Thesaurierende Fonds: Anlagehorizont und Besteuerung

Manche Investmentfonds sind ausschüttend, andere akkumulierend. Lesen Sie hier unsere Thesaurierend-Definition und was Sie beachten müssen.

Wenn es um die Wahl des richtigen Investmentfonds geht, muss einiges bedacht werden. Dazu gehört insbesondere die Art und Weise wie mit Gewinnen umgegangen wird. Thesaurierende Fonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Erträge direkt wieder investieren.

Fondstypen unterscheiden sich – in einem Punkt grundsätzlich

Die verschiedenen verfügbaren Investmentfonds unterscheiden sich in einer ganzen Reihe von Merkmalen. Dabei ist auch der jeweilige Anlageschwerpunkt verschieden. So investiert beispielsweise ein High Yield-Rentenfonds in hochverzinsliche Anleihen, dagegen ein Aktienfonds Welt in internationale Aktien – die Auswahl ist riesig.

Doch unabhängig von der jeweiligen Anlagepolitik lass sich Investmentfonds in zwei grundsätzliche Sorten einteilen: In die ausschüttenden und in die thesaurierenden Fonds.

Ausschüttende Fonds sind solche, bei denen die Erträge aus den Anlagen des Sondervermögens an die Anteilseigener ausgezahlt, also ausgeschüttet werden. Bevor das geschieht werden natürlich noch Gebühren für das Management und sonstige Kosten abgezogen.

Thesaurierend: Diese Fonds investieren Erträge

Die andere Sorte schüttet die Erträge am Ende eines Wirtschaftsjahres nicht aus. Stattdessen werden sie sogleich wieder in den Fond reinvestiert. Diese Fonds werden thesaurierend genannt.

Ein thesaurierender Fonds schüttet die erzielten Erträge also nicht an Anleger aus, sondern investiert die Erträge sofort wieder. Derartige Fonds werden daher auch akkumulierende Fonds genannt.

Die vom Fonds im Geschäftsjahr erzielten und nicht ausgeschütteten Erträge unterliegen ebenfalls am Ende des Geschäftsjahres der Abgeltungssteuer. Für die Wiederanlage stehen mithin nur die Nettobeträge nach Steuerabzug zur Verfügung.

Thesaurierend vs. ausschüttend

Ein thesaurierender Fonds hat für langfristig orientierte Anleger den Vorteil, dass auch die wieder angelegten Erträge dem Bestandsschutz der Altanteile unterliegen. Bei einem ausländischen Fonds ist dieser Effekt noch etwas größer als bei einem inländischen Fonds.

Denn beim Inlandsfonds fallen 25% der ordentlichen Erträge sofort an Abgeltungssteuer an und stehen somit nicht zur Wiederanlage auf Fondsebene zur Verfügung.

Thesaurierende ausländische Fonds mit Vorteilen

Besonderes Augenmerk sollte man auf thesaurierende Fonds aus dem Ausland richten. Ein solcher ausländischer thesaurierender Fonds kann nicht zum Einbehalt der Quellensteuer verpflichtet werden. Es steht somit also immer der gesamte Ertrag für die Wiedereinlage zur Verfügung.

In diesen Fällen sind Anleger allerdings verpflichtet, derartige Kapitalerträge in seiner Steuererklärung aufzulisten. Die Besteuerung erfolgt im Veranlagungsverfahren mit dem Steuersatz von 25%. Weil keine Ausschüttung aus den Investmentanteilen erfolgt, ist die Steuerzahlung aus anderen Geldquellen im Portemonnaie des Anlegers zu finanzieren.

Ein ausländischer thesaurierender Fonds erfordert leider ein hohes Maß an Steuerbürokratie. So sind jedes Jahr die Einkünfte aus dem ausländischen Fonds zu erklären und im Jahr des Verkaufs ist noch besondere Umsicht bei der Abgabe der Steuererklärung geboten.

Italien-Referendum: Short Squeeze sorgt für steigende KurseHier eine mögliche Erklärung von Experte Rolf Morrien, warum die Kurse heute trotz des negativen Italien-Referendums gestiegen sind: › mehr lesen

 

Grundlagen: Besteuerung thesaurierender Fonds

Erträge von thesaurierenden Fonds müssen am Ende eines jeden Geschäftsjahres versteuert werden. Seit 2009 führt Ihre Depotbank sowohl bei ausschüttenden Fonds als auch bei thesaurierenden Fonds die pauschale Abgeltungssteuer in Höhe von 25% automatisch an das Finanzamt ab.

Außerdem müssen Anleger den Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer bezahlen, falls sie einer Kirche angehören, die dazu berechtigt ist. Wenn Sie einen thesaurierenden Fonds Ihr Eigentum nennen und Fondsanteile verkaufen, muss für die Kursgewinne wiederum Abgeltungssteuer gezahlt werden.

Von dieser zu zahlenden Abgeltungssteuer werden automatisch alle bereits gezahlten Beträge abgezogen. So soll eine Doppelbesteuerung der schon abgegoltenen laufenden Erträge – also Dividenden und Zinsen – vermieden werden.

Diese automatische Verrechnung der Abgeltungssteuern sollte von der Bank selbstständig vollzogen werden. Allerdings gilt dies nur für einen in Deutschland aufgelegten thesaurierenden Fonds.

Besteuerung thesaurierender Fonds im Ausland

Wer sich aus Steuergründen für einen thesaurierenden Fonds entscheidet, sollte unbedingt über das Land nachdenken, in welchem der jeweilige Fonds aufgelegt wird.

Deutsche Fonds tragen das Länderkürzel DE zu Beginn der Kennnummer des Wertpapiers. Was die Abwicklung der Besteuerung angeht, gibt es ein paar wichtige Unterschiede zu ausländischen Fonds. Für thesaurierende Auslandsfonds ist die steuerliche Abwicklung komplizierter.

Der Anleger muss jedes Jahr selbst beim Finanzamt angeben, wie hoch die thesaurierten Erträge waren. Anders als bei den Inlandsfonds oder den ausschüttenden Auslandsfonds übernimmt das nicht die Bank für ihn. Erst das Finanzamt zieht die Steuern ab.

Wenn der Anleger den Fonds aber verkauft, führt die Bank für die gesammelten steuerpflichtigen Erträge die Steuern an das Finanzamt ab. Darin sind dann auch die bereits versteuerten Erträge enthalten. Damit es nicht zur Doppelbesteuerung kommt, muss der Anleger nachweisen, dass er bereits jährlich Steuern bezahlt hat.

Bei den thesaurierenden Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden, verhindert die Bank wie oben erwähnt die Doppelbesteuerung. Sie rechnet bei einem Verkauf der Anteile die bereits im Laufe der Jahre auf die Erträge entrichtete Steuer an.

„Strafsteuer“ für Auslandsfonds

Sollte ein Anleger dem deutschen Fiskus nicht die notwendigen Informationen über einen Auslandsfonds überbringen, wird eine Art Strafsteuer fällig. Neben den Zinsen und Dividenden sind dann nämlich noch weitere 70% der Kurssteigerung im Zeitraum vom 01. Januar bis zum 31. Dezember des entsprechenden Jahres steuerpflichtig.

Selbst wenn sich der Rücknahmepreis eines Fondsanteils nicht ändert, nimmt der Gesetzgeber pauschal immer noch 6% des letzten festgesetzten Rücknahmepreises als steuerpflichtigen Ertrag an.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.