Dow Jones-Rekord – letztes Aufbegehren gegen überfällige Korrektur

Der jüngste Dow Jones-Rekord war wohl das letzte Aufbegehren gegen eine längst überfällige größere Korrektur an den Aktienmärkten. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Noch kürzlich schien sich das alte Börsenmotto „Sell in May but remember to come back in September“ zu bestätigen. Scheinbar unaufhaltsam eilte der Dow Jones neuen Rekorden entgegen. Und am 2. Oktober erreichte er tatsächlich das Allzeithoch von 26.833 Punkten. Für viele war Kaufen angesagt, denn der Dow Jones-Rekord lag mehr als 200 Punkte über der letzten Spitze vom 25. Januar mit 26.616 Punkten, die damit verbreitet als nachhaltig überwunden galt.

Absturz nach Dow Jones-Rekord

Der Abstand war schon deshalb wichtig, weil die Januar-Spitze innerhalb weniger Tage um über 2.000 Punkte abgebrochen war bevor es dann im April wieder so richtig aufwärts ging. Eigentlich hätte man entgegen der Börsenweisheit im Mai zukaufen und Ende September aussteigen sollen. Denn nach dem jüngsten Rekord ist der Dow Jones plötzlich erneut dramatisch eingebrochen.

Natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer, doch nach dem jahrelangen steten Aufwärtstrend seit der Finanzkrise hätten die auffallenden Ausschläge und Unsicherheiten zu denken geben sollen. Der Kursverlauf des marktbreiten S&P 500 zeigt übrigens dasselbe Bild. Parallel zum Dow Jones folgte auch auf dessen Rekord der Absturz, was übrigens genauso auf den Nasdaq zutrifft. Hier verzeichnen die FANG Aktien mit Facebook, Apple, Amazon und Google Verluste bis zu 9 %. Der Dax bleibt ebenfalls nicht verschont.

Als ältestes und bekanntestes Börsenbarometer der USA wird der Dow Jones als Richtungsgeber wahrgenommen, weshalb alle Welt gebannt die Entwicklung verfolgt. Ist es der Ausverkauf der Wallstreet oder eine Korrektur vor dem nächsten Höhenflug, ähnlich wie im Februar?

US-Börsen gegen den Rest der Welt

Von letzterem ist kaum auszugehen. Viel eher wird es um die Frage gehen, ob nun herber Crash ansteht oder eine Korrektur, die längst überfällig ist. Beim Vergleich mit anderen internationalen Börsenplätzen zeigt sich nämlich, dass die US-Börsen als einzige bis zuletzt die längst eingetretene Unsicherheit der weltweiten Aktienmärkte überdeckten. Alle anderen gaben seit Jahresbeginn nach.

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Der Dax beispielsweise um 10,6 %, der China Shanghai Composite gar um 22,6 %. Und die deutschen Exporteure bekommen die Schwäche von Chinas Wirtschaft besonders deutlich zu spüren, weshalb in Europa etwa der französische CAC40 mit 3,8 % erheblich weniger Verluste aufweist.

Als Grund werden zumeist der anhaltende Handelsstreit zwischen China und den USA sowie steigende Zinsen angeführt, die Geld aus den Aktienmärkten ziehen. Beides aber ist nicht neu. Neu sind eher Donald Trumps jüngste Ausfälle, mit denen er die Notenbank Fed lautstark für „verrückt“ erklärt. Der Präsident wurde aber auch schon seit Monaten davor gewarnt, dass eine Eskalation seiner Handelskonflikte dem Welthandel Einbußen von über 17 % bringen würde. Die Zahl wurde von der WTO genannt.

Rückkehr vom Rausch zur Realität

Letztlich kommen viele Gründe und Krisen zusammen. Ab einem bestimmten Punkt aber zwingen sie selbst die von trotzigem Optimismus getragenen US-Börsen, sich der Realität anzupassen. Insofern war auch der letzte Dow Jones-Rekord eine Blase. Von Fundamentaldaten waren die Werte schon länger nicht mehr getragen. Wie anfällig sie waren, zeigt allein die Tatsache, dass mit dem Ende des billigen Geldes das Opium für die Aktienmärkte ausgeht.

Aktien werden dennoch attraktiv bleiben – auch ohne Ausnahmezustand mit Nullzinsen und Geldschwemme. Und auch ohne andauernde Rekordwerte sind langfristig die Wertzuwächse ertragreicher als bei den meisten anderen Anlageklassen. Zudem sind sie übersichtlicher zu handhaben als etwa Anleihen, bei denen man schon verstehen muss, dass der Kurs sinkt, wenn der Zins steigt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.