Infrastruktur-ETF: Geringes Angebot trotz gigantischem Markt

Gleich ob Neue Energien, Digitalisierung, Transport und Logistik, Versorger, Informationstechnologie oder Konsumgüter – Unternehmen mit Potenzial gibt es zu Genüge. Über ETFs lassen sich die jeweiligen Branchen komplett und höchst effizient abdecken. Genauso wie ganze Länder und Regionen, die dabei sind, ihre wirtschaftliche Blüte zu entfalten.

Mit Infrastruktur-ETF von der Basis profitieren

Das alles funktioniert aber nur, wenn die Basis stimmt: die Infrastruktur. ETFs finden sich auch dafür. Mit den günstigen und einfachen Indexfonds bekommen Privatanleger Zugang zu einem Bereich, in dem sich vorwiegend Großinvestoren tummeln. Versicherungen oder Pensionsfonds setzten nämlich auf Kapitalerhalt und regelmäßige Erträge. Genauso zielen Infrastruktur-ETFs auf Langfristigkeit und Berechenbarkeit ab.

Die Perspektiven sind durchaus verlockend. Führende Beratungsgesellschaften rechnen mit gut 60 Bio. US-$, die bis 2030 weltweit in den Aufbau und Erhalt von Infrastrukturprojekten fließen werden. Straßen, Brücken, Datenautobahnen, Telefonnetze, Pipelines und Schulen, aber auch Airports und Häfen – teils fehlen sie, teils sind sie marode oder veraltet. Überall muss das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft an den strukturellen Wandel und neue Bedürfnisse angepasst werden.

Der Vorteil für Anleger: Infrastruktur-ETFs investieren über spezielle Indizes in Aktiengesellschaften, die entsprechende Projekte realisieren oder Anlagen betreiben – und denen geht die Arbeit nicht aus. Gerade in den aufstrebenden Schwellenländern herrscht enormer Nachholbedarf. Auf sie entfallen Schätzungen zufolge ca. 60 % des globalen Investitionsvolumens. Diese Regionen müssen zudem das wuchernde Wachstum neuer Megacities in den Griff bekommen.

Multimilliarden-Investitionen weltweit

Im Spagat zwischen Wirtschaftswachstum und sozialen Spannungen, sind sie gezwungen, in die Infrastruktur zu investieren. Aber auch vor der eigenen Haustür zeigt sich, was passiert, wenn das System verkommt. Marode Straßen und Schulen, teils lückenhafte und mangelnde Funk- bzw. Internetverbindungen sowie eine wackelige Stromversorgung dank Energiewende machen die Infrastruktur zum politisch brisanten Thema.

Will Deutschland nicht den Anschluss verpassen, muss die Regierung Geld in die Hand nehmen. Wurden 1970 ganze 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Infrastruktur ausgegeben, waren es bis vor kurzem noch 1,5 %.

In den USA, wo das Problem weitaus größer ist, hat Donald Trump bereits ein Mega-Investitionsprogramm angekündigt. Egal wie hoch es letztlich ausfällt, die Unternehmen werden nachhaltig profitieren: Die Baufirmen vom Aus- und Umbau, die Betreiber von langfristigen Versorgungsverträgen oder Mautgebühren. Das gilt letztlich für alle Länder.

Infrastruktur-ETFs setzen auf einen zwangsläufig gigantischen Markt, der unabhängig von der Konjunktur ist. Allerdings gibt es nur vergleichsweise wenige Angebote in dem Segment. Zu finden sind sie etwa bei der BNP Paribas, dem ETF-Ableger der Deutschen Bank db x-trackers und der Blackrock-Tochter iShares.

Sie beziehen sich vorwiegend auf den Index S&P Global Infrastructures. Er enthält Titel aus den Bereichen Strom- und Energieversorgung, Transport und Energieerzeugung. Ca. 30 Unternehmen entfallen auf die Versorgung, weitere 30 auf den Transport und 15 auf den Bereich Energie.

Performance überzeugt nicht wirklich

Die Fonds sind zwar mit einer Gesamtkostenquote (TER) um die 0,6 % recht billig und mit einem Volumen ab 100 Mio. € groß genug, doch in der Performance überzeugen sie nicht so recht. Sie  laufen nicht besser als die klassischen Aktienindizes. Grund: Sie sind zu breit ausgelegt und umfassen viele Zulieferer aus den unterschiedlichsten Branchen. Die Vorteile der Kernunternehmen wie Konjunkturunabhängigkeit und dominante Marktstellung werden so erheblich verwässert.

Engt man aber den Bereich ein, dominiert ein anderer Risikofaktor: Regeln, Gesetze und Verträge mit dem Staat hängen sehr von der jeweiligen Regierung ab. Sobald sich die Machtverhältnisse ändern, Förderungen gestrichen, Zusagen für Mindestpreise gekippt und Gesetze rückwirkend geändert werden, stehen ganze Geschäftsmodelle infrage. Und wenn dem Staat das Geld ausgeht, werden ambitionierte Projekte zur Investitionsruine. Im Detail sind längst nicht alle Engagements sicher.

In Sachen Infrastruktur stoßen ETFs offenbar an ihre Grenzen. Hier sind ausnahmsweise gemanagte Spezialfonds die bessere Wahl. Kleiner und wendiger bringen sie es auf eine teils beachtliche Outperformance. Dafür aber sind auch die Fondskosten erheblich höher.

23. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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