General Electric: neue Hoffnung nach Dow Jones Rauswurf

Die General Electric Aktie muss nach 110 Jahren den Dow Jones verlassen, bleibt aber im wichtigeren S&P 500 – und sie erholt sich wieder. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Es war ein denkwürdiger Tag in der Börsengeschichte: Am 20. Juni musste die Aktie von General Electric den Dow Jones verlassen – und wird durch die hierzulande weitgehend unbekannte Drogeriekette Walgreens Boots Alliance ersetzt.

Nach mehr als 110 Jahren Dauerpräsenz im ältesten US-Index mit seinen 30 größten Titeln kam dieser Vorgang für den Traditionskonzern einer Demütigung gleich. Schließlich gehörte er 1928 zu den Gründungsmitgliedern des Dow Jones.

Austausch gegen Drogeriekette

Allerdings darf man dabei eines nicht übersehen: Der Grund liegt nicht im Börsenwert mit immer noch 113 Mrd. US-Dollar. Anders als etwa der S&P 500 richtet sich die Auswahl und Zusammensetzung nach der Kursentwicklung. Und hier gehört die General Electric-Aktie schon länger nicht mehr zu den Top-30. auf Jahressicht hat sie fast 47 % verloren. So schlecht lief es bei keinem der anderen Index-Mitglieder.

Der Austausch des Siemens-Rivalen gegen eine Drogeriekette hat Symbolkraft: Die US-Wirtschaft wird neben Internet-Firmen zunehmend von Konsumgüter-Unternehmen dominiert. Dienstleister und verbraucherorientierte Anbieter, zu denen auch Pharmahersteller gehören, verdrängen klassische Technik- und Mischkonzerne. Zuletzt hatte Apple 2015 den Telekommunikationsriesen AT&T ersetzt.

General Electric, das in seinen Ursprüngen auf den Glühbirnen-Erfinder zurückgeht, galt als Ikone des amerikanischen Erfindungsgeists. Die geschwungenen Initialen GE waren auf nahezu allen technischen Geräten zu sehen, von der Turbine bis zum Kühlschrank. Doch irgendwann verpasste General Electric den Zug der Zeit. Während Siemens begann, sich in schlankere Einheiten aufzugliedern, blieb das US-Pendant ein riesiger Mischkonzern, der immer unübersichtlicher wurde.

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Konzernumbau – Siemens lässt grüßen

Der Einstieg in die Finanzbranche hatte ihm zuletzt erheblich zugesetzt. In der Finanzkrise wurde General Electric daher schwer getroffen. Die Erholung bündelte viel Energie. Für frischen Wind sollte der vor einem Jahr neu berufene Chef John Flannery sorgen. Doch so schnell konnte auch er den Koloss nicht umbauen. Kein Wunder, dass die Aktie sich noch nicht erholen konnte.

Doch dies ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Das Dickschiff GE wird nun in seine Einzelteile aufgegliedert. Als erstes werden die Aktivitäten der Finanztochter GE Capital gestutzt, mit der sich der Konzern nach anfänglicher Euphorie verrannt hatte. Der Fokus wird auf dem Kerngeschäft mit Flugzeugantrieben, Kraftwerken und der Medizintechnik liegen. Nicht auszuschließen, dass in einigen Jahren auch die Medizinsparte ausgegliedert und an die Börse gebracht wird. Siemens hat es vorgemacht.

General Electric-Aktie für Schnäppchenjäger

Immerhin: Machte General Electric noch im letzten Quartal 2017 rund 10 Mrd. US-Dollar Verlust, waren es im ersten Quartal des Jahres fast zehn Mal weniger. Die Anleger sehen einen Silberstreif am Horizont. Die Aktie legte in den letzten drei Monaten um nicht ganz 8 % zu. Erstmals seit den vielen Jahren im roten Bereich.

Ist der Index-Rauswurf eventuell sogar eine Chance, weil das Unternehmen nun weniger dem Druck der Investoren ausgesetzt ist? Die Chancen scheint GE selbst wahrzunehmen. Doch es steht unverändert im Visier der des Aktienmarkts. Der Dow Jones hat nämlich bei Weitem nicht die Bedeutung die dem S&P 500 zukommt und der die Messlatte für Investoren ist.

ETFs zum Beispiel richten sich weniger nach dem ältesten Index der Welt mit seiner exotischen Konstruktion. Dass im Dow Jones zur Kursberechnung einfach alle einzelnen Werte addiert werden, stößt schon lange auf Kritik. Ein Rauswurf aus dem S&P 500 indes wäre ein echtes Problem gewesen. Doch dafür gibt es keine Anzeichen. Im Gegenteil: Die wichtigsten Indikatoren stehen auf Grün. Zudem ist die Aktie extrem unterbewertet.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.