Charttechnik Apple: Warnsignal

In der vergangenen Woche markierte die Apple-Aktie einen neuen Meilenstein:

Erstmals in der Geschichte des Unternehmens kletterte der Kurs über die Marke von 500 USD.

Dieses Ereignis war für mich der Anlass, doch einmal zu schauen, wie die Aktie eigentlich in dem Index der 100 größten US-Technologiekonzerne, dem Nasdaq 100, gewichtet ist.

Dabei hat es mich „schier verrissen“: Apples Kursbewegungen werden im Nasdaq 100 mit sage und schreibe 12,1% gewichtet. Zum Mitlesen: Der Apple-Kurs steht alleine für fast ein Achtel der Index-Bewegung!

Um die Dimensionen noch etwas stärker herauszuarbeiten: Damit wird die Apple-Aktie um +41,5% höher gewichtet als das zweitgrößte Index-Schwergewicht, Microsoft – wahrlich kein kleiner Konzern. Und annähernd doppelt so hoch (exakt: +87,0% höher) als Oracle.

Die 5 größten Schwergewichte im Nasdaq 100 – Apple (12,1%), Microsoft (8,55%), Oracle (6,47%), Google (5,00%) und Intel (4,58%) – bringen es zusammen auf 36,7%.

Anders ausgedrückt: Diese 5 Unternehmen stehen für deutlich mehr als 1 Drittel der Kursbewegungen im Nasdaq 100! Die anderen 95 Unternehmen verkommen damit beinahe zu bedeutungslosem Beiwerk.

Erste Analysen „ex Apple“

Diese hohe Gewichtung der Apple-Aktie bereitet nun offensichtlich auch Analysten erstmals Sorge. Laut der Financial Times Deutschland gehen sie dazu über, „Index-Analysen ex Apple“ zu veröffentlichen:

„Dass Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen sind, ist ja hinlänglich bekannt. Dass aber der US-Technikkonzern Apple nicht mehr mit anderen Unternehmen verglichen wird, ist neu. Zahlreiche Analysten an der Wall Street haben sich entschieden, den iPhone-Hersteller aus ihrer Betrachtung der Ergebnisse der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen auszuklammern.

So hat der Chef-Aktienstratege der UBS in den USA, Jonathan Golub, vergangene Woche erstmals zusätzlich zur herkömmlichen Quartalsanalyse zur Geschäftsberichtssaison auch noch eine zweite Version veröffentlicht, die er ‚S&P 500 ex-Apple‘ – also der marktbreite S&P-500-Index ohne Apple – genannt hat.“

Und weiter heißt es:

„Mit einer Marktkapitalisierung von damit mehr als 475 Mrd. Dollar ist Apple das derzeit größte Unternehmen in den Vereinigten Staaten.

Dazu kommen die beeindruckenden Geschäftszahlen, die sogar die optimistischen Erwartungen übertrafen: ein Gewinnanstieg mit mehr als 13 Mrd. Dollar im Quartal zum Jahresende 2011 auf mehr als das Doppelte im Vorjahresvergleich und ein 73-prozentiger Umsatzsprung auf 46 Mrd. Dollar.

Mit diesen Zahlen trieb Apple den durchschnittlichen Gewinnzuwachs der Unternehmen im S&P-500-Index laut der UBS für diese Geschäftsberichtssaison auf 6,6 Prozent – ohne Apple wären es dagegen lediglich 2,8 Prozent.“

Kerzen-Kombi mit Warn-Potenzial

Möglicherweise waren es diese beiden Ereignisse – der Kurssprung über 500 USD und die inzwischen alles dominierende Gewichtung in wichtigen Indizes – die in der vergangenen Woche zu einem Kerzenmuster führten, das zumindest aufhorchen lässt: Ein sogenanntes Bearish Engulfing Pattern.

Bei diesem Muster umhüllt (engulfing) der schwarze Kerzenkörper vom Mittwoch vollständig den kleinen weißen Kerzenkörper vom Dienstag. Dieses in der Kerzen-Charttechnik als Umkehrsignal bezeichnete Muster zeigt an, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Kommt es bei der zweiten Kerze dieser Kombination zusätzlich zu einem hohen Handelsvolumen, dann erhöht dies die Bedeutung als Verkaufssignal nochmals merklich.

Und nun schauen Sie einmal auf den Apple-Chart.

Der Umsatz lag am vergangenen Mittwoch bei 53,789 Mio. gehandelten Stücken. Der durchschnittliche Umsatz der letzten 50 Tage bezifferte sich zu diesem Zeitpunkt auf 12,944 Mio. gehandelte Aktien. Das entspricht einem mehr als 4fach höheren Tagesumsatz!

Zum Vergleich: Mehr Apple-Aktien wechselten zuletzt am 18. Januar 2011 den Besitzer: 67,177 Mio. Anteile. Allerdings: Damals notierte der Kurs bei 340,65 USD. Das Handelsvolumen (Kurs x Umsatz) lag seinerzeit bei 22,28 Mrd. USD. Am vergangenen Mittwoch betrug es 26,77 Mrd. USD!

Institutionelle Anleger nehmen Gewinne mit

Derart gewaltige Hausnummern werden immer von Institutionellen Investoren generiert, also Investmentfonds, Hedge-Fonds, Vermögensverwaltungen, Versicherungen oder Pensionskassen etc.

Diese großen Kapitalanleger müssen jedoch anders operieren, als Sie dies als Privat-Investor tun. Diese Kategorie von Anlegern hält eben auch nicht 50 oder 100 Apple-Aktien, sondern 50.000 oder 100.000 Anteile.

Daher verkaufen sie ihre Positionen auch nicht auf einen Schlag, sondern bauen diese über einen längeren Zeitraum ab, um sich den Kurs nicht selbst kaputt zu machen. Immerhin drückten allein die Verkäufe am letzten Mittwoch den Apple-Kurs vom Tageshoch um -5,7%.

Es ist also damit zu rechnen, dass sich die Institutionellen Investoren auch in den kommenden Wochen noch weiter von Apple-Aktien trennen. Wohlgemerkt: Ich meine damit nicht Komplettverkauf, sondern Reduzierung von Positionen. Und dafür gibt es aus Sicht der Institutionellen Anleger durchaus „gewichtige“ Gründe:

Zum einen sitzen sie bei einem Kurs von 500 USD auf riesigen Kursgewinnen. Zum anderen hat sich durch den gewaltigen Kursanstieg auch die Gewichtung innerhalb der eigenen Depot-Positionen extrem verschoben:

Eine Apple-Position bedeutet somit für einen Fonds auch ein höheres Risiko, wenn der Kurs einmal aus unvorhersehbaren Gründen plötzlich „abschmieren“ sollte.

Dabei muss ein Kursrückgang nicht einmal durch ein Ereignis im Apple-Konzern selbst begründet sein. Auch externe Ereignisse können schnell einmal zu einem kurzfristigen Ausverkauf führen.

Denken Sie nur an die Naturkatastrophe in Japan im März 2011, die mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima zu einem kurzzeitigen Ausverkauf an den Aktienmärkten führte.

Die Apple-Aktie verlor seinerzeit in wenigen Tagen knapp -10%. Heute ist das Risiko etwas höher, zumal die Aktie inzwischen +40% teurer ist als damals.

20. Februar 2012

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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