Warum Sie die Facebook-Aktie jetzt meiden sollten

Skandal um Facebook. Wieder einmal erweist sich: Mit Charttechnik waren Sie vorgewarnt. (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Der jüngste Skandal um Facebook wirkt sich massiv auf den Kurs der Aktie aus: Der Wert des Social Media-Giganten sank an den beiden letzten Handelstagen um etwas mehr als -9%.

Für Charttechniker kam diese Entwicklung nicht wirklich überraschend: Sie hatte sich spätestens in der zweiten Februarwoche angekündigt. Allerdings hat sich die Charttechnik nun massiv verschlechtert.

Was ist passiert?

Am Wochenende wurde bekannt, das Facebook einem Drittanbieter Zugriff auf einen Teil seiner Nutzerdaten gewährt hat.

Die Datenanalyse-Gesellschaft Cambridge Analytica soll sich den Zugang illegal über eine Persönlichkeits-Umfrage verschafft haben, die beim Anbieter des sozialen Netzwerks als wissenschaftliche Forschung deklariert worden sei.

Facebook stellt sich in der Öffentlichkeit als Opfer dar. Allerdings war der mitunter „lockere“ Umgang mit Nutzerdaten in der Vergangenheit immer wieder von Experten kritisiert worden.

Da Facebook seine teils enormen Profite mit an seinen Nutzern ausgerichteter Werbung verdient, könnte sich dieser Skandal zu einer Bedrohung der Existenz des Unternehmens entwickeln.

Facebook-Aktionäre waren vorgewarnt

Ob es tatsächlich soweit kommt, wird sich erweisen. Doch gleichwie: Aus charttechnischer Sicht überwiegen derzeit klar die Argumente für einen Verkauf der Aktie:

Facebook: Abwärtstrend wurde soeben definiert

Im Chart sehen Sie gelb eingekreist, dass Facebook-Aktionäre spätestens seit dem 8. Februar 2018 gewarnt waren:

An jenem Donnerstag rutschte die Aktie mit einem Tagesverlust von -4,8% unter die seit Ende Dezember 2016 gültige Aufwärtstrend-Linie. Ein deutliches Verkaufssignal.

Tatsächlich häuften sich indes schon seit November des vergangenen Jahres die charttechnischen Warnsignale – abzulesen an einer Divergenz (Abweichung).

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Divergenz kündigte Trendwechsel vor 5 Monaten an

In einem intakten Aufwärtstrend sollten neue Hochs im Kurs (pinkfarbene Linie) stets von neuen Hochs im 50-Tage-Momentum bestätigt werden. Denn schließlich gibt Ihnen dieser Indikator Aufschluss über Schwung und Dynamik einer Kursbewegung.

Laufen Kurs und Momentum in dieser Weise asynchron (wie die blauen Vertikalen dokumentieren), dann kündigt dies stets einen bevorstehenden Trendwechsel an.

Das Unschöne an einer Divergenz ist: Sie kann sowohl einfach, als auch mehrfach auftreten, wie in diesem Fall. Das erschwert es, den exakten Zeitpunkt eines solchen Trendwechsels vorher zu bestimmen.

Doch das müssen Sie auch gar nicht: Tatsächlich können Sie aufgrund der Warnung selbst Ihren bestmöglichen Ausstieg in Ruhe planen und vorbereiten.

Fazit

Gewiss: Der jetzt bekanntgewordene Skandal war durch Charttechnik nicht vorherzusehen. Wohl jedoch, dass mit der Facebook-Aktie irgendetwas nicht mehr stimmte!

Die seit November zu beobachtenden Divergenzen zwischen Kurs und Momentum generierten unmissverständliche Warnsignale.

Aussteigen sollten Sie indes auch jetzt noch, falls nicht schon geschehen:

Wie der rote Pfadpfeil deutlich macht, hat die Facebook-Aktie mit dem gestrigen neuen Tief klar einen Abwärtstrend definiert.

Überdies hat der Kurs am Dienstag unter der 200-Tagelinie geschlossen: Und die steht immerhin für den langfristigen Trend eines Marktes.

Dieses Verkaufssignal könnte nur dadurch „geheilt“ werden, dass sich der Aktienkurs ähnlich stabilisiert wie im November / Dezember 2016 (blau eingekreist).

Allerdings erscheint genau dies angesichts des „Daten-Skandals“ nur schwerlich denkbar.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.