn die Perspektiven auf Reformen in der EU und der französischen Wirtschaft Auftrieb geben, sie umzusetzen wird kein Spaziergang. Zeichnet sich aber ab, dass zumindest die ersten Schritte gelingen, dürfte der Euro weiter steigen. Zwar ist mit Widerständen in den Institutionen und bei den Gewerkschaften zu rechnen, doch im Gegensatz zu Donald Trumps Wahlprogramm sind die Ziele realistischer.

2. Trump-Euphorie verblasst

Während in Europa mit den Nationalisten ein entscheidender Risikofaktor weggefallen ist, entwickelt sich Trump selbst zum Risiko. In Amerika macht sich zunehmende Skepsis breit. Noch im Herbst letzten Jahres schichteten Investoren weltweit in die US-Anlagen um und zogen Gelder aus dem Euro ab. Die Trump-Euphorie wurde zum Selbstläufer und der Dollar legte eins ums andere zu.

Der Präsident verkündete ein gigantisches Investitionsprogramm, Schutzzölle und das Aufkündigen der Freihandelszone Nafta. Von alledem ist bis heute wenig zu sehen. Selbst die Importsteuer, die den Dollar weiter beflügelt hätte, scheint vom Tisch.

Auch Trumps Mega-Investitionsprogramm steht vor einem Dilemma: Zieht er es durch, riskiert er eine kaum zu kontrollierende Neuverschuldung. Verläuft es weitgehend im Sande, fehlt der Booster für die Wirtschaft und die Stärke des Dollar. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der Dollar in der Falle steckt, während der Euro Potenzial hat, zuzulegen.

3. EZB-Zinsanhebung erwartet

Ob und inwieweit der Euro weiter anzieht, hängt unter anderem davon ab, wann die EZB die Zinsen anhebt. Die Märkte gehen davon aus, dass die Entwicklung ähnlich verläuft wie in den USA – nur eben zeitverschoben. Der Ausstieg aus Anleihekäufen und der Nullzinspolitik ist bereits eingepreist.

Die Erwartung sorgte beim Dollar schon 2014 für Auftrieb, obwohl die Zinsanhebungen der Fed erst später folgten. Sollte die EZB diesen Schritt weit übers nächste Jahr hinaus verschieben, dürfte es mit dem Höhenflug der Gemeinschaftswährung vorerst vorbei sein.

Derzeit ringt sie zwar noch um eine Entscheidung, doch wurde bereits eine mögliche Zinsanhebung für 2018 angedeutet – und prompt legte der Euro zu. Mitte des Monats verlor er dann wieder, als die Fed ihrerseits den nächsten Zinsschritt ankündigte.

Was insgesamt für den Euro spricht: Mit Blick auf die Einkaufsmanagerindizes entwickelt sich die Eurozone derzeit besser als die Konjunktur der USA. Ein Kursziel von 1,20 zum US-$ wird als realistisch gehandelt.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.