Amazon-Aktie: Was der Whole Foods-Zukauf Anlegern bringt

Die Amazon-Aktie markiert nach Whole Foods Zukauf ein neues Rekordhoch – das sind die Gründe. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Paukenschlag im US-Einzelhandel: Der Online-Händler Amazon.com kauft die Biosupermarktkette Whole Foods Markets für 13,7 Mrd. US-$ in bar. Es ist bis dato die größte Firmenübernahme in der Geschichte von Amazon.com – und diese hat es in sich.

Marktbeobachter erwarten durch den Schritt von Amazon.com nicht weniger als eine Disruption bzw. Revolution des Lebensmittelhandels. Amazon.com kontrolliert zwar bereits 43 % des Online-Handels in den USA, im Lebensmittelhandel hatte Amazon.com bis dato kaum Marktanteile – das könnte sich in Zukunft ändern.

Zukauf von Whole Foods: Amazon schlägt 2 Fliegen mit einer Klappe

Denn mit dem Zukauf von Whole Foods Markets schlägt Amazon.com gleich 2 Fliegen mit einer Klappe. Zwar hat Amazon.com mit Amazon Fresh bereits erste Schritte im Lebensmittelgeschäft getan, doch nun verschafft sich der Online-Händler mit dem Zukauf von Whole Foods einen direkten Zugang zu einem breiten Angebot von Bioprodukten.

War Amazon.com bislang hauptsächlich im Internet zu finden, zeigt der Online-Händler mit der Übernahme von Whole Foods erstmals auch im größeren Umfang Flagge im stationären Handel, denn Whole Foods betreibt bereits mehr als 460 Niederlassungen in den USA, Kanada und England.

Was Anleger von der Übernahme erwarten können

Marktbeobachter und Analysten gehen davon aus, dass Amazon.com die Produkte von Whole Foods aufgrund von Skaleneffekten und der vorhandenen Logistik zu geringeren Kosten an die Kunden bringen kann.

Bislang bediente Whole Foods mit seinen etwas teureren Bioprodukten vor allem das Premium-Segment im Lebensmittelhandel. Amazon-Chef Jeff Bezos will dies offenbar ändern und Bioprodukte auch einer breiteren Einkommensschicht schmackhaft machen, heißt es aus der Branche.

Anleger und Kunden können daher mit sinkenden Preisen in diesem Segment rechnen, womit sich der Preiswettbewerb in der Branche eher noch weiter verschärfen dürfte.

Ferner testet Amazon.com bereits mit dem Konzept Amazon Go einen kassenlosen Supermarkt. Diese Technik könnte der Online-Händler eines Tages auch bei Whole Foods Markets einführen und damit die Kosten weiter drücken.

Unter dem Strich rechnen Analysten und Marktbeobachter damit, dass durch das vorhandene technische Know-how bei Amazon.com das Einkaufen bei Whole Foods künftig einfacher wird.

Fazit: Klassische Supermärkte sind die Verlierer, Amazon.com der Gewinner

Amazon-Chef Jeff Bezos hat erkannt, dass Amazon.com im Online-Lebensmittelhandel mit Webseiten, Lagerhäusern und LKWs allein nicht gewinnen kann.

Wie die Daten der Marktanalysefirma TABS Analytics zeigen, bestellen derzeit nur 4,5 % der Shopping-Kunden regelmäßig Lebensmittel im Internet, 69 % der US-Konsumenten tun das überhaupt nicht – obwohl Amazon & Co hohe Summen in das Geschäft investiert haben.

Die jüngsten Daten zeigen damit, dass Konsumenten frische Lebensmittel lieber direkt im Laden kaufen – und genau da will Amazon.com hin. Denn immerhin geht es hier um einen Markt, in dem jährlich 800 Mrd. US-$ umgesetzt werden.

Die großen Verlierer könnten dagegen klassische US-Supermarktketten wie Supervalu, Kroger, aber auch Wal-Mart sein. Auch für die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl könnte es künftig schwieriger werden, im US-Markt zu expandieren, wenn es Amazon.com gelingt, sein technisches Know-how mit der hohen Qualität von Whole Foods Produkten zu kombinieren.

Kurzum: Der Zukauf von Whole Foods eröffnet Amazon.com große Chancen auf weitere Marktanteilsgewinne im Lebensmittelhandel, während sich die Konkurrenz auf einen harten Wettbewerb einstellen muss. Anleger können sich freuen, denn die Dominanz von Amazon.com im Handel dürfte in der Zukunft eher noch weiter zunehmen.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands