Zuckerberg-Entschuldigung: Wird für Facebook jetzt alles wieder gut?

Facebook-Chef Zuckerberg entschuldigt sich vor seiner Anhörung öffentlich. Wie wirken sich die Themen auf die Aktie aus? (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Wie Sie sicherlich schon aus den Medien erfahren haben, muss sich der Chef des weltgrößten Social Media-Unternehmens, Mark Zuckerberg, heute und am Mittwoch 2 Untersuchungsausschüssen des US-Kongresses stellen.

Der Hintergrund: Die rund 87 Mio. Facebook-Nutzer(innen) könnten von einem Datenmissbrauch betroffen sein. Der Konzern hatte einem Drittanbieter Zugriff auf einen Teil seiner Nutzerdaten gewährt.

Dieser Drittanbieter, die Datenanalyse-Gesellschaft Cambridge Analytica, soll sich den Zugang illegal über eine Persönlichkeits-Umfrage verschafft haben. Bei Facebook soll diese als wissenschaftliche Forschung deklariert worden sein.

Was wird / muss Facebook tun?

Zu Beginn der Affäre vor 3 Wochen präsentierte sich Facebook in den Medien Öffentlichkeit als Opfer. Als Zuckerberg erkannt hat, dass er mit dieser „Strategie“ wenig Pluspunkte sammelt, schwenkte er um:

Nach einer ersten Entschuldigung Ende März lädt er jetzt gleich die gesamte Schuld auf die eigenen Schultern: „Es war mein Fehler, es tut mir leid.“

Die amerikanische Politik und Öffentlichkeit wirkt beim Thema Facebook sehr gereizt – und das mit gutem Grund. Zur Erinnerung: Schon im Herbst 2016 war dem Unternehmen Einmischung in den damals laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf – Stichwort: massive russische Anzeigen auf Facebook – vorgeworfen worden.

In der Anhörung soll nun geklärt werden, welche Maßnahmen Zuckerberg ergreifen und umsetzen will, um seine User vor künftigem Datenmissbrauch zu schützen. Vor allem aber soll ergründet werden, ob diese Maßnahmen auch ausreichen.

Starke Abhängigkeit von Werbebudgets

Klar ist: Facebook profitierte bislang von den enormen Gewinnen, die durch an die 87 Mio. Nutzer(innen) gerichtete Werbung erzielt wurden.

Das Budget für mobile Werbung – also auf SmartPhones und Tablets – liegt Schätzungen zufolge bei 107 Mrd. USD. Der auf Facebook und Google entfallende Anteil daran wird mit etwa 57% angenommen.

Diese Zahlen dürften Ihnen deutlich machen, um welche Dimensionen es hier im Kern geht: Wie reagieren die Werbekunden auf die Facebook-Affäre?

Gut denkbar ist, dass nicht wenige der Werbe-Auftraggeber dem öffentlichen Druck erliegen werden, sich von Facebook zu lösen.

Die Entschuldigung hilft Facebook nicht wirklich

Hilft die Entschuldigung Zuckerberg nun seiner Facebook-Aktie wieder auf die Beine?

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Ich denke, wohl eher nicht und wenn überhaupt, lediglich vorübergehend. Vergessen wir nicht:

Dieses Schuldeingeständnis bestätigt, dass Facebook Fehler gemacht hat. Und die werden das Unternehmen neben dem enormen Image-Schaden nicht nur Geld wegen Investitionen in die künftige Datensicherheit kosten.

Die Begründung für meine Einschätzung liefert Ihnen aber vor allem der nachfolgende Chart:

Facebook langfristig: 14-Monats-Relative Stärke Index in einem Verkaufssignal

In der Grafik sehen Sie den Kursverlauf der Aktie seit ihrem Börsengang im Mai 2012. Vom Eröffnungspreis bei 42,05 USD hat sich der Wert in der Spitze nahezu vervierfacht.

Der Aufwärtstrend, der mit dem Tiefpunkt im November 2012 bei 18, USD begann, ist noch immer intakt. Das schaut doch eigentlich gut aus, nicht wahr?

Wenn Sie Ihren Blick indes auf den Relative Stärke Index (RSI) im unteren Teil der Grafik richten, werden Sie eine solche Einschätzung revidieren müssen:

Fazit

Der Indikator für die Trend-Intensität eines Marktes, der RSI, ist just im abgelaufenen Monat März durch den langfristigen Aufwärtstrend gerutscht (gelber Kreis).

Tatsächlich war es das endgültige Verkaufssignal: Es gab bereits ein erstes Signal im November des vergangenen Jahres.

Das wohl beste Szenario für die Facebook-Aktie wäre, wenn sich der Kurs oberhalb des langfristigen Aufwärtstrends hielte. Eine mögliche Zielzone für die kommenden 3 Monate habe ich Ihnen einmal mit dem kleinen roten Rechteck markiert:

Sie liegt etwa zwischen 119,00 USD und 129,00 USD. Doch wehe, wenn der Aufwärtstrend nicht hält …


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.