Facebook-Aktie: Kursziel 4 USD

„Show me the money“, sagt der Amerikaner gerne und bringt es damit auf den Punkt.

„Zeig mir das Geld“, und ich frage:

„Wo ist bei Facebook das Geld?“

Sicher, „ein paar Dollar“ setzt das Unternehmen um. Aber schon im Januar 2011, als Facebook noch mit etwa 30 bis 50 Milliarden USD bewertet wurde, habe ich gewarnt: Der Umsatz, geschweige denn Gewinn, begründet so eine Bewertung nicht ansatzweise. Danach habe ich wiederholt von dem Kauf Facebook-Aktie abgeraten.

Facebook-Aktie: Börsengang wurde zum Desaster

Nun hatten wir den Börsengang. Und er wurde zum Desaster. Aktuelle Kurse um 27 USD liegen um rund 30% unter dem Ausgabepreis von 38 USD und sogar um 40% unter dem kurzzeitig erreichten Höchstkurs von 45 USD.

Facebook-Aktie: Betrug im Spiel?

Wo war die Motivation für den Börsengang? Nun, es wurden rund 16 Milliarden USD eingenommen. Unvorstellbare Summen, die uns zwar im Sprachgebrauch geläufig über die Lippen gehen, aber nach wie vor nicht greifbar sind.

16 Milliarden USD sind 16.000 mal 1.000.000 USD. Hier haben viele Leute richtig Geld gemacht, rücksichtslos, ob betrügerisch, müssen gegebenenfalls Gerichte entscheiden.

Facebook-Aktie: Kein nachhaltiges Geschäftskonzept

Die Entwicklung seit dem Börsengang bestätigt meine schon vor über einem Jahr geäußerte Befürchtung. „Show me the money“ – das Geld kann Facebook nicht zeigen. Ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell ebenso wenig. Ein Beispiel:

Wie will Facebook seine Werbung auf die mobilen Geräte (Handys, Tablet-Computer) bringen? Diese elementare Frage wird, salopp gesagt, mit Schulterzucken beantwortet.

Jetzt werden eilig Konzepte vorgelegt, wie in Zukunft Geld verdient werden soll. Das heißt aber auch: Vorher gab es kein schlüssiges Konzept. Und so eine Bude soll 100 Milliarden USD wert sein? Unsinn!

Facebook-Aktie: KGV von 100 ist ein Witz

Derzeit wird Facebook mit einem KGV (Kurs-Gewinnverhältnis) von um die 100 bewertet. Das heißt: Facebook muss 100 Jahre den aktuellen Gewinn erwirtschaften, um den derzeitigen Börsenwert zu verdienen. Zum Vergleich:

Google hat ein KGV von etwa 15, wird also rund 6 bis 7 Mal günstiger bewertet. Und bei Google gibt es ein tragfähiges Geschäftsmodell. Ich rechne Facebook mal auf die Bewertung von Google um:

Facebook-Aktie: Kurs von 4 USD wäre eventuell o.k.

Ich dividiere also den aktuellen Kurs der Facebook-Aktie von rund 27 USD durch 6 bis 7. Dann komme ich auf einen Kurs von etwa 4 USD. Kaufen würde ich die Aktie dann immer noch nicht. Denn Google hat ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell, Facebook hat das nicht.

Facebook-Aktie: Meine Empfehlung für Anleger

Facebook hat ein KGV von 100. Ein Witz. Hier werden Anleger über den Tisch gezogen. Die Chance auf Gewinn ist dieselbe wie im Casino. Finger weg, investieren Sie keinen Cent in dieses Zeugs. Nichtmals wenn der Kurs unter 10 USD gefallen ist.

Facebook-Aktie: Die Zukunft

Die Facebook-Aktie wird von den Kurszetteln verschwinden. Etliche Banken haben sich eine goldene Nase verdient. Gründer Mark Zuckerberg liegt in der Hängematte auf einer Insel und grinst. Zeitraum dafür: Vielleicht einige Jahre, es kann aber auch schneller gehen.

Zum guten Schluss: Am 13.05.1933, also heute vor 79 Jahren, ging der deutsche Schriftsteller und Journalist Carl Friedrich Paul Ernst von dieser Welt. Er hinterließ uns die Worte:

„Die Fürchterlichkeit des Kapitalismus liegt darin, dass alle Verhältnisse und alle Menschen entseelt werden, die in seinen Wirbel hineingeraten.“

Eine treffende Beschreibung des endlosen Gezerres um die schon Jahre andauernde Schuldenproblematik. Ich wünsche Ihnen die schönen Seiten des Kapitalismus und die Kraft, dem Wirbel zu widerstehen.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

13. Juni 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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