Nachhaltige ETF: grüne Produkte mit erstaunlicher Rendite

Nachhaltige ETF beleben das Angebot, folgen dem Trend zur grünen Ökonomie und bieten sogar meist mehr Rendite als reguläre Indexfonds. (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Keine Rüstungsgüter, keine Tabakproduktion, keine Firmen, die Probleme mit Menschenrechten und Umweltstandards haben oder die globale Klimaerwärmung befeuern – wer mit grünem Bewusstsein möglichst breit gestreut investieren will, sollte auf nachhaltige ETF setzen anstatt mühsam Aktien einzelner Unternehmen nach ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung zu durchforsten.

Nachhaltige ETF – die bessere Wahl

Nachhaltige ETF bilden als Indexfonds entsprechend zusammengestellte Indizes ab und sind auch im grünen Segment wesentlich billiger als aktiv gemanagte Fonds, deren langfristige Ergebnisse im Schnitt nicht besser sind.

Doch lohnen sich solche Engagements überhaupt? Der nahe liegende Gedanke, dass Verzicht als freiwillige Renditebremse wirkt, wird schon auf prominenter Seite widerlegt. Beim norwegischen Staatsfonds, dem weltweit größten seiner Art, filtert ein Ethikrat Unternehmen aus, in die investiert wird. Trotz dieser Beschränkung konnte der Fonds sein Vermögen in den letzten fünf Jahren um fast ein Drittel erhöhen.

Auch nachhaltige ETF profitieren von der zunehmenden Fokussierung der Finanzmärkte auf den allgemeinen Wandel hin zu einer „grünen Ökonomie“. Anhaltspunkt für entsprechende Fonds- und Indexkonstruktionen sind häufig verwendete Kürzel wie ESG (Environment Social Governance) oder SRI (Social Responsible Investing). Sie nutzen unter anderem die Tatsache, dass viele Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit achten, effizienter wirtschaften, was den Wegfall anderer Titel ausgleicht.

Nicht alles ist gleich grün

So zeigt etwa ein Vergleich zwischen dem Index MSCI Europe SRI und dem regulären MSCI Europe eine nahezu identische Wertentwicklung. Allerdings beinhaltet der Nachhaltigkeitsindex nur 118 der 446 Unternehmen im MSCI Europe. Andere SRI-Indizes sortieren nicht aus, sondern gewichten grüne Titel höher. Wiederum andere orientieren sich an K.o.-Kriterien, die von Alkohol oder Abtreibung über Genmanipulation, Kernkraft und Korruption bis zu Waffen oder Pelzverarbeitung reichen.

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Das Spektrum wird immer größer. Waren nachhaltige ETF bis vor kurzem noch Mangelware, hat man zunehmend die Qual der Wahl. Wer die Sache mit einem eher puristischen Anspruch angeht, kann sich auf reine Themenfonds wie Erneuerbare Energien konzentrieren. Nachhaltige ETF auf breite Indizes, die sich nach verschiedenen ethischen Schwerpunkten richten, sind nicht in allen Punkten gleichermaßen und durchgehend grün.

Sie folgen mehr einer allgemeinen Tendenz, die sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass viele Unternehmen in der EU entsprechend der neuen CSR-Richtlinie über ihre Corporate Social Responsibility zu berichten haben, also die Auswirkung ihres Geschäfts auf Umwelt-, Sozial und Arbeitnehmerbelange sowie Menschenrechte und Korruption. Die Berichterstattungspflicht wurde erst im März vom Bundestag verabschiedet.

Wichtig: auf Mindestvolumen achten

Unterm Strich sind grüne Fonds nicht nur für grüne Gemüter die bessere Wahl. Sie werden von den Ratingagenturen meist höher eingestuft und bringen auch noch mehr Rendite. Der Dow Jones Global Sustainability ETF von iShares etwa kam über fünf Jahre auf ein Plus von rund 65 %. Der Dow Jones Global Titans auf 60,43 %. Nicht anders sieht es bei ETF auf den MSCI und seine grünen Pendants aus.

Da immer mehr nachhaltige ETF angeboten werden, sollte man genau hinschauen und vor allem auf die Größe achten. Wer zu früh investiert, riskiert, dass ein Fonds nicht über ein Mindestvolumen hinauskommt. In der Vergangenheit mussten schon einige Fonds geschlossen werden. Und bildet ein Index nur relativ weniger Titel ab, ist das Schwankungsrisiko höher. Was zählt, ist der richtige Mix und eine internationale Ausrichtung.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.