Apple Aktie: Tech-Riese holt Cashreserven heim

Die Apple Aktie fällt im Sog der weltweiten Abwärtsbewegung an den Börsen, dabei gäbe es aus Anlegersicht Grund zu feiern. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Anfangs waren es gerade die großen Technologiekonzerne aus den demokratisch geprägten Metropolregionen der Ost- und Westküste, die vor Donald Trump als US-Präsident gewarnt haben. Immerhin basieren ihre Geschäftsmodelle auf globalen Netzwerken, die Nationalstaatsgrenzen überwinden anstatt neue Mauern aufzubauen.

Doch nun ist es ausgerechnet Apple, der Kultkonzern aus dem kalifornischen Cupertino, der von Trumps großer Steuerreform besonders profitiert – und dies auch gleich zu nutzen gedenkt.

Apple holt riesigen Cash-Berg heim

Mit rund 285 Milliarden Dollar hat Apple einen so großen Berg an Cash angehäuft wie kein anderes Unternehmen auf der Welt. Die riesigen Barreserven haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie liegen als Gewinne in diversen Ländern verstreut. Apple hat das Geld bislang im Ausland gehortet und sich für Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe lieber daheim verschuldet, als die Gewinne in die USA zurückzuführen.

Dann wären nämlich bislang 35 Prozent Steuern fällig geworden. Dank der Steuerreform von Donald Trump und seiner Regierung sinken die Abgaben nun auf gerade einmal 15,5 Prozent. Diesen Vorteil will Apple umgehend ausnutzen und hat angekündigt, seine Cashreserven komplett in die USA zurückzuholen – und auch auszugeben.

Übernahme stemmen – oder Aktionäre beglücken?

Nach Abzug der Steuern sowie der inzwischen angefallenen Schulden bleiben Schätzungen zufolge netto rund 163 Milliarden Dollar übrig. Das würde beispielsweise ausreichen, um eine richtig große Übernahme zu starten. Bereits seit einigen Wochen machen Gerüchte die Runde, wonach Apple sich einen großen Videostreamingdienst einverleiben könnte – Netflix oder auch Walt Disney wären, gemessen an ihrem aktuellen jeweiligen Marktwert, mit dem Budget zu haben.

Für diese Theorie spricht, dass Apple sich in diesem Bereich breiter aufstellen und die in dem Segment wichtigen Eigenproduktionen stärken will, bislang aber kaum vertreten ist. Auch die von Kritikern immer wieder angeführten Argumente, dass sich das Unternehmen allmählich etwas einfallen lassen müsste, um sich auf lange Sicht etwas unabhängiger zu machen vom Erfolg des Verkaufsschlagers iPhone, deuten in diese Richtung.

Andererseits würde das eine grundlegende Kehrtwende der bisherigen Apple Strategie bedeuten. Nicht wenige Beobachter halten es daher für wahrscheinlicher, dass ein beträchtlicher Teil des Geldes an die Aktionäre ausgeschüttet und der Rest für kleinere Akquisitionen genutzt werden wird.

Apple Aktie im allgemeinen Abwärtssog

Dass es für die Apple Aktie zuletzt dennoch rapide abwärts ging, dürfte wohl in erster Linie in den allgemeinen Panikverkäufen begründet liegen, die die Wall Street und mit ihr die Börsen weltweit in den vergangenen Tagen erschüttert haben.

Auf Monatssicht ist die Apple Aktie an der US-Technologiebörse Nasdaq um rund 11 Prozent gefallen. Ende der Woche wurde das Papier zu einem Kurs von rund 155 US-Dollar oder 124 Euro gehandelt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.