Kuka will Roboter-Produktion in China ausbauen

Kuka will seine Roboter-Produktion in China verdoppeln. Was ist für die Aktie drin? (Foto: Andrei Kholmov / Shutterstock.com)

Kuka hat ein starkes erstes Halbjahr hinter sich gebracht und seine Jahresziele deutlich angehoben. Der Augsburger Roboter-Hersteller, der mehrheitlich zum chinesischen Midea-Konzern gehört, will in 2017 die Umsatzmarke von 3,3 Mrd. € knacken, die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) soll auf über 5,5 % klettern.

Die angehobene Prognose sorgte zunächst für Begeisterung unter den Anlegern und ließ die Kuka-Aktie bis Ende Oktober auf rund 250 € in die Höhe schnellen. Inzwischen macht sich Ernüchterung breit, der Aktienkurs kam zuletzt deutlich unter die Räder und sank unter die Marke von 150 €. Was war passiert?

Probleme in der Automatisierungssparte belasten

Während die Roboter-Sparte Robotics von einem Umsatzhoch zum nächsten eilt – der Umsatz der Sparte wuchs im dritten Quartal um 30 % auf 273,5 Mio. € – tat sich das Unternehmen zuletzt schwer mit der Automatisierung von Industrieanlagen. Dieses Geschäft ist in der Sparte Systems angesiedelt. Nicht nur die Umsätze fielen um 2 % auf knapp 360 Mio. €, auch der Auftragseingang brach zuletzt um mehr als 42 % auf knapp 302 Mio. € ein.

Hintergrund sind offenbar nicht nur fehlende Aufträge aus dem verkauften US-Luftfahrtgeschäft, sondern auch Verzögerungen bei mehreren Projekten. Kuka reagierte mit der Entlassung mehrerer Manager und versucht den Neustart in der Sparte, so Kuka-Vorstand Till Reuter.

Darum will Kuka mehr Roboter in China bauen

Besser läuft es dagegen für Kuka in China. Aufgrund der hohen Nachfrage im Reich der Mitte will Kuka seine Roboter-Produktion in China verdoppeln. Die Kapazitätserweiterung in Shanghai soll bis Ende des ersten Quartals 2018 abgeschlossen sein.

China ist inzwischen der größte Markt für Automatisierungs- und Robotertechnik und dieser Trend dürfte sich auch in den nächsten Jahren weiter verfestigen. Bei Kuka geht man davon aus, dass schon im Jahr 2020 rund 40 % aller Industrieroboter in China verkauft werden.

Wurden in 2016 noch 87.000 Industrieroboter in China abgesetzt, dürfte der Roboter-Absatz in 2020 auf 210.000 Einheiten klettern. Ein großer Teil dieser Roboter könnte dabei aus den Fabriken von Kuka kommen.

Durch die Übernahme von Midea könnten sich Synergien für den deutschen Hersteller in China auftun, wenn Kuka-Roboter zum Beispiel auch in Midea-Fabriken zum Einsatz kommen. Vorstellbar ist auch die Vermittlung an Midea-Kunden und andere chinesische Unternehmen.

Zu guter Letzt könnte Midea dem Augsburger Roboter-Hersteller auch den Weg nach Indien ebnen, denn hier will Midea in den nächsten Jahren rund 123,5 Mio. US-$ investieren und eine eigene Produktionsfabrik für Haushaltsgeräte aufbauen.

Fazit: Kuka könnte vom Roboter-Boom in China besonders profitieren

Die Ängste, wonach die Kuka-Übernahme durch Midea zum viel befürchteten Technologie-Export nach China führt und hierzulande Arbeitsplätze im großen Stil vernichtet, scheinen stark überzogen. Vielmehr dürfte Kuka vom Roboter-Boom in China langfristig profitieren.

Noch aber müssen sich Anleger bis nächstes Jahr gedulden, bis sich die ersten Synergieeffekte aus der Übernahme durch Midea für Kuka auch positiv in den Bilanzzahlen bemerkbar machen.

Eines steht jedoch jetzt schon fest: Die Nachfrage nach Automatisierungslösungen wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen, denn insbesondere die Automobilindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel und muss kräftig in neue Automatisierungsanlagen (Roboter) investieren, um nicht den Anschluss in Sachen Elektromobilität zu verlieren. Anleger sollten daher die Kuka-Aktie keinesfalls abschreiben, auch wenn sich die Konsolidierung noch einige Tage bzw. Wochen fortsetzen sollte.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands